Gesundheit
Wenn der eigene Körper zum Feind wird: Am 12. Oktober ist Welt-Rheumatag

Dr. Josef Teuber ist seit 2013 Ärztlicher Direktor der Klinik in Weißen.
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Permanente Schmerzen im Knie können alle möglichen Ursachen ­haben: Überlastung, Verschleiß, das Alter. Die ­Wenigsten denken dabei an Rheuma. Etwa 450 Ausprägungsarten der gefähr­lichen Autoimmunkrankheit kennen Mediziner heute. Weder Operationen noch Bestrahlung können helfen – im besten Fall lindern teure Medikamente die ­Leiden von Rheumatikern.  

Die Klinik an der Weißenburg in Uhlstädt-Kirchhasel ist eine anerkannte Fachklinik für Rheumatologie und Schmerztherapie – die einzige in Thüringen. AA-Redakteurin Jana Scheiding sprach mit deren Ärztlichem Direktor, Dr. Josef Teuber, Facharzt für Innere Medizin, Rheumato­logie und Endokrinologie.

Was ist Rheuma? 
Eine genetische Disposition, ein Defekt mit entzündlichen Schüben. Bei dieser Autoimmunerkrankung richtet sich der Körper gegen sich selbst. Die Rheumatoide ­Arthritis beispielsweise ist eine chronische Entzündung der ­ Gelenke, die in Schüben verläuft und die Gelenke zerstört. Heilbar ist die Erkrankung nicht. Es ist aber möglich, die Progression mit Medikamenten zu bremsen, im Idealfall aufzuhalten.

Die Rheuma-Klinik ist 50 Jahre alt. Welche Möglichkeiten hatten Mediziner 1967 und was können sie heute gegen Rheuma tun? 
Bereits vor 50 Jahren war ­bekannt, dass die Ursache dieser Gelenkentzündung in einer Fehlsteuerung des Immunsystems liegt. Damals war es fast unmöglich, in dieses System einzugreifen. Goldpräparate oder Anti­malariamittel zeigten zwar eine ­gewisse Wirkung auf den Krankheitsverlauf, durften jedoch wegen ihrer Nebenwirkungen nur limitiert eingesetzt werden. Auch Kortisonpräparate waren keine Dauerlösung. Heute haben wir ganz ­andere Einblicke in die Abläufe der Entzündungsstadien und können Medikamente gezielt einsetzen. Sie kamen Anfang 2000 auf den Markt und haben die Rheuma­behandlung revolutioniert. Neben der Medikation haben wir heute auch technische Möglichkeiten, rheumatische Schmerzen zu lindern - mittels Kältekammern oder Warmwasser­becken, zum Beispiel.

Sehen Rheumatologen den Menschen als Ganzes oder isolieren sie Rheuma von anderen Erkrankungen? 
Wir müssen den Patienten als Ganzes betrachten, weil die systemischen Entzündungsprozesse den gesamten Organismus berühren. Sie steigern das Risiko für Diabetes, Schlaganfall oder Herzinfarkt. Auch die Anfälligkeit für bestimmte Krebsarten ist beachtlich. Entzündliche rheumatische Erkrankungen können Leber und Nieren zerstören. Sie werden mit starken Medikamenten behandelt, weil das eigene Gewebe zum Feind wird. Die Patienten haben erfahrungsgemäß eine 13 Jahre kürzere Lebenserwartung als gesunde Menschen. Jeder Infekt wirkt sich negativ aus.

Wie viele Fachrichtungen fließen heute in die Betreuung von Rheumatikern ein? 
Früher betreuten ausschließlich Internisten die Rheumapatienten. Heute ist damit ein interdisziplinäres Team aus Internisten, Orthopäden, ­ Endokrinologen, Diabetologen, Onkologen, Psychologen und Schmerztherapeuten ­beschäftigt. Nicht zu vergessen die Fachärzte für Physikalische Medizin und Rehabilitation und die niedergelassenen Kollegen.


Informationen: 

Historie: Die Rheuma-Klinik in der Gemeinde Uhlstädt-Kirchhasel wird im März 1967 als Spezialklinik für Rheumatologie gegründet. Sie geht aus der ehemaligen Lungenheilstätte Etzelbach hervor.  
In den 1980er-Jahren zieht moderne Technik ein: Fax­gerät, Kopierer und der erste Computer für das Forschungslabor.
Die Neunziger bringen die Privatisierung und neuen technischen Fortschritt – einen Röntgencontainer und PCs für die Patientenaufnahme. Außerdem erhält die Klinik die erste Ganzkörperkältekammer (minus 110 Grad Celsius ) der neuen Bundesländer.  
Nach der Jahrtausendwende zieht die Klinik in den Neubau nach Weißen um und wird von diversen Institutionen und Krankenkassen zertifiziert.
Zur Person: Dr. Josef Teuber leitete staatlich geförderte wissenschaftliche Zellforschungsprojekte und erhielt dafür unter anderem den Endokrinologenpreis. Er verfasste über 200 medizinische Publikationen. Die Klinik an der Weißenburg in Weißen leitet er seit 2013 als ärztlicher Direktor. Chefarzt des Rheumazentrums ist seit Oktober 2017 Dr. Jochen Lautenschläger.
Termine: Anlässlich des Welt-Rheumatages am 12. Oktober veranstaltet die Klinik Fortbildungen für Ärzte (11. Oktober), Sozialarbeiter (12. Oktober) und einen Publikumstag (14.  Oktober).
Informationen: www.klinik-an-der-weißenburg.de

Autor:

Jana Scheiding aus Arnstadt

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