Ein Kaiserkind besucht Rudolstadt - Swetlana Neumanns szenische Lesung im Albert-Anton-Haus

Swetlana Neumann alias Christine Gräfin von Lindau, eine Figur aus ihrem historischen Roman, den sie in Rudolstadt vorstellt.
  • Swetlana Neumann alias Christine Gräfin von Lindau, eine Figur aus ihrem historischen Roman, den sie in Rudolstadt vorstellt.
  • Foto: Susan Petzold
  • hochgeladen von Jana Scheiding

Manchmal, erzählt Swetlana Neumann, drängen sich Figuren ihrer Romane derart in den Vordergrund, dass die Geschichte anders ausgeht als geplant. Dann kann es passieren, dass aus einem Buch drei werden.

Ein Beispiel für diese Impertinenz ist Christine Gräfin von Lindau, die - verfolgt von den Anhängern des Kaisers und von der Autorin anfangs als Randfigur konzipiert - ein Kind zu retten versucht, das die Geschichte Europas verändern könnte.
Am 31. März wird Neumann um ihren Roman "Kaiserkind" im Albert-Anton-Haus Rudolstadt ein Theater machen. Weshalb, hat AA-Redakteurin Jana Scheiding im Interview erfahren.

Theater ist meistens mit Maskerade verbunden ...
Stimmt, deshalb werde ich in Rudolstadt als Gräfin erscheinen. Szenische Lesungen finde ich bedeutend spannender, als nur aus einem Buch vorzulesen. Ich denke, dass die Menschen ein besseres Gefühl für die Handlung bekommen, wenn sie ein Theaterstück sehen.

Die Gräfin ist in der Bredouille, wie ich hörte.
Ja, sie wird von einem Kommissar verhört, weil sie in dunkle Machenschaften verstrickt sein soll. Diesen Part übernimmt mein Mann. Wir sind zwar keine Schauspieler, aber er macht das ganz ausgezeichnet.

Ihr Mann ist Informatiker - ich tippe auf eine Affinität mit Sherlock Holmes?
Nein, ganz und gar nicht. Er mag Colombo, hat fast all seine Filme gesehen. Dieser Charakter entspricht zwar nicht dem im Buch, aber mein Mann ist sehr wandelbar.

Weshalb glauben Sie, dass ein Kind die Historie hätte verändern können?
In "Kaiserkind" geht es um Luise, das fiktive uneheliche Kind des Kronprinzen Friedrich, dem späteren Kaiser Friedrich III. Die leibliche Mutter dieses Kindes gehörte zum hoch angesehenen Königshaus Hannover, das in enger Beziehung zur Queen von England stand. Aufgrund dieser Verwandtschaft hätte das Kind Luise bei den Hohenzollern für Unruhe gesorgt und sicher politischen Einfluss genossen. Vielleicht wäre die europäische Geschichte dadurch anders verlaufen.

Beinahe wäre Ihr Leben auch anders verlaufen ...
(Lacht). Das ist eine nette Anekdote. Ich habe schon immer gern gelesen, vor allem Fantasyromane. Aber ich hatte fast immer etwas daran auszusetzen: Mal fand ich die Szenen zu lang, dann gefiel mir das Ende nicht. Das regte mich auf. Eines Tages sagte mein Mann zu mir: Wenn dir das alles nicht passt, dann schreibt doch selber Bücher. Ich setzte das nicht sofort um, doch es arbeitete in mir. Irgendwann begann ich zu schreiben. Zuerst Kurzgeschichten, Lyrik, später Kinderbücher und Fantasy. Irgendwann kam ich auf historische Romane.

Wie passt "Kaiserkind" zu Rudolstadt?
Zwei Personen haben zur Entstehung dieses Buches beigetragen, die beide in Rudolstadt leben. Zum einen der Lektor Jörg F. Nowack, der meinem Buch einen guten Schliff gab. Zum anderen der Historiker Dr. Dieter Scheidig, der mir sehr viel über die Lebensart der Leute des 19. Jahrhunderts und die Gründerzeit vermittelte. Außerdem ist Watzdorf nicht weit entfernt von Rudolstadt. Von dort stammt das Adelsgeschlecht „von Watzdorf“, das eine sehr wichtige Rolle in meinem Buch spielt.

Historisch gesehen passt Ihr Roman hervorragend zu Dieter Scheidig ins Albert-Anton-Haus.
Ausgezeichnet sogar. Wenn man sich in seinem Haus befindet, glaubt man, man lebe im 19. Jahrhundert. Es hat ein unbeschreibliches Flair. So wie Dieter Scheidig selbst. Er kann viel über diese Zeit erzählen. Wie die Menschen lebten, was sie fühlten. Das ist unglaublich. Ich freue mich sehr auf unser erneutes Zusammentreffen.

Signieren Sie dort auch Ihre Bücher?
Selbstverständlich. Wer es am Freitag nicht schafft, kann mich Samstag oder Sonntag auf dem Töpfermarkt besuchen, wo ich mit einem Stand vertreten sein werde.

Zur Sache:
Szenische Lesung aus dem ersten Band der Roman-Trilogie "Kaiserkind" am 31. März, 19 Uhr, Albert-Anton-Haus, Borngasse 1, Rudolstadt.
Am 1. und 2. April kann man die Autorin auf dem Töpfermarkt in Rudolstadt treffen.
Unter dem Namen Lana vom Wiesengrund verlegt Swetlana Neumann im eigenen Wiesengrund-Verlag auch Kinderbücher.
Ihren neuen Fantasyroman "Weltensymphonie" wird die Autorin aus Brandenburg Ende dieses Monats auf der Buchmesse in Leipzig vorstellen. Im Oktober, zur Frankfurter Buchmesse, soll "Kaiserwaise" erscheinen, der zweite Band der Kaiser-Trilogie.
Die Illustrationen stammen von der Arnstädter Malerin Dagmar Lüke.
www.wiesengrund-verlag.de

Autor:

Jana Scheiding aus Arnstadt

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