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Komm mir bitte nicht zu nah: Hunde senden Beschwichtigungssignale

Wo: Hundetraining Nicole Gerwig, Bleicheröder Straße 83A, 99755 Hohenstein auf Karte anzeigen
Zieh nicht so fest, das ist mir unangenehm, signalisiert Schäferhund Ike, indem er die Nase leckt. Auch Blinzeln ist ein typisches Beschwichtigungssignal.
Zieh nicht so fest, das ist mir unangenehm, signalisiert Schäferhund Ike, indem er die Nase leckt. Auch Blinzeln ist ein typisches Beschwichtigungssignal.
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Hunde „sprechen“ den ganzen Tag mit uns, senden sogenannte Beschwichtigungssignale. Auf sie ­einzugehen, ist die Basis für ein vertrauensvolles Miteinander, sagt Hundetrainerin Nicole Gerwig.

Hunde können bellen, klar. Aber viel mehr als mit ­Lauten teilen sie sich über ihre Körper­sprache mit. Wer genau hinsieht, wird ihre Zeichen verstehen. Vor allem die sogenannten Beschwichtigungs­signale. „Mit bestimmten Gesten sagen sie uns, dass sie sich in einer ­Situation unwohl fühlen, ihnen etwas zu viel, zu eng, zu laut wird“, erklärt Hunde­trainerin Nicole Gerwig. Die Signale sollen – wie der Name sagt – beschwichtigend auf das Gegenüber wirken. „Hunde mögen von Natur aus keine Konflikte, sondern Harmonie“, betont Gerwig. ,,Also senden sie Signale, um Spannungen abzubauen und Konflikte zu entschärfen.“ Die Thüringerin, die in Hohenstein-Trebra eine Hundeschule betreibt, nennt einige Beispiele.

Gähnen

Es wird wegen seiner Doppeldeutigkeit oft missverstanden. Natürlich gähnen Hunde, wenn sie müde sind. Das Gähnen ist aber ebenso ein typisches Beschwichtigungssignal – mit beruhigender Wirkung. „Nehme ich einen Welpen hoch, beginnt er sofort zu gähnen“, schildert Nicole Gerwig. „So äußert er seinen Unmut: Oh, was passiert jetzt mit mir?“ Viele Hunde tun es kurz vor der Gassi-Runde. Sie sind dann aufgeregt und beruhigen sich auf diese Art.

Kopf wegdrehen

„Beuge ich mich beim Anleinen von vorn über den Hund, wird er seinen Kopf zur Seite drehen.“ Ein klarer Fall für die Hundetrainerin. „Er sagt damit: Das ist mir jetzt zu übergriffig.“ Ihr Rat: Einfach etwas seitlich stellen, dann ist die Situation für den Hund schon viel entspannter. „Und er ist dankbar, weil sie ihn verstanden haben.“

Bogen gehen

Begegnen sich Menschen, gehen sie gerade ­aufeinander zu. Unter Hunden gilt das als unhöflich, die ­frontale schnelle Annäherung birgt Konfliktpotenzial. „Sie ­flehen förmlich darum, einen kleinen Bogen zu laufen. Das ist ihre Art der höflichen An­näherung Fremden gegenüber – egal, ob Mensch oder Hund. Sie besagt: Ich will dir nichts Böses.“

Nase lecken

Auch das Lecken über die Nase kann ein Hinweis des Hundes sein: Bitte nicht, das ist mir jetzt unangenehm. Etwa, wenn ein Fremder ihm zu Nahe kommt. Besser in etwas Distanz hinstellen, den Blick abwenden. Erkennt der Hund die friedliche Absicht, wird er gern Kontakt aufnehmen.

Splitten

Kommen sich zwei Menschen oder Hunde in den Augen des Vierbeiners zu nahe, geht er dazwischen, um sie räumlich zu trennen – und den augen­scheinlichen Konflikt zu lösen.

Bewegung verlangsamen

Auch das ist oft im Alltag mit Hunden zu beobachten. Das Tier wird gerufen. Doch statt das Tempo zu erhöhen, verlangsamt der Vierbeiner seine Bewegung. „Das hat nichts mit Sturheit oder Ungehorsam zu tun“, erklärt Nicole Gerwig. Vielmehr reagiere der Hund damit auf die Stimme. „Wenn wir zu viel Druck machen, im barschen Ton rufen, friert der Hund regelrecht ein. Es ist seine Art, uns zu sagen: Komm mal wieder runter.“ Der Hund möchte sein Gegenüber besänftigen, beschwichtigen.

Wichtig: Signale beantworten

Nicole Gerwig betont, wie wichtig es ist, dass der Mensch auf die Hinweise seines Hundes reagiert. „Sonst ist es, als würde ich ihm ständig sagen: Es ist mir völlig egal, wie du dich fühlst. Egal, ob du ein Problem hast oder nicht.“ So entsteht kein vernünftiges Miteinander. Noch schlimmer: Wenn Signale – wie das Wegdrehen des ­Kopfes – als Sturheit gedeutet und bestraft werden. „Ignoriere ich alle Signale, wird der Hund andere Mittel einsetzen – knurren, bellen, schnappen, vielleicht sogar beißen.“

Natürlich, räumt sie ein, kann man nicht jede für den Hund unangenehme Situation vermeiden. „Aber selbst beim Tierarztbesuch oder der Fellpflege lässt sich durch kleine Veränderungen in der mensch­lichen Körperhaltung die Lage für ihn erträglicher gestalten. Damit zeige ich dem Hund: Ich habe dein Problem ­erkannt und helfe dir dabei.“

Zur Sache
• Den Begriff Beschwichtigungssignale – Calming Signals – hat die norwegische Hundeexpertin Turid Rugaas geprägt. Es gibt rund 20 davon. Sie beschreibt sie in ihrem Buch.
• Diese Signale sind genetisch fixiert. Jeder Hund vom Welpen­alter an versteht sie und sendet sie aus. Hunde setzen sie artübergeifend ein – sowohl gegenüber ­anderen Hunden als auch gegenüber Menschen.

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