Interview mit Bürgermeister Hauboldt vor dem Thüringentag
"Ganz schön Sömmerda"

Sömmerdas Bürgermeister Ralf Hauboldt
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"Ganz schön Sömmerda" ist der Thüringentag Ende Juni überschrieben. Wir sprachen zuvor mit dem Sömmerdaer Bürgermeister Ralf Hauboldt:

Sömmerda 2019 - wie steht die Stadt da?

Prächtig. Wir sind wirtschaftlich gut aufgestellt, haben sehr viele gute Bauvorhaben und erstmalig sehr zeitig den Haushaltsplan verabschiedet. Auch haben wir viele Projekte im Auge, sind fast dabei, das Schwimmbad zu sanieren, warten auf die letzten Bescheide vom Land. Vor kurzem haben wir eine Kindereinrichtung top saniert, bearbeiten immer wieder das Thema Straßen, Wege und Plätze. In allen Facetten, vom Kulturellen über die Infrastruktur bis hin zu den sozialen Leistungen wie den Wohnungsbau - wir haben drei neue Wohnbaugebiete ans Netz bringen können - sind wir wieder am Wachsen. Auch in Sachen Industrie sind wir breit aufgestellt, von Elektroindustrie über Werkzeugbau bis Autozulieferer, großen Unternehmen in der Nähe. Die Erschließung einer neuen, etwa 100 Hektar umfassenden, Großindustriefläche ist geplant. Natürlich macht mich das als Bürgermeister auch wegen der Gewerbesteuern zufrieden. Genau wie die Tatsache, dass wieder mehr Menschen nach Sömmerda ziehen und mehr Kinder geboren werden. Es gibt auch viele weitere kluge Ideen, um die Stadt weiter voran zu bringen. Es wird nicht langweilig in den nächsten Jahren. Sömmerda ist kein verschlafenes Städtchen, längst keine Ackerbürgerstadt mehr. Wir sind uns unserer Größe bewusst, aber auch unserer Verantwortung. Wir haben die Nähe zu Erfurt als Landeshauptstadt genutzt, um hier unsere Perspektiven zu sehen und zu finden.

Was bereitet Ihnen Sorgen?

Natürlich gibt es Hürden, die sich immer wieder auftun im täglichen Abarbeiten von Aufgaben. Seien es Abläufe im Baubereich, Verzögerungen, Verteuerungen. Und wenn es wie derzeit unter den Beschäftigten in unseren Kindereinrichtungen neun Schwangere gibt, ist das eine wunderbare Entwicklung, die uns aber auch ein wenig Kopfzerbrechen bereitet, weil wir die Stellen ja wieder besetzen müssen. Aber das sind angenehme Aufgaben. Und das Geld kann natürlich nie genug sein. Wir sind dieses Jahr gut aufgestellt, haben eine Eingemeindung im Rahmen der Gebietsreform vorgenommen und nun neun Ortsteile. Auch hier kann man durchaus über weitere Perspektiven nachdenken. Gut, dass wir durch die Industrieansiedlungen handlungsfähig sind, die Gewerbe- und Einkommenssteuer bringt nun mal das meiste ein. Es ist wichtig, dass es den Unternehmen und ihren Mitarbeitern gut geht, sie in Lohn und Brot stehen. Sorgen bereitet uns die Diskussion um das Sömmerdaer Krankenhaus. Uns ist es eminent wichtig, dass das Krankenhaus - unter wessen Leitung auch immer - den Standort behält. Das ist ein bedeutender Faktor für den Kreisstadtstatus und das Mittelzentrum, unsere weitere Entwicklung. Wir kämpfen dafür, dass die angedachten Investitionen umgesetzt werden, wir eine Lösung finden, sind da recht optimistisch. Die Bürger werden auch nicht müde, uns als Verwaltung immer wieder darauf aufmerksam zu machen, nicht so schöne Dinge abzustellen - wie kaputte Schaukeln, verunreinigte Ecken, Bauvorhaben, die beschleunigt werden müssen... Die Sömmerdaer sind sehr an ihrer Stadt interessiert.

Fühlen Sie sich vom Land gut behandelt?

Wir pflegen gute Kontakte, eine sehr gute Kommunikation mit den Verantwortlichen in den Ministerien. Natürlich könnte manches schneller gehen. Wir sehen den Trend, dass wir in den letzten drei, vier Jahren im Rahmen des kommunalen Finanzausgleichs bessergestellt sind als zuvor. Da sind wir sehr zufrieden mit der Politik der Landesregierung. Es wird berücksichtigt, dass wir als Stadt, als Mittelzentrum, Pflichtaufgaben realisieren müssen, die zunehmend mit Kosten verbunden sind. Beim Thema Kindereinrichtungen gab es durch das gebührenfreie letzte Jahr ein paar Hürden zu nehmen. Sömmerda ist immer ein Vorreiter gewesen, wenn es um Aufgabenstellungen wie die soziale Stadt geht. Und das nicht nur bei den Investitionen - über 33 Millionen Euro sind in den letzten zehn Jahren in Gebäudesubstanz, Straßen, Plätze und Wege allein im Rahmen der Stadtentwicklung geflossen. Viele Vereine, Verbände und soziale Träger konnten im Rahmen der "Sozialen Stadt" davon profitieren, dass auch Mittel für Sozialarbeit zur Verfügung gestellt wurden. Das hat sich bedauerlicherweise in den letzten zwei Jahren verändert. In Wohngebieten, in denen viele Menschen auf engem Raum leben, teilweise auch in sozial angespannten Lagen, haben wir ein gutes Netz an Angeboten. Aber wir müssen jährlich dafür kämpfen, die zu erhalten. Dafür leisten wir als Stadt unseren Anteil. Da gibt es viele Beispiele - die Musikschule, eine Jugendeinrichtung mit Migrationsangeboten, die vorzeigbare Bibliothek, das Schüler-Freizeit-Zentrum, das Bürgerzentrum, die Kreisverkehrswacht, ein Familienzentrum... Auch in den Ortsteilen haben wir eine gute Vereinsstruktur, konnten jetzt die Zuwendungen für Vereine erhöhen.

