Hexe ist der Superstar

"Ich singe hexisch. Das hat keinen Anspruch an richtige Töne", erläutert Hexen-Darstellerin Kerstin Liebenau. "Aber dafür an richtige und ehrliche Worte!" Premiere ist am Sonntag vor dem Rathaus.
  • "Ich singe hexisch. Das hat keinen Anspruch an richtige Töne", erläutert Hexen-Darstellerin Kerstin Liebenau. "Aber dafür an richtige und ehrliche Worte!" Premiere ist am Sonntag vor dem Rathaus.
  • Foto: Hasselbach
  • hochgeladen von Heidrun Fischer

Was Bohlen noch sucht, hat Nordhausen längst gefunden

NORDHAUSEN. Sie ist hässlich, sie ist alt, ihre Stimme ist alles andere als sexy. Über 300 Jahre hat sie auf ihrem krummen Buckel, eine fette Warze auf der Wange schlägt jede Erotik in die Flucht. Sie eckt an, nimmt kein Blatt vor den Mund und dennoch - oder gerade deshalb? - ist sie der Liebling der Nordhäuser: die Brockenhexe aus der Rolandgruppe, alias Kerstin Liebenau.

Seit sie die Nachfolge von Marion Probst antrat, eroberte sie die Herzen der Menschen im Flug. Nicht nur, weil sie ihrer Vorgängerin in Gestik, Mimik und Darstellungskunst gleicht wie ein Ei dem anderen, sondern weil sie ebenso spritzig und witzig in Nordhisser Platt ihre Zoten reißt und an Schlagfertigkeit nicht zu übertreffen hat. Doch „Hexe“ Kerstin kann noch mehr: Sie singt!

Seit ihrer Premiere im Jahr 2005, als sie „Wenn Mutti früh zur Arbeit geht, dann bleibe ich zu Haus“ als umgedichtete ABM-Hymne vortrug, gibt es von ihr jedes Jahr einen neuen Song zum Rolandsfest.

Womit wird sie in diesem Jahr ihre Fans begeistern? „Du hast mich tausendmal belogen …“, fängt sie an zu singen und plappert fröhlich drauf los, dass es doch als Inspirateure ganz viele kleine und große Politiker gebe. Denen und ihren Machenschaften hat sie den Text gewidmet und zu einem neuen Liedchen verwurstet. Am Sonntag bei der Schlüsselrückgabe an OB Dr. Klaus Zeh wird es seine Uraufführung erleben. Mitsingen erwünscht!

„Anna Netrebko für Arme“ ist ihr Künstlername. Den hat ihr ihr geliebter Zwanziger einst verpasst. Doch „Anna“ hat sich längst in die Herzen der Nordhäuser gesungen. Dabei begann ihre Kariere eher zufällig. 2005 trällerte sie bei einer Probe einfach so das abgewandelte Mutti-Liedchen vor sich hin, als Jochen Napiralla, der alte Alte Ebersberg, die Idee vom Hexenlied hatte. „Seitdem habe ich mir jedes Jahr eine Melodie gesucht und dazu einen Text gemacht“, verrät die sympathische Blondine. „Letztes Jahr habe ich Frau OB mit meinem ‚Winke, winke, Frau Rinke’ zu Tränen gerührt. Ich war so überrascht, dass ich beinahe die zweite Strophe vergessen hätte.“

Nun gibt es einen neuen Dreistropher, der das Lügen zum Thema hat: von Steuern über Nahrung bis hin zur Politik, verpackt in schönstem Wortwitz. „Das Texten hat mir die Muse unter’n Kopflappen gepustet!“, verrät die attraktive Frau hinter der Hexenmaskerade mit einem schelmischen Lächeln.

Autor:

Heidrun Fischer aus Nordhausen

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