Kein blinder Gehorsam

VG-Chef Wolfgang Poßner
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Die Verwaltungsgemeinschaft (VG) Ranis-Ziegenrück umfasst ein Gebiet von über 142 Quadratkilometer, in dem in 14 Mitgliedsgemeinden – zwei Städten, zwölf Gemeinden und 20 Ortsteilen – knapp 7 500 Einwohner leben.

Trotz dieser Zahlen und positiver Entwicklung der VG sind die Tage dieser gezählt. Ich sprach mit dem VG-Vorsitzenden Wolfgang Poßner.

Wie lange wird es die Verwaltungsgemeinschaft Ranis-Ziegenrück noch geben?
Wir hoffen, dass es sie noch lange geben wird. So einfach werden wir uns nicht geschlagen geben.

Die Freiwilligkeitsphase zur Neuorientierung der Verwaltungsstrukturen im Zuge der Thüringer Gebietsreform läuft zum 31. Oktober dieses Jahres aus. Wie sieht die Perspektive Ihrer VG aus?
Wir reden schon eine geraume Zeit über die Auswirkungen des Vorschaltgesetzes. Anfangs hatten wir den Gedanken, aus unserer VG eine Land- bzw. Einheitsgemeinde zu machen. Denn eigentlich war es unser Wille, zusammen zu bleiben, da unsere Kommunen über die Jahre doch ganz gut zusammen gewachsen sind. Zumal wir mit der Zuordnung der Gemeinde Krölpa die Mindesteinwohnerzahl von 6 000 auch perspektivisch überbieten würden. Leider haben aber die Bürgermeister einiger Kommunen eine andere Meinung.

In welche Richtungen gehen diese Meinungen?
Die Stadt Ranis tendiert eher zum drei Kilometer entfernten Pößneck, weil man der Meinung ist, in so unmittelbarer Nähe nicht eine zweite Verwaltung unterhalten zu müssen. Die Gemeinde Krölpa würde wohl sehr gern ein Zusammengehen mit Unterwellenborn, also in Richtung Saalfeld, sehen. Das hat die Ausgangsidee von der Landgemeinde zum Kippen gebracht.

Also ist die Landgemeinde keine Perspektive für die VG?
An der „Umwandlung“ der VG in eine Einheitsgemeinde können wir nicht mehr festhalten. Im Moment lassen wir jeder Kommunen ihren eigenen Weg offen, den sie gehen möchte. So tendieren unsere Gemeinden aus dem ehemaligen Kreis Schleiz schon in Richtung der Kreisstadt. Der andere Teil der Orte aus dem ehemaligen Kreis Pößneck sehen wohl eher die Nähe zur Stadt Pößneck als ausschlaggebend an. Die Stadt Ziegenrück favorisiert mehr die Tourismusstrecke Richtung Remptendorf und Saalburg-Ebersdorf. Aber wir sind noch lange nicht dort, wo uns die Landesregierung hin haben möchte.

Haben Sie noch Hoffnung, künftig alle Kommunen der VG unter einen Hut zu bringen?
Wenn alle Gemeinden bereit wären, würde das funktionieren. Doch allein schon, wenn Ranis zu Pößneck geht, würden wir rund 1 700 Einwohner verlieren und damit unter die von der Landesregierung vorgegebene Schmerzgrenze fallen. Wir waren ja zweimal im Innenministerium zu Gesprächen über die Zukunft der VG und da wurde jedes Mal auf das Vorschaltgesetz verwiesen, in dem steht, dass die zentralen Orte zu stärken sind. Das bedeutet, dass die an Pößneck angrenzenden Orte dieser Stadt zuzuordnen sind. Wenn wir den ländlichen Raum stärken wollen und beispielsweise diesbezügliche Gespräche mit der VG Seenplatte führen, fällt uns auf die Füße, dass es zwischen Schleiz und Pößneck keinen zentralen Ort gibt.

Wie wird Ihre Bilanz zu 22 Jahre VG Ranis-Ziegenrück ausfallen?
Ähnlich wie für den Saale-Orla-Kreis. Also durchaus positiv mit kleinen Reibereien. Denken wir da nur an das Ober- und das Unterland. Wobei das im Landkreis mehr differiert als in unserer VG. Wir haben versucht, die Region zusammen zu bringen und Bürgernähe zu gewährleisten. So mit den Außenstellen in Ziegenrück und Krölpa. Die Sprechstunden dort werden von der Bevölkerung sehr gut angenommen. In Gesprächen mit den Bürgermeistern habe ich vernommen, dass man gern die VG erhalten würde. Niemand versteht, warum die Verwaltungsgemeinschaften nicht zukunftsfähig sein sollen. Das wird zwar immer wieder behauptet, wurde aber nie mit Fakten untersetzt. Wir hatten bei den Gesprächen in Erfurt den Eindruck, man will den ländlichen Raum kaputt machen.

Wie sehen Ihre nächsten Schritte aus?
In den Bürgermeistergesprächen wird die Thematik jedes Mal erörtert. Parallel dazu führt Ziegenrück die Gespräche mit den infrage kommenden Gemeinden an der Saale fort. Mit Pößneck gab es jetzt erst vor kurzem einen ersten Informationsaustausch. Man bereitet sich vor. Dazu gehört auch die Teilnahme an den Mitgliederversammlungen des Vereins Selbstverwaltung für Thüringen. Wir sehen den von der Landesregierung vorgegebenen Zeitplan für die Umsetzung der Gebietsreform als sehr sportlich an und glauben nicht daran, dass diese Termine gehalten werden können. Da stimme ich mit den Mitgliedern des Vereins Selbstverwaltung überein. Zum nächsten Bürgermeistergespräch unserer VG werde ich die Kollegen über die neuen Erkenntnisse aus der letzten Versammlung in Weimar informieren.

Aber die Messen für die VG sind gelesen?
Natürlich versuchen wir im Interesse unserer Gemeinden, die VG noch so lange wie möglich am Leben zu erhalten. Wir werden keinen blinden Gehorsam walten lassen, um den Termin der Freiwilligkeitsphase auf Biegen und Brechen zu halten. Damit greift dann das zweite Neugliederungsgesetz. Das bedeutet, dass die Neugliederung bis Ende 2018 erfolgt und unsere Verwaltungsgemeinschaft ab 2019 wohl nicht mehr existieren würde.

Hintergrund

Mitgliedsgemeinden
Einheitsgemeinde Krölpa, die Gemeinden Crispendorf, Eßbach, Gössitz, Keila, Moxa, Paska, Peuschen, Schmorda, Schöndorf, Seisla und Wilhelmsdorf sowie die Städte Ranis und Ziegenrück

Geschichte
Die VG Ranis-Ziegenrück bildete sich 1995 im Verlaufe der Thüringer Gebietsreform aus vier Gemeinden des ehemaligen Kreises Schleiz und acht Gemeinden des ehemaligen Kreises Pößneck, die bereits seit 1992 der Verwaltungsgemeinschaft Ranis-Oberland angehörten. Die Gemeinde Seisla wurde 1997 aufgenommen. Durch das Thüringer Gesetz zur freiwilligen Neugliederung kreisangehöriger Gemeinden im Jahr 2013 trat die Gemeinde Krölpa zum 31. Dezember 2013 der Verwaltungsgemeinschaft bei.

Autor:

Gerd Zeuner aus Zeulenroda-Triebes

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