Bald trifft sich ganz Thüringen in Sömmerda....

Wir freuen uns sehr darauf. Den Thüringentag auszurichten, ist sehr reizvoll, eine Herausforderung und mit viel Aufwand verbunden. Er bringt natürlich auch ein gewisses finanzielles Risiko mit sich. Wir brauchen Unmengen von Technik, Bühnen, ein Sicherheitskonzept. Immerhin erwarten wir an den drei Tagen 150.000 Besucher. Aber wir sind uns dessen bewusst und nehmen die Herausforderung an, das größte Fest der Thüringer ausrichten zu dürfen.

Wie laufen die Vorbereitungen?

Wir sind mittendrin, und es ist noch ganz viel zu tun. Unsere erste Aufgabe war es, den Thüringentag in Sömmerda regional und überregional ins Gespräch zu bringen, für ihn zu werben. Das haben wir bei Unternehmen getan und auch bei unseren Mitarbeitern, für die das ja mit erheblichem Mehraufwand verbunden ist. Wie auch bei den regionalen Akteuren, bei den Gastronomen, den Innenstadthändlern, den Vereinen - die sich mit Ideen und Inhalten einbringen möchten. Und natürlich ging es uns darum, die Sömmerdaer auf unserer Seite zu haben, sie zu überzeugen, zu begeistern. Wir sind auf offene Ohren gestoßen. Angefangen von der Mottosuche über die Entscheidung, uns auf den Stadtkern zu konzentrieren bis hin zur Orientierung am jährlichen Ernteumzug als Vorbereitung auf den großen Festumzug. Wir haben ein Verkehrskonzept entwickelt, für das wir auf Verständnis bei den Anwohnern hoffen, sprechen mit den Anbietern auf der Schiene, dass sie Sonderzüge einsetzen, haben ein Organisationsbüro eingerichtet. Auch haben wir ein wunderbares Thüringentag-Paar gefunden, das schon jetzt als Botschafter - in Kostümen als historische Figuren Christian Gotthilf Salzmann und seine Frau Sophie Magdalena - unterwegs ist.

Gibt es einen Ausblick aufs Programm?

Die Kernstadt wird das Veranstaltungsgelände. Für Freitag organisieren wir ein Konzert, am 28. Juni spielen auf Bühne 1 "Die Prinzen". Einen Tag später treten dort Culcha Candela, Stefanie Heinzmann und Tom Gregory auf. Für beide Konzerte gibt es schon Tickets. Ansonsten gibt es neben sieben weiteren Bühnen, die unter anderem von Medienpartnern bespielt werden, diverse Meilen zu Themen wie Tourismus, Genuss mit Streetfoodfestival, Kirche und Glauben, Thüringen hilft und Landespolitik, außerdem einen Rummel, Kinderland und Sportmeile, Entenrennen, einen Busshuttle und vieles mehr. Auch die Unternehmen beteiligen sich zum Thüringentag mit kreativen Vorschlägen. Zum Beispiel können sie sich auf der Fachkräftemesse "Thüringer Talente“ präsentieren und dort um Fachkräfte und Azubis werben. Der große Umzug startet am 30. Juni mit über 3000 Beteiligten und 130 Schaubildern und ist live im MDR zu sehen. Wir freuen uns auf viele Gäste. Informationen zum Thüringentag gibt es jederzeit unter www.thueringentag2019.de.


Wie interessant ist die Stadt über den Thüringentag hinaus?

Wir nutzen durchaus den Thüringentag, um für Sömmerda zu werben, zu sagen, dass es sich hier sehr gut leben lässt, man Arbeit finden kann. Drei Wohnbaugebiete haben wir in kürzester Zeit belegt. Da punkten wir neben den günstigen Grundstückspreisen mit unserer sehr guten Infrastruktur mit Ärzten, Kindereinrichtungen und Schulen, Zugverbindungen, drei Autobahnauffahrten und mehr. Das ist für viele sehr reizvoll.
Immer wieder machen wir die gute Erfahrung, dass sich Unternehmen mit der Region, der Stadt identifizieren. Im Juni wird auch zu den beiden vorhandenen Figurengruppen in der Stadt, die die Geschichte Sömmerdas von der Landwirtschaft bis zur 200-jährige Industriegeschichte erzählen, eine neue hinzukommen, die sich dem Thema Salzmann und Bildung widmet. Zwei der Kunstwerke kamen mit Spenden der Bürgerschaft und der Unternehmen zustande, allein für das letzte Kunstwerk konnte der Freundeskreis Fortuna/Minerva mehr als 70.000 Euro sammeln. Wir wünschen uns, dass unsere Gäste wiederkommen, sie auch unseren schönen Unstrut-Radweg nutzen. Tagestouristen sind immer wieder überrascht von unserer schönen Stadt mit Verweiloasen, Museum, toller Gastronomie, einer der ältesten erhaltenen Stadtmauer und einer interessanten Geschichte. Wir haben zwar keinen Adel, können aber trotzdem glänzen.

Autor:

Helke Floeckner aus Erfurt

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