Urlaub mal anders: Haustauschferien
Willkommen im fremden Haus

Im Gästebuch von Sabine und Kai Ronshausen bedanken sich Haustauschpartner für die schöne Zeit in Thüringen.
  • Im Gästebuch von Sabine und Kai Ronshausen bedanken sich Haustauschpartner für die schöne Zeit in Thüringen.
  • hochgeladen von Sibylle Klepzig

Statt ein teures Hotelzimmer zu buchen, tauscht Familie Ronshausen aus Oberdorla mit einer anderen Familie am Urlaubsort das Haus. Eine komfortable Alternative, finden die Thüringer.

 "Das ist doch absurd, fremde Leute allein in unser Haus zu lassen.“ Kai Ronshausen fand die Idee des Haustausches anfangs gar nicht gut. Sicher, eine bekannte Familie machte das schon länger. Er aber konnte es sich nicht vorstellen, dass ein Fremder in seinem Bett schläft, das Bad oder die Spülmaschine nutzt. „Meine Frau war da aufgeschlossener, zeigte mir auf dem Portal Haustausch­ferien, wie groß die Community ist. Also wagten wir 2013 den ersten Versuch“, erzählt der 43-Jährige Polizei­beamte.

Tauschpartner gibt's weltweit

Fünf Mal hat die fünfköpfige Familie ihr Bauernhaus in Oberdorla seither für die Zeit eines Urlaubs getauscht. Und siehe da: Die durchweg guten Erfahrungen haben aus dem Skeptiker einen Fan gemacht. Gleich die erste Reise führte die Thüringer ins ferne Kanada. Dann ging’s nach Holland, Norwegen und zweimal nach Dänemark, während die Tauschpartner den Unstrut-­Hainich-Kreis erkundeten. Sabine Ronshausen freut sich über das Interesse an ihrer Region. Längst verflogen sind ihre leisen Zweifel, ob überhaupt jemand nach Oberdorla will. „Es gibt viele Anfragen. Die Gäste schätzen die herrliche Landschaft, die Ruhe, das Grün, die zentrale Lage“, weiß die 40-jährige Psychologin heute. Erfurt, Eisenach, Mühl­hausen, der Hainich – alles liegt so nah.

Schon vorab reger Kontakt

„Die Kanadier sind von hier aus sogar bis Dresden und Prag gefahren“, erzählt sie und zeigt das Foto der fröhlichen Familie im Gästebuch. Menschen, die längst nicht mehr fremd sind. „Lange vor einem Tausch gehen E-Mails hin und her, hält man Kontakt über Skype“, beschreibt sie das Kennenlernen. „Wer die eigenen vier Wände für andere öffnet, ist unkompliziert und ­offen.­­ Man versteht sich sofort.“ Manchmal ist vorab sogar ein kurzes Treffen geglückt, irgendwo zwischen An- und Abreise – auf dem Flughafen, auf der Autobahnraststätte, am Fährhafen. „Und während des Tausches wird kurzerhand per WhatsApp geklärt, wie der Staubsauger funktioniert“, ergänzt sie scherzhaft.

Das Tollste: Du bist mittendrin

Nicht das Geld, das sie für die Unterkunft sparen, ist für Sabine Ronshausen das Wichtigste. Sie genießt vor allem den Platz: „Für uns als Familie mit drei Kindern ist es der absolute Wahnsinn, ein ganzes Haus in Beschlag nehmen zu können – mit Garten, Kinder­zimmern und Spielzeug.“ Und sie liebt die persönliche Atmosphäre. „Ein Haus ist belebt, überall stehen die Dinge derer, die da wohnen. Das Tollste: Man lebt wie ein Einheimischer, nicht abgeschottet.“ Denn meist gibt es mit der Unterkunft zugleich Familienanschluss. Kai Ronshausen erinnert sich an unterhaltsame Grill­abende: „Mal haben wir die Eltern oder Nachbarn der Tausch­leute eingeladen, mal sie uns.“ Im Gegenzug zeigt sich auch die Nachbarschaft in Oberdorla ausgesprochen interessiert und hilfsbereit, wenn neue Tauschfamilien einziehen. Alle Sprachbarrieren fallen, sitzt man erstmal im Hof zusammen.

 „Beim Haustausch lernt man Land und ­Leute einfach besser kennen“, sagt Kai Ronshausen und wirft gleich noch einen ökologischen Aspekt in die Waagschale. „Auf diese Weise werden vorhandene bauliche Ressourcen genutzt, nicht noch mehr Hotels in die Landschaft gestellt.“

 Halt, ein kleiner Nachteil fällt dem ­Familienvater dann aber doch noch ein. Weil den Gästen nicht nur das Haus, sondern auch Garten und Scheune offen stehen, muss er den hinteren Teil einmal im Jahr aufräumen. „Das ist ein hartes Stück Arbeit“, sagt er und lacht.

Hintergrund:
Vermittelt über die Online-Plattformen guesttoguest und Haustauschferien gab es im Jahr 2017 insgesamt mehr als 570 Übernachtungen in Thüringen.
Die meisten Gäste kamen aus Dänemark ( 39%), den Niederlanden (29%) und den USA (9%).

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