Korrespondenzprojekt Kloster und Welt
Mit den Mönchen kam das Wissen

„Pforte der Tränen“ in Donndorf: An dieser Steinpforte wurden die unverheirateten Töchter von ihren Eltern abgegeben. Der mittelalterliche Nonnengang führte sie hinauf zum Kloster, das sie fortan nicht mehr verlassen durften.
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  • „Pforte der Tränen“ in Donndorf: An dieser Steinpforte wurden die unverheirateten Töchter von ihren Eltern abgegeben. Der mittelalterliche Nonnengang führte sie hinauf zum Kloster, das sie fortan nicht mehr verlassen durften.
  • hochgeladen von Sibylle Klepzig

Klöster waren einst nicht nur Zentren für Glauben und Gebet, sondern auch für Bildung, Kultur und Wirtschaft. Parallel zur Ausstellung "Wissen + Macht" in Memleben laden elf weitere Klöster bis zum 15. Oktober 2018 zur Spurensuche ein. Zwei davon stehen in Thüringen: in Göllingen und Donndorf.

Kloster Göllingen

Der imposante Turm lässt die Größe des einstigen Benediktinerklosters St. Wigbert in Göllingen erahnen. Erstmals 1005/1006 erwähnt, zählt es zu den ältesten Klöstern Thüringens. Doch mit der Säkularisierung begannen auch hier Zerstörung und Verfall. „Dass Gelände wurde landwirtschaftliches Staatsgut, später Konserven­fabrik. Kloster­bauten, die im Weg standen, mussten weichen“, erzählt Elvira Knabe. Mit Gleichgesinnten hatte sie sich schon in den 1970er-Jahren für die ­Rettung des Turmes stark gemacht. Hilfe bekamen die Göllinger durch die Stiftung Thüringer ­Schlösser und Gärten, welche 1995 die Anlage in Besitz und die Turmsanierung in Angriff nahm. Heute erfüllt der Förder­verein das Areal mit kulturellem Leben und gestaltet tatkräftig mit. „Inzwischen gibt es Hochbeete, Bänke, ein Café, einen Kräutergarten und Klosterladen“, zählt Vorstandsmitglied Elvira Knabe auf.

Ihr Traum: der Bau einer Gunther­kapelle, um den Klostergründer zu würdigen. „Gunther von Käfernburg – der spätere Heilige Gunther von Thüringen und Bayern – ist erst mit 50 Jahren Mönch geworden“, zollt sie seiner Entscheidung Respekt. „Er hatte die Wahl: ein hohes Amt in der Politik zu bekleiden oder ein gottgefälliges Leben zu führen.“ Gunther wählte die Kutte, schenkte dem ­Benediktinerkloster eine Reihe von Gütern, fungierte als Klostervorsteher – und zog sich dann als Einsiedler zurück.
Dies und vieles mehr ist in der Sonderausstellung nachzulesen, die die Göllinger innerhalb des Projektes „Kloster +  Welt“ bis zum 15. Oktober zeigen.

Kontakt: Die Klosteranlage ist täglich geöffnet – April bis Oktober 10 bis 16 Uhr, Führungen & Infos:Tel. 03 46 71 - 5 26 89, mobil: 01 60 - 2 76 32 33,
Link: Förderverein „Gesellschaft der Freunde der Klosterruine St. Wigbert Göllingen e.V.

Kloster Donndorf

Nicht Mönche, sondern Nonnen bewohnten einst das Kloster Donndorf. „Das Zisterzienserinnen­kloster war für die ­unverheirateten Töchter aus Adel und Bürger­tum gegründet worden“, erzählt Monika Scherer, die auf dem Areal heute die Ländliche Heimvolkshochschule Thüringen leitet. Denn dort, wo Nonnen vor Jahrhunderten nach den Gelübden Armut, Keuschheit und Gehorsam lebten, bietet ihr Team heute ­Kurse, Seminare und Fortbildungen an; vermittelt Bildungsinhalte wie Fasten, Yoga, Fotografie, Malen, Tanz, Geschichte, Spiritualität, Filzen und mehr. Auf zeitgemäße Art knüpfen die mehrtägigen Angebote an klöster­liche Traditionen an: gemeinsames Wohnen, Einkehr sowie geistige und körperliche Betätigung. Tagesgäste können die Kirche besichtigen oder finden im Kloster­garten Ruhe.

Der Korrespondenzort von „Kloster + Welt“ lädt an jedem ersten Montagabend im Monat zur Gesprächsreihe „Montag halb acht“ ein.

Kontakt: Ländliche HeimvolkshochschuleThüringen e.V.,  geöffnet: Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr, Tel.: 03 46 72 - 85 10,  www.kloster­donndorf.de

Kloster Memleben

Hoher Besuch in Memleben. Vier Persönlichkeiten aus dem Mittelalter – darunter der heilige Benedikt und Kaiser Otto II. – geben sich in dem kleinen Ort im Unstruttal die Ehre. Was die Protagonisten mit Memleben verbindet, welche Bedeutung sie für die Kulturlandschaft sowie die Klosterwelt an Saale und Unstrut haben, das ist das Thema der Sonderausstellung „Wissen + Macht. Der heilige Benedikt und die Ottonen“, die bis Mitte Oktober zu sehen ist.

 Denn Memleben schrieb im 10. Jahrhundert als Pfalz und Sterbeort zweier bedeutender Herