Gott und seine zwei- und vierbeinigen Schäfchen: Die etwas andere Predigt im Stall von Hohenbergen

Was haben die Zweibeiner jetzt wieder vor?
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Zu Weihnachten mal was anderes - dachten sich die Pfarrer Annemarie Sommer und Frank Freudenberg und initiierten für den vierten Advent den ersten Gottesdienst im Schafstall von Bürgermeister Hans-Joachim Roth in Hohenbergen.

"An diesen Balken hängen wir die Schaukel und dort hinten links wird das Spinnrad stehen", sinniert Pfarrerin Annemarie Sommer und ihr Kollege Frank Freudenberg ergänzt: "Das Heu lassen wir liegen - für eine authentische Kulisse."
Lokaltermin im Schafstall des Hohenberger Hofs bei Schlotheim. Zum ersten Mal soll dort am 4. Advent kirchenkreisübergreifend ein Gottesdienst der besonderen Art stattfinden: Zweibeiner und Schafe lauschen den Worten der Darsteller auf einer improvisierten Bühne. Wenn die Schafe denn lauschen und nicht ständig dazwischenblöken. Annemarie Sommer ist zwar der Meinung, dass Jesu Wort "Ich bin der gute Hirte" eine ganz andere Bedeutung bekommt, aber die Schafe befürchten, dass es mit der Ruhe in ihrem Stall vorbei ist. Zufällig wurde AA-Redakteurin Jana Scheiding Zeugin eines Gesprächs zwischen Schafbock Helmut und Mutterschaf Isolde.

Helmut: Hast du schon gehört, was die Zweibeiner mit unserem Stall vorhaben?
Isolde: Was soll ICH schon gehört haben? Ich muss mich um die Kleinen kümmern. Erzähl mal.
Helmut: Du weißt ja, dass sich die Zweibeiner gern Geschichten erzählen. So auch am vierten Advent. Hunderte Leute werden nächsten Sonntag hier einfallen. Meine Nerven! Eigentlich brauche ich meine Kraft für reproduktive Zwecke.
Isolde: Ach, du siehst schon wieder Gespenster. Vielleicht werden es gar nicht so viele. Wie sollen die das denn erfahren?
Helmut: Heute waren Zeitungsfritzen im Stall. Noch Fragen?
Isolde: Wollen die Zweibeiner unseren Stall etwa einreißen?
Helmut: Nein, du dummes Schaf, hätte ich beinahe gesagt. Sie wollen nur ein Theaterstück aufführen. Gott sei Dank schleppen sie keinen Esel an. Da hätte es Halligalli gegeben! Der Ziegenbock Peter soll jetzt den Esel spielen. Dafür bekommt er Satteltaschen umgehängt.
Isolde: Na der wird sich freuen. Ein Theaterstück also. Möglichst mit Musikinstrumenten?
Helmut: Ja. Zumindest stellen sie hier ein E-Piano auf. Die Bläser bleiben Gott sei Dank draußen.
Isolde: Wo sollen die vielen Leute denn sitzen?
Helmut: Da mach dir mal keine Sorgen, Pfarrer Freudenberg organisiert Bierzeltgarnituren. Die Zweibeiner montieren hier Scheinwerfer und Mikrofone. Das wird ein Aufruhr, sage ich dir.
Isolde: Sie werden dir schon nicht die Hammelbeine langziehen. Wer hatte denn diese Idee?
Helmut: Na, wer schon? Unser Besitzer Hans-Joachim Roth natürlich. Er meint, wir Schafe seien beeindruckend in unserer naiven Freundlichkeit. Im Übrigen, sieh dich vor: Oma Else will Schafwolle spinnen.
Isolde: Verlorene Liebesmüh: Am 21. Dezember kommen die Schafscherer, da bin ich wieder nackt wie eine Jungfrau im Bade.
Helmut: Lass mich nachdenken: Zwei Tage vorher ist Generalprobe. Vielleicht fallen uns bis Sonntag noch einige Störfaktoren ein...
Isolde: Nun sei mal nicht so egoistisch und gönne den Zweibeinern ihr Vergnügen. Immerhin dürfen wir als Statisten mitwirken und vielleicht kommen wir ins Fernsehen. Dann grüße ich sämtliche Schafe auf der ganzen Welt.

Zur Sache:
Termin: 18. Dezember, 15 Uhr, Gottesdienst unter Schafen für Zweibeiner, Hohenberger Hof in Hohenbergen (Ortsausgang Richtung Schlotheim).
Die Pfarrer Annemarie Sommer und Frank Freudenberg gestalten den Gottesdienst gemeinsam kirchenkreisübergreifend für die Pfarrbereiche Kirchheilingen, Körner / Menteroda, Schlotheim sowie für Tierliebhaber und Menschenfreunde inmitten lebendiger Kulisse. Sie zeigen keine Szenen aus dem Krippenspiel - Laiendarsteller inszenieren die Vorgeschichte der bekannten Ereignisse in einem Theaterstück.
Anschließend gibt es Glühweih und Kinderpunsch. Wer zum Gottesdienst kommt, wird gebeten, ein Sitzkissen mitzubringen.
Die Grenze zwischen den Kirchenkreisen verläuft zwischen Hohenbergen und Issersheilingen. Mit dem gemeinsamen Projekt wollen die Pfarrer Annemarie Sommer aus Kirchheilingen und Kollege Frank Freudenberg aus Schlotheim auch sinnbildlich Grenzen überwinden. "Wir feiern alle Weihnachten und haben die gleichen Probleme: Ehrenamt, Kirche, Weltgeschehnisse - warum sollen wir nicht etwas gemeinsam tun?"
Zum etwas anderen Gottesdienst in Hohenbergen sind nicht nur Kirchgänger, sondern alle Interessierten eingeladen.

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