Ein Handbike für Anna: 17-jährige Schülerin aus Nordhausen sucht Unterstützer

Immer fröhlich: Anna Mühlhause. Die 17-Jährige Gymnasiastin möchte mobiler sein und wünscht sich ein Handbike.
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  • hochgeladen von Sibylle Klepzig

Anna ­Mühlhause schreibt in einem Blog über ihre Gefühle und ihr Leben im Rollstuhl. Der sehnlichste Wunsch der Nordhäuserin ist ein Handbike. Ihn zu verwirklichen, startet sie einen privaten Spendenaufruf.

Anna Mühlhause biegt im neon-grünen Rollstuhl um die Ecke. „Eine tolle Farbe, stimmt‘s?“, fragt sie vergnügt. Stimmt. Aber noch mehr Leuchtkraft haben ihre ­Augen. So voller Lebensfreude, von Kummer keine Spur.

Die zierliche 17-Jährige ­leidet seit ihrer Geburt an ­einer infantilen Cerebral­parese (ICP). „Durch die ­Folgen eines Sauerstoffmangels sind die Motorik der Beine und Arme, der Gleichgewichtssinn und die Koordination eingeschränkt.“, beschreibt sie ihr Handicap mit einfachen Worten. Damit zu hadern, kommt ihr nicht in den Sinn. „Ich mag mich so, wie ich bin. Ich kenne kein anderes Leben.“

Fröhlich erzählt sie von ­ihrem Teenager-Alltag, vom Mädelsnachmittag, vom gemeinsamen Shoppen. „Alle meine Freunde sind ‚Läufer‘, eine gute Clique, die mich überall hin mitnimmt.“ Auf dem holprigen Pflaster der Altstadt ist das Schieben mitunter gar nicht so leicht. „Einmal gab‘s einen Sturzflug“, berichtet sie lachend. „Seitdem bin ich immer angeschnallt.“

Die körperliche Behinde­rung spielt in Annas ­Gedankenwelt lediglich eine Neben­rolle. Nur manchmal da drängt sie sich mit Wucht in den Vordergrund, verlangt Mut und Kraft. Etwa wenn ­Operationen anstehen. Vier Stück waren es allein in den vergangenen zwei Jahren. Das Sitzen im Rollstuhl hatte Hüfte und Rücken stark geschädigt, Annas Wirbelsäule extrem gekrümmt. „Der OP-Marathon hat viel gebracht“, freut sich Anna über das Ergebnis und dreht kokett den Oberkörper. Endlich ist sie das Korsett los, das bis vor drei Monaten noch den Rücken stützte. Höchste Zeit, ein hübsches Sommerkleid zu tragen.

Zu Annas Leben gehört Physiotherapie. Immer und immer wieder. „Das kostet Disziplin und Beherrschung“, gibt sie zu. „Wenn andere zum Eis-Essen gehen, muss ich zur Physio.“ Sie weiß, sie braucht die Muskelkraft. Denn es ist verflixt: „Oft macht der Körper nicht das, was der Kopf sich so gut vorgestellt ­hatte.“ Jeder kleine Fortschritt erfordert hartes Training. Gelingt er, durchströmt sie eine Welle des Glücks. Wie neulich, einen Monat nach der schweren Wirbelsäulen-OP: Für Sekunden gab sie die Stützen aus der Hand und stand komplett frei. „Ein mega­geiles Gefühl“, strahlt sie über das ganze Gesicht. Anna ist sich bewusst, dass sie wohl nie völlig allein auf eigenen Beinen gehen kann. „Aber mit den Stützen sicher zu stehen und zu laufen, das ist ein realistisches Ziel.“

Sie weiß inzwischen sehr viel über Anatomie, wälzt medizinische Fachbücher, verfolgt jede derartige ­Dokumentation. „Ich möchte Medizin studieren und Radio­login werden“, sagt Anna selbstbewusst. Und ärgert sich über Leute, die das irritiert. „Du wirst schnell als dumm abgestempelt, nur weil du Räder unterm Hintern hast.“ Nach zwei Schülerpraktika in der Radiologie des Südharzklinikums ist sie sich sicher: genau das ist mein Beruf. Jetzt aber beginnt für Anna erst einmal die 11. Klasse. Zum Gymnasium wird die Nordhäuserin mit dem Taxi gefahren. Allein im Rollstuhl würde sie den Weg nie ­schaffen. Weil auch ihre Armkraft eingeschränkt ist, braucht sie immer und überall Hilfe.

Diese Abhängigkeit ist manchmal unerträglich. Sehnlichst wünscht sich Anna darum ein Handbike. Das fahrradähnliche Gerät wird vorn an den Rollstuhl montiert und zieht ihn mit Hilfe eines kleinen Elektromotors. Die Krankenkasse hat die Bezahlung abgelehnt, trotz der ärztlicher Empfehlung. Es läge keine medizinische Indikation dafür vor, das Handbike diene ausschließlich der Inklusion in die Gesellschaft, begründet die Kasse. Genau darum geht es aber, um die Teilhabe am Leben. „Ich wäre viel selbstständiger, könnte allein raus, allein zur Schule und zu Freunden fahren.“ Allein der Gedanke daran lässt Annas Augen leuchten.

Jetzt nimmt sie die Dinge selbst in die Hand, startet einen privaten Spendenaufruf. Vom Plasmazentrum Nordhausen wird sie bereits unterstützt. Dort steht eine Spendenbox. Knapp 1300 Euro sind bislang zusammengekommen. Das Fünffache ist nötig, um ihr Traumgefährt zu kaufen. Von der ersten Probefahrt ist die 17-Jährige begeistert: „Das Ding ist hammergeil! Ich habe mich verliebt“, schwärmt sie in ihrem Blog. Sie hofft auf viele Unterstützer, denn dann gibt es ein Happy End.

Autor:

Sibylle Klepzig aus Nordhausen

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