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Musik ist Leistungssport! Wie Andreas Lorenz und sein Ensemble Partygänger begeistern

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Andreas Lorenz und seine Showband vor einigen Jahrzehnten.
Andreas Lorenz und seine Showband vor einigen Jahrzehnten. (Foto: privat)
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„Wir sind die Saurier unter den Musikkapellen“, sagt Andreas Lorenz, erfolgreicher Showbandmanager aus Ostthüringen. Tatsächlich ist es für Veranstalter nicht einfach, ein Neun-Personen-Ensemble zu verpflichten. Das muss man sich leisten können und wollen. Doch dass Qualität ihren Preis hat, wird wohl niemand bestreiten.

Seit einem halben Jahrhundert ist Lorenz im Musikgeschäft tätig. Gesehen hat er weit mehr als die halbe Welt. Als Musiker erlebte er zwei gegensätzliche Gesellschaftsordnungen. AA-Redakteurin Jana Scheiding besuchte den 67-Jährigen in seiner Agentur in Auma.

Ihrem Aussehen nach müssen Sie als ganz kleiner Bub mit der Musik begonnen haben.
(lacht). Danke, aber ich war schon 17, als ich probeweise im Orchester meines Vaters als Posaunist mitwirken durfte - im Dezember 1966. Wir spielten in einem kleinen Dorf, der Saal hatte Ofenheizung. Aber die Stimmung, Gemütlichkeit und Begeisterung der Menschen gefielen mir so gut, dass ich Musiker wurde. 1970 verunglückte mein Vater und ich baute mit meiner Schwester Annerose das „Lorenz-Swingtett“ auf. 13 Jahre später wurde daraus die „Andreas-Lorenz-Showband“, ein Berufsorchester.

Hatten Sie einen Fanclub?
Früher nannte man die Fans Anhänger – die hatten wir. Wir verkörperten für die Leute die Beatles, Rolling Stones, CCR und spielten Schlager aus der ZDF-Hitparade. Es gab viele, die uns nachreisten. Bis an die Ostsee, wo wir in den Ferienorten für die Urlauber spielten.

Wie andere Bands in der DDR mussten Sie sich dem Einstufungsmodus beugen...
Natürlich. Danach richtete sich der Eintritt. Wichtig war auch, das Verhältnis 60 Prozent Ost- und 40 Prozent Westmusik einzuhalten. Im Amateurbereich begannen wir in der Mittelstufe, erreichten schnell die Oberstufe. Nachdem ich in den Achtzigerjahren die Andreas-Lorenz-Showband zum Berufsorchester entwickelt hatte – wir alle waren Hochschulabsolventen - erhielten wir die Sonderstufen 1 und 2 von der zentralen Honorarkommission. Wir schafften sogar die letzte Stufe – freie Honorarvereinbarung – wie sie zum Beispiel Frank Schöbel hatte. So gelangten wir als Showband auf die MS „Arkona“, dem Traumschiff der DDR.

Welche Musik spielten Sie?
Wir begleiteten Künstler, Sänger und Artisten. Neben diesem „prima Vista Spiel“ arbeiteten wir an einer eigenen Musikshow.

Wie erlebten Sie die Wende?
Sie begann mit einer Durststrecke: Die Anzahl der Gigs sank von etwa 30 auf drei bis vier im Monat. Andererseits hatte sich die Welt für uns geöffnet. Wir durften plötzlich in die Alpen reisen und wurden überall herzlich aufgenommen.

DDR-Bands waren im Westen gern gesehen…
Richtig, wir spielten Gebrauchsmusik, waren nicht auf eine oder zwei Richtungen festgelegt. Die DDR-Funktionäre wollten mit dieser Forderung die Menschen von ihren Reiseträumen abbringen. Das gereichte uns nun zum Vorteil. Innerhalb weniger Jahre hatten wir es wieder geschafft. Wir spielten in Österreich, ganz Deutschland und waren mit dem Traumschiff „MS Deutschland“ und MS „Europa“ zu den schönsten Plätzen der Welt unterwegs. Für uns eine anstrengende Zeit, weil wir jeden Tag auftreten mussten. Mit einer Urlaubsreise also nicht vergleichbar. Eine Zeitlang arbeiteten wir mit Dieter Thomas Heck in Hamburg zusammen. Wir erhielten einige Auszeichnungen, ich kann also nicht behaupten, dass uns die Wende geschadet hätte.

Technikprobleme hatten sich somit auch erledigt?
Das ist wahr. In der DDR an Technik zu kommen, war schon abenteuerlich und funktionierte eigentlich nur über die Verwandtschaft. Abgesehen von den astronomischen Preisen: Ende der Achtziger Jahre besaß ich ein Mischpult im Wert eines Einfamilienhauses.

Können Musiker heute von ihrer Musik leben?
Sie können, wenn sie fleißig sind und am Ball bleiben. Insofern ist der Beruf mit Leistungssport vergleichbar. Wer nachlässt, hat keinen Erfolg mehr. Wir müssen uns die Bühne täglich neu erobern. Meine Musiker und ich haben alle noch ein, zwei Standbeine neben der Andreas-Lorenz-Showband. Ich unterrichte Posaune an einer Musikschule.

Spielen Sie auch für junge Leute?
Na klar. Anfangs war das eine Herausforderung, denn junge Leute von heute kennen weder Schneewalzer noch Münchner Hofbräuhaus, sondern nur die, die immer lacht. Aber wir meistern das. Wir verstecken uns nicht hinter unseren Notenpulten, sondern gehen unter die Leute und machen dort Party. Da geht die Post ab.

Ihr Resümee nach einem halben Jahrhundert auf der Bühne?
Musiker ist ein schwerer Beruf, ich erinnere mich an viele durchgearbeitete Nächte. Aber den Menschen Freude zu bringen, sie so stimmungsvoll und voller Begeisterung zu sehen, das macht mich glücklich und hält mich jung. (lacht) Ein Künstler wird 59 und bleibt es.

Zur Sache:
Andreas Lorenz ist ausgebildeter Orchestermusiker im Bereich Klassik mit Zusatzausbildung Tanzmusik.
Vorbilder: Vater Alfred Lorenz, Glenn Miller, James Last
Die Einstufung erfolgte über die Bezirkskommission für Kultur durch die Zentrale Honorarkommission der DDR bei Berufsformationen.
Künstler, die er und sein Ensemble begleiteten, waren unter anderem Roy Black, Chris Roberts, Vicky Leandros. Zur DDR-Zeit Ute Freudenberg, Frank Schöbel, Dagmar Frederic, Duo Hauff & Henkler.
Auszeichnungen: 2004 Showband des Jahres in der Bundesrepublik, 2005 und 2008 Fachmedienpreis.
Das Andreas-Lorenz-Showorchester war die erste Band, die der MDR für seine thüringenweit stattfindenden Sommernachtsbälle verpflichtete. Heute tritt Lorenz zu Stadtfesten und großen Tanzveranstaltungen in großer und kleiner Besetzung auf und begleitet Künstler.
Kontakt: 0170/5483030
www.andreas-lorenz-showband.de

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