Auf Spurensuche im St. Barbara Heilstollen

Gäste aus Magdeburg nutzen in ihrem Urlaub die Entspannung und die saubere Luft im Heilstollen. Foto: Andreas Abendroth
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Medizin ohne Beipackzettel

Von Andreas Abendroth

Der Frühling ist da. Er lässt die Blüten und Gräser sprießen, sprichwörtlich schlagen die Bäume aus. Doch des einen Freud, ist des anderen Leid.
Besonders Allergiker reagieren auf die Vorgänge in der Natur mit roten Augen oder einer Schnief-Nase.

„Es gibt das natürliche Heilmittel „Klimatherapie“. Menschen mit Atemwegserkrankungen, Allergien und Asthma können es ohne großen Aufwand nutzen. Es ist eine Hilfe ohne den Einsatz von Medikamenten“, betonen die Mitglieder des Deutschen Heilstollen Verbandes.

Präzisieren können die Angaben Andrea Otte und Klaus Müller vom Förderkreis Morassina e.V. im thüringischen Schmiedefeld (LK Saalfeld-Rudolstadt). „Die Klimatherapie ist eine natürliche Heilmethode und ist in medizinischen Fachkreisen unter dem Begriff Heilstollentherapie bekannt.
Die besonderen klimatischen Bedingungen in einem Heilstollen machen es möglich, dem Patienten mittels solch einer Therapie zu helfen.“

Doch wie sagt man so schön: Praxis ersetzt Theorie. Also mache ich mich auf in den St. Barbara Heilstollen. Ich fahre in das Morassina-Bergwerk ein. Für alle Nicht-Untertage-Bewanderten: Natürlich fahre ich nicht, sondern ich laufe auf meinen zwei Beinen. Mit „Fahren“ bezeichnet der Bergmann das Fortbewegen unter Tage.
Nach fünf Minuten bin ich auf der 62 Meter tiefen Sohle angekommen. Hier nutzen bereits drei Gäste aus Magdeburg die guten Bedingungen.
Mein erster Blick gilt den Messinstrumenten, welche der Deutsche Wetterdienst aus Potsdam hier aufgebaut hat. Die Temperatur beträgt 8,2 Grad Celsius, das Hygrometer zeigt eine Luftfeuchtigkeit von 98 Prozent an.

Der Klimatechniker erklärt mir leise, dass alle zehn Jahre eine Überprüfung der Werte unter Tage erfolgt. Sollten alle Werte den Richtlinien entsprechen, darf sich dieser Bereich „Heilstollen“ nennen. Obwohl die Endauswertung der wochenlang gesammelten Daten noch nicht erfolgte, kann er mir aber bereits sagen, dass die Luft hier unten absolut pollenfrei ist. Auch die Fein- und Grobstaubwerte sind kaum messbar. Ermittelt wurde eine leichte natürliche Radioaktivität an Radon, welche dem fast 450 Millionen Jahre alten Sedimentgestein entweicht. Diese Strahlung ist aber für die Besucher unbedenklich, trägt eher dem „Heilklima“ im Stollen fördernd bei.

Nachdem mich das Tageslicht wieder hat, ich mich von meiner Begleitung mit einem „Glück auf“ verabschiedet habe, bin ich um einiges Wissen rund um die Heilstollentherapie reicher.
An der „Medizin ohne Beipackzettel“ ist wirklich etwas dran. Menschen nutzen die Möglichkeit der Linderung ihrer Allergien tief unter Tage. Und zudem wird alles noch durch wissenschaftliche Test und Auswertungen untermauert. Diese Gesundheitsmöglichkeit werde ich mir merken.

Informationen:
» Zum Redaktionsschluss lag
das Endergebnis der Messungen
im Bergwerk noch nicht
vor.
» Nähere Angaben im Schaubergwerk
Morassina, Schwefelloch
1, 98739 Schmiedefeld
» www.morassina.de

Autor:

Andreas Abendroth aus Saalfeld

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