Christa Hirschler, Leiterin des Schlossmuseum Sondershausen, stellt ihr Lieblingsstück vor.

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Eine emanzipierte, weltoffene Fürstin

Christa Hirschler, Leiterin des Schlossmuseums Sondershausen, stellt ihr Lieblingsstück vor: ein Gemälde von Fürstin Mathilde

Die Schätze des Schlossmuseums Sondershausen, genau genommen sind es über 35 000, kann man nicht alle im Kopf haben. Aber Christa Hirschler kann. Als Museums­leiterin kennt sie jeden Winkel des Schlosses, jedes Exponat in den Räumen und dessen Geschichte dazu.

 „Jedes einzelne Ausstellungsstück wächst einem mit der Zeit ans Herz“, sagt sie. Nach ihrem Lieblingsstück befragt, muss sie kurz überlegen. Dann führt sie zu einem Großgemälde, das Mathilde Fürstin von Schwarzburg- Sondershausen zeigt. Ein Meisterwerk des Malers F.W. Herdt.

„Ist sie nicht schön, voller Energie, Klugheit und Anmut.“ In ihren Worten schwingt Bewunderung mit. Dieses Bild wurde 1841 gemalt und zeigt Mathilde als Ganzkörperportrait. „Im Juni begehen wir ihren 126. Todestag“, sagt Christa Hirschler und beginnt, aus dem Leben der Fürstin zu erzählen. 17 Jahre lang lebte Mathilde am Hofe, als Gemahlin des Fürsten und schenkte ihm zwei Kinder. Sie kam mit jungen 21 Jahren und acht Vornamen ausgestattet von Stuttgart nach Sondershausen und übernahm sofort die Mutterrolle der drei Söhne des Fürsten aus erster Ehe.

Christa Hirschler kennt die Daten und Fakten genau. „Eine Museumschefin sollte schon etwas darüber erzählen können“, sagt sie lächelnd. Ihre Worte stecken voller Begeisterung als sie erzählt, dass Mathilde mit ihrem ansteckendem Charme und ihrer Lebhaftigkeit das sonst so staubige Sondershausen in eine moderne kleine Stadt mit etwas italienischem Flair verwandelte. Viele Baumaßnahmen in und um das Schloss wurden während ihrer Zeit realisiert sowie zahlreiche soziale Einrichtungen geschaffen.

All dies kostete viel Geld – Geld des Fürsten – und das wiederum gefiel dem Gemahl überhaupt nicht. Christa Hirschler berichtet von heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Eheleuten. „Vielleicht hingen diese auch mit den vielen Affären des Fürsten zusammen“, bezieht sie sich auf ihre historischen Quellen. Wie dem auch sei: Im Jahre 1852 wurde die fürstliche Ehe geschieden. Mathilde verließ mit ihrem Titel, ihrer Tochter und ausgestattet mit einem ordentlichen Salär Sondershausen und ließ sich 1874 – nach 20 Jahren Tingelei – in Salzburg nieder. Sie mietete das Schloss von der Stadt Salzburg und lebte dort bis zu ihrem Tode, im Juni 1888.

„Diese junge, emanzipierte und weltoffene Frau, die sich durch Charme und Klugheit, der zu dieser Zeit üblichen fraulichen Unterwerfung entzog, kann man durchaus in die Gegenwart transportieren“, beschreibt Christa Hirschler. „Vielleicht liegt meine Bewunderung für das Gemälde und die Person darin begründet.“

Das Gemälde – wie auch alle anderen Schätze und ­Exponate – kann man während der Führung im Schlossmuseum Sondershausen besichtigen.

Autor:

Christian Klumpp aus Sondershausen

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