Rudolstadt aktuell: Ein Verwirrspiel um die große Liebe

Kommandogeber aus dem Zuschauerbereich: links Regisseur Peer Boysen, rechts Chefdirigent Oliver Weder. Foto: Andreas Abendroth
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Musik- und Theaterprofis arbeiten Hand in Hand mit Studenten

Von Andreas Abendroth

Aus dem Graben im Theater ragt der Kopf von Chefdirigent Oliver Weder. Man sieht seine Hände und die Bewegungen des Taktstockes. Durch den Raum hallen die Klänge der Thüringer Symphoniker. Auf der Bühne: junge Akteure in Kostümen. Es laufen die Proben zu Rossinis komischer Oper „Der Barbier von Sevilla“.
Viel Arbeit für alle Beteiligten auf und hinter der Bühne. Bis zur Premiere wird alles perfekt sein. Das Publikum wird von der aufregenden Arbeit zuvor nichts mitbekommen, die Aufführung genießen.

Dann wird, mitten im Takt, die Musik unterbrochen. Ruhig aber bestimmt erschallt die Stimme des Dirigenten aus der Tiefe. „Das Orchester läuft wie eine Maschine. Ihr müsst an dieser Stelle auf den Dirigenten schauen, ein Ohr für das Orchester übrig haben.“ Die Worte sind an die Protagonisten auf der Bühne gerichtet. Studenten der Hochschule für Musik aus Mainz.

Diese führen in einer Kooperation mit dem thüringischen Landestheater in Rudolstadt die Oper auf.
Einen wesentlichen Anteil am Gelingen der Inszenierung hat Regisseur Peer Boysen. Er ist ständig auf und ab im Zuschauerraum unterwegs, gibt den Darstellern auf der Bühne gestikulierend Handzeichen. Auf sein Zeichen hin werden Mitarbeiter aktiv, weil das Kleid der Hauptdarstellerin Rosina zu eng geschnürt ist, eine Deko-Pistole des Öfteren dem Darsteller aus der Schärpe rutscht.

Sich selbst sieht der bekannte Regisseur eher als Tipp-Geber für die jungen Sänger und Schauspieler. „Sie wissen genau, was sie auf der Bühne tun. Es sind aufgeweckte, junge Leute. Für die Zukunft und ihren Beruf kann man ihnen nur wünschen, dass sie sich ihre Individualität bewahren, Selbstbewusstsein zeigen, ihre Stärken nutzen“, betont Boysen.

Und wie sehen die Bühnen-Akteure die Inszenierung? Allesamt sind sie irgendwie aufgeregt und gleichzeitig hochmotiviert über die Chance, in solch einer Aufführung mitwirken zu dürfen. Rosina-Darstellerin Rebekka Stolz: „Man probt ja alles im Voraus. Und dann, in Zusammenarbeit mit einem großen Orchester ist es eine gewaltige, neue Erfahrung und Herausforderung.“

Noch genauer beschreibt Almaviva-Darsteller Goran Cah seine Gefühle: „Man kommt richtig gut vorbereitet, mit einem guten Gefühl zu den Proben. Der Angst- und Aufregungsfaktor liegt bei einem Prozent. Dann auf der Bühne: garantiert 100 Prozent. Die Aufführung hier ist eine echte Chance. Man erlebt die Maschinerie einer Inszenierung in allen Facetten hautnah mit. Man darf sich ausprobieren, ist ein Teil davon. Eine Lebenserfahrung, die einem keiner mehr nehmen kann.“

Aber auch die Profis, langjährige Musikerprofis im Orchester, nehmen solche Opernaufführungen nicht auf die leichte Schulter. Die Musiker im hinteren Bereich des Orchestergrabens hören die Akteure auf der Bühne nicht. Ihr alleiniger Bezugspunkt zur Oberwelt des Theaters ist der Dirigent. Und so wird so manche Passage mehrmals probiert, bis der Orchesterklang zur Zufriedenheit des Dirigenten im Zuschauerraum ankommt.

Das Theater Rudolstadt hat sich einen guten Namen bei Kooperationen mit dem Nachwuchs gemacht. Solche Projekte sind eine Bereicherung in jeder Hinsicht.
Hier verbindet sich die Arbeit junger Menschen mit dem langjährig erworbenen Wissen von Musikern und Theatermachern. Schließlich ist ja noch kein Profi vom Himmel gefallen.
Eine Werbung für den Theater- und Orchesterstandort, der weit über die thüringischen Landesgrenzen Ausstrahlung hat.

Informationen:
Mehr Infos zu den Aufführungen von Gioachino Rossinis komischer Oper „Der Barbier von Sevilla“ unter www.theater-rudolstadt.de.

Autor:

Andreas Abendroth aus Saalfeld

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