Evangelisches Schulzentrum Mühlhausen ist "Schule ohne Rassismus"
Schüler zeigen Courage

Das große Metallschild direkt am Eingang macht es weithin sichtbar: Das Evangelische Schulzentrum Mühlhausen ist jetzt eine Courage-Schule. Karolin Hristova (links), Tabea Hielscher und Kira Klug (nicht im Bild) gaben mit ihrer Seminarfacharbeit den Anstoß.
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  • Das große Metallschild direkt am Eingang macht es weithin sichtbar: Das Evangelische Schulzentrum Mühlhausen ist jetzt eine Courage-Schule. Karolin Hristova (links), Tabea Hielscher und Kira Klug (nicht im Bild) gaben mit ihrer Seminarfacharbeit den Anstoß.
  • hochgeladen von Sibylle Klepzig

49 Thüringer Schulen mit Courage setzen sich aktiv gegen Rassismus ein. Wir stellen drei Schülerinnen aus Mühlhausen und einen Lehrer aus Erfurt und ihren Kampf für mehr Miteinander vor.

Woher kommen ­Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit? Eine Frage, die drei Mühlhäuser Abiturientinnen seit anderthalb Jahren umtreibt. „Unter jungen Leuten hatten wir immer wieder Vorurteile und Feindseligkeiten gegenüber Flüchtlingen mitbekommen“, erzählt ­Karolin Hristova. „Dem wollten wir etwas entgegensetzen“, spricht sie auch für Tabea Hielscher und Kira Klug. Die drei machten das Thema ­Diskriminierung und den Abbau von Vorurteilen zum Inhalt ihrer Seminarfacharbeit am Evangelischen Schul­zentrum Mühlhausen.

Die Aktionen

„Bei der Recherche stießen wir schnell auf das Netzwerk ‚Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage‘, das genau unser Anliegen unterstützt“, erinnert sich Tabea. Es ermutigt Schüler, aktiv das Klima auf dem Schulhof und im Klassenzimmer mitzugestalten. „Zuerst aber wollten wir in einer Umfrage mehr über die vorgefassten Meinungen erfahren“, berichtet sie. Die ausgefüllten Fragebögen bestätigten die Vermutung der Initiatorinnen: Die meisten Schüler hatten noch nie mit einem geflüchteten Menschen gesprochen, kennen aber Vorurteile aus dem Freundeskreis, der Familie und sozialen Netzwerken. „Die Vorurteile sind diffus, manchmal sogar gegensätzlich“, schildert Tabea und zitiert ein Beispiel: „Einer schrieb: Die Flüchtlinge gehen nicht arbeiten. Ein anderer: Die nehmen uns die Jobs weg.“
 Karolin, Tabea und Kira dachten sich, wer zusammen etwas unternimmt, lernt sich kennen. Also organisierten sie eine Projektwoche, um die fremden ­Kulturen und jungen Menschen einander näherzubringen. Es waren Begegnungen voll Wertschätzung, erzählt Karolin: „Wir haben arabisch gelernt, die Stadt besichtigt, gemeinsam gekocht. Es gab Hummus, Fattoush und Tabouleh, aber auch Würstchen mit Kartoffelpürree.“ Die Teilnehmer gestalteten Plakate und drehten ein Video.
Um jedoch eine „Schule ohne Rassismus“ zu werden, musste jetzt noch die Mehrheit der Schülerschaft mit ihrer Unterschrift gegen jede Form von Diskriminierung an der Schule stimmen – für Toleranz und Respekt.

Die Unterschriftensammlung

Einfach die Unterschriftenliste am Infobrett aushängen und auf Resonanz hoffen, das war dem Trio zu wenig. „Wir gingen zu jeder Klasse in den ­Unterricht, stellten das Projekt vor, warben für die Idee. Zwei Monate lang nutzten wir dafür Freistunde für Frei­stunde“, schildert ­Karolin den immensen Zeitaufwand. ­Miteinander reden, um zu verstehen – das war den Abiturientinnen wichtig. Damit eben nicht irgendwo aufgeschnappte ­rassistische Parolen gedanken­los nach­gequatscht werden. Die Infotour trug Früchte. Am Ende stimmten 533 Schüler für das Projekt. Auch Lehrer und technisches Personal unterschrieben. „70 Prozent Zustimmung sind nötig für die Aufnahme ins Netzwerk. Wir schafften 84 Prozent“, freut sich Tabea.

Der Titel

Im Januar ­kam dann der festliche Moment: Das Evangelische ­Schulzentrum erhielt den Titel „Schule ohne ­­Rassismus“, ist nun Teil des Thüringer ­Netzwerkes. Das große Metall­schild gleich neben der Eingangstür macht das weithin sichtbar.
 Da jede Courage-Schule einen Paten braucht, wird ­künftig Lydia Höppner von der Diakonie Mühlhausen die Schüler bei Projekttagen und Workshops unterstützen. Vom Einsatz der drei Abitu­rientinnen zeigt sich die Patin, die auch die Seminarfach­arbeit betreute, beeindruckt: „Ob in der interkulturellen Woche oder beim Unterschriftensammeln – sie haben sich wirklich überdurchschnittlich engagiert.“ Genau das macht das bundesweite Schulprojekt zu einem besonderen: Es wird von den Schülern getragen, nicht „von oben“ organisiert.

Der Ausblick

Es ist der Lauf der Dinge: Nach dem Abitur zieht es Karolin, Tabea und Kira zum Studium. Das Klima des Mit­einanders an ihrer Schule aber soll bleiben und ihre Arbeit nachhaltig sein. „Darum haben wir mehrere Module zu den Themen Diskriminierungen und Fremdenfeindlichkeit entwickelt. Diese können künftig für Projekttage oder auch im Unterricht eingesetzt werden“, wünscht sich Karolin eine langfristige Fortführung des Projektes.
 Denn der Titel „Schule ohne Rassismus“ ist kein Preis für bereits Geleiste­tes, sondern eine Selbstverpflichtung für die Gegenwart und Zukunft. Jährlich ist durch Aktionen nachzuweisen, dass man den Titel noch verdient. „Vielleicht“, so hofft auch Tabea, „findet sich nach uns eine neue Schülergruppe, die aktiv wird und Ideen einbringt – für den respekt­vollen Umgang im Schulalltag.“

Hintergrund

- Jede Schule kann den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ tragen, wenn sie diese Voraussetzungen erfüllt:
Mindestens 70 Prozent aller Menschen, die in einer Schule lernen und arbeiten, verpflichten sich mit ihrer Unterschrift, sich künftig gegen jede Form von Diskriminierung an der Schule aktiv einzusetzen, bei Konflikten einzugreifen und regelmäßig Projekttage zum Thema durchzuführen.

- Es ist ein deutschlandweites Schulnetzwerk. In Thüringen gibt es mittlerweile 49 Courage-­Schulen. Die Landeskoordination obliegt der Europä­ischen Jugend­bildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar.

- Der Titel bedeutet für die Schule zugleich eine Selbstverpflichtung: Mindestens einmal pro Jahr wird eine Courage-­Aktivität durchgeführt.

- Information: Internet: schule-ohne-­rassismus-thueringen.de, Facebook und unter Tel. 0 36 43 / 8 27 - 144 / -142

Das große Metallschild direkt am Eingang macht es weithin sichtbar: Das Evangelische Schulzentrum Mühlhausen ist jetzt eine Courage-Schule. Karolin Hristova (links), Tabea Hielscher und Kira Klug (nicht im Bild) gaben mit ihrer Seminarfacharbeit den Anstoß.
Autor:

Sibylle Klepzig aus Nordhausen

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