Ausstellung im Kunsthaus Meyenburg Nordhausen
Der schöne Sensenmann

„Von Zweifeln frei“ heißt die Skulptur des zeit­genössischen Künstlers Erik Seidel. Es gibt noch mehrere  Werke zum Thema Tod, an denen Kunsthaus-Leiterin Susanne Hinsching Spaß hat.
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  • „Von Zweifeln frei“ heißt die Skulptur des zeit­genössischen Künstlers Erik Seidel. Es gibt noch mehrere Werke zum Thema Tod, an denen Kunsthaus-Leiterin Susanne Hinsching Spaß hat.
  • hochgeladen von Sibylle Klepzig

Die Frühjahrsausstellung im Nordhäuser Kunsthaus Meyenburg
widmet sich bis zum 10. Juni dem Tod in der Kunst, der keineswegs immer düster dargestellt wird. Passend dazu gibt es am 23. Mai eine Lesung zu Edgar Allan Poe.

Es ist ein Titel, der provo­ziert: „Der schöne ­Sensenmann“. Ist der Tod nicht immer tragisch, erschreckend und hässlich? „Nein, in der Kunst ist er es nicht“, beteuert Susanne Hinsching und will genau das in der Frühjahrsausstellung im Nordhäuser Kunsthaus ­Meyenburg vermitteln. Dafür stellte die Leiterin der städtischen Museen 160 ­Arbeiten aus fünf Jahrhunderten zusammen. „Natürlich gibt es auch verstörende Motive“, räumt sie ein. „Aber viele Werke sind einfach unglaublich schön.“

Wie die Radierungen von Max Klinger aus dem Jahr 1898. Dessen Grafikmappe „Vom Tode II“ hat die Kunsthistorikerin schon immer fasziniert. „Sie zeigt, wie großartig Grafik ist und gibt tiefe Einblicke in die menschliche Psyche.“ Auf einem Bild sitzt ein Kleinkind auf der Brust der toten Mutter. Für Susanne Hinsching eine der berührendsten ­Darstellungen überhaupt. Der Wunsch, Werke wie dieses aus dem Depot an die Öffentlichkeit zu holen, brachte sie auf die Ausstellungsidee.

„Es geht nicht um das Sterben an sich, sondern um die Darstellung des Todes, meist personifiziert als Skelett“, erklärt sie. Die Arbeiten sagen nicht nur etwas über die Handschriften der 38 vertretenen Künstler aus, sondern ebenso über den jeweiligen Zeitgeist. „Früher wurde der Tod auch witzig dargestellt, um dem Menschen ein bisschen die Angst vor ihm zu nehmen“, erzählt Susanne Hinsching und führt zu Kupferstichen aus dem 16. Jahrhundert. Auf einem verkleidet sich der Tod als Frau, um einen jungen Mann zu verführen. Auf dem nächsten trennt er mit einem Netz zwei Liebende oder zerrt, als Gaukler verkleidet, am Bein des Seiltänzers. „Das ist einfach toll dargestellt, mit großer Liebe zum Detail – und zugleich so skurril“, freut sie sich, diese Leihgabe aus der Greizer Kupferstichsammlung präsentieren zu können.

Die Schau, die sich über beide Etagen des Kunsthauses erstreckt, ist nach Motiven geordnet. Ein Raum gehört allein den Knochenmännern. In einem anderen reicht der Sensenmann die Hand zum Totentanz. Tod als Clown, Tod und Mädchen, Krieg und Apokalypse sind weitere Themen. Ebenso der Toten­schädel – das Vanitas-­Symbol, das für die Vergänglichkeit alles Irdischen steht.
Verdis Requiem erklingt in dem Raum, der der ­Passion, der Leidensgeschichte Jesu, Platz bietet. Susanne ­Hinsching verweist auf die Holzskulptur der Maria mit dem Leichnam ihres Sohnes im Arm: „Die Pietà entstand in der Werkstatt Tilman Riemenschneiders.“ Ein Kunstwerk, das tiefe Trauer widerspiegelt. Und doch ist es wunderschön.

Termin: "POE-tischer Tod. Lesung mit Bildbetrachtung", Lesung zu Edgar Allan Poe mit Anja Eisner und Bildbetrachtung mit Susanne Hinsching zu einem Werk aktuellen Sonderausstellung, 23. Mai, 19 Uhr, Kunsthaus Meyenburg

Bis zum 10. Juni 2018 ist die Ausstellung „Der ­schöne Sensenmann – Der Tod in der Kunst“ im Kunsthaus Meyenburg in Nordhausen zu sehen – mit Werken von Ernst ­Barlach, Marc ­Chagall, HAP Grieshaber, Max ­Klinger, Alfred Kubin,
Alfred ­Rethel, Christian Rohlfs, Johann Rudolf Schellenberg, Max ­Slevogt, Erik Seidel und anderen.

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