Aufhören? Noch lange nicht

Isabelle Foerder (HSC Erfurt) präsentiert die Medaillen, die es bei den Deutschen Hallenmeisterschaften der Behinderten in Erfurt (25. Februar) zu gewinnen gibt.
  • Isabelle Foerder (HSC Erfurt) präsentiert die Medaillen, die es bei den Deutschen Hallenmeisterschaften der Behinderten in Erfurt (25. Februar) zu gewinnen gibt.
  • hochgeladen von Sandra Arm

Sie hatte sich mit dem Gedanken schon innerlich angefreundet: Nach den Paralympics in Rio de Janeiro ist Schluss. Das Karriereende war für Isabelle Foerder (HSC Erfurt) beschlossene Sache. Mit 37 Jahren die Spikes an den Nagel zu hängen, der Zeitpunkt schien für die mehrfache Welt- und Europameisterin nach den bedeutendsten Behinderten-Wettbewerb der Welt gekommen.

Es ist Montagnachmittag, in der Leichtathletikhalle am Erfurter Steigerwaldstadion herrscht reger Betrieb. Es ist kurz nach halb Fünf, als Foerder die Halle betritt. In ihrer rechten Hand trägt sie ihre Spikes. Zielgerichtet steuert sie auf ihre Trainingsgruppe, die sich in einem Seitenbereich der Halle aufwärmt, zu. Foerder hat ihren Gedanken verworfen, die ehrgeizige Athletin will es noch einmal wissen. Das Training motiviert für mehr. "Durch den Sport spüre ich meine Behinderung nicht ganz so stark, als wenn ich keinen Sport machen würde", erklärt die Leichtathletin, die seit ihrer Geburt linksseitig spastisch gelähmt ist.

Wohlfühlstrecken: 60,100 und 200 Meter

Ihre Saison beginnt mit den Deutschen Hallenmeisterschaften am 25. Februar in Erfurt. "Für mich sind die Hallenwettkämpfe eine erste Standortbestimmung, um zu wissen, wie gut man schon im Winter ist und ob das alles so technisch passt, wie man sich das im Kopf denkt", sagt die Erfurterin, die sich vorrangig auf den Sprintstrecken wie 60, 100 und 200 Meter wohlfühlt. Ungeliebt ist die Stadionrunde. "Für die 400 Meter bin ich von der Körpergröße zu klein. Ich mache viel über die Frequenz, da sind kürzere Strecken idealer", erklärt die Sprinterin, die 1,52 Meter misst.

Foerder kauert sich in ihren Startblock, während sie auf das Kommando ihrer Heimtrainerin Marion Peters wartet. Auf die Plätze, fertig, ab - ruft sie ihren Athleten zu. An diesem Nachmittag nicht nur einmal. Wer zuckt, ist raus. Peters mahnt zur Konzentration. Foerder gesteht, dass sie früher selbst zu den Kandidaten zählte, die für einen Fehlstart gut war. Nun muss sie sich noch mehr konzentrieren, denn wer beim ersten Mal schon zu früh startet oder zuckt, ist gleich raus.

Erste Paralympics mit 16 Jahren

Ihre ersten großen Erfolge auf internationalem Parkett stellten sich schon früh ein. Foerder entschied sich mit 13 Jahren allein für die Leichtathletik, zuvor gehörte noch Schwimmen zum täglichen Trainingsprogramm. Diesen Schritt sollte sie nicht bereuen: Erstmals war sie 1996 in Atlanta bei den Sommerspielen der Behinderten dabei und gewann überraschend zwei Silbermedaillen bei den "Großen" in hervorragenden Zeiten. "Bei seinen ersten Spielen ist man aufgeregt. Da ist dieses Wow-Gefühl. Eigentlich kann man es nicht fassen, dabei zu sein und gleich zwei Medaillen zu gewinnen", beschreibt Foerder den Moment. Fortan bestimmte sie die Weltspitze über 100 und 200 Meter in ihrer Startklasse T/F 37 über viele Jahre hinweg. Nach Atlanta sollten noch fünf weitere Teilnahmen sowie drei Medaillen bei Paralympics folgen.

Ihre erfolgreiche Bilanz bleibt unvollendet. Der Olympiasieg blieb ihr bisher verwehrt. Ist Tokio 2020 noch eine Option ? Es wären ihre siebten Spiele. Sie antwortet bestimmt: "Es ist kein Ziel." Aber vielleicht die Heim-EM 2018 in Berlin? "Ich möchte mich noch nicht festlegen. Ich bin fast 40. Sich jeden Tag aufs Neue zu motivieren, wird zunehmend schwieriger", gesteht die sympathische Athletin. Der Fokus liegt auf dem Heute. Nach dreiwöchiger Zwangspause, sie hat sich einen hartnäckigen Virus eingefangen, stieg sie erst am Montag wieder ins Training ein. Sie spürt die Pause körperlich. "Anfangs konnte ich noch gut mithalten. Zum Ende wurde es muskulär für mich schwerer."

Nach der Hallen-DM geht´s in Trainingslager nach Dubai

Die Aussichten auf eine Medaille bei der Heim-DM unter dem Hallendach sind durch die Zwangspause etwas geschwunden. Hauptfavoritin auf den Sprinttitel über 60 Meter ist Katrin Müller-Rottgardt (TV Wattenscheid), die in Rio Bronze über 100 Meter holte. "Bei den nationalen Meisterschaften müssen wir in offenen Klassen denken. Dort gibt es in den Aktivenklassen keine getrennten Wertungen wie bei internationalen Starts. Wir haben national einfach nicht genügend Teilnehmer in jeder Startklasse", erklärt Peters, die von einer "Leistungsüberprüfung" spricht. "Die Hallen-DM ist für alle ein Test, der Aussagen darüber liefert, in welchen Bereichen im Winter gut gearbeitet wurde und wo vielleicht noch etwas fehlt. Wir erhalten Werte, die wir gut mit den Vorjahren vergleichen können."

Anschließend geht es ins dreiwöchige Trainingslager nach Dubai, wo am Ende zwei Testwettkämpfe stehen. Theoretisch lässt sich dort hinter die Normen für die Weltmeisterschaften in London schon ein Haken setzen. Die Hauptstadt an der Themse hat gewiss ihren sportlichen Reiz. Auch für Foerder. "Mal schauen, ob ich die Normen erfüllen kann. Eine Teilnahme in London wäre schön schön", blickt sie voraus. Bei einem Start würde ihr Karriereende weiterhin warten müssen.

Autor:

Sandra Arm aus Nordhausen

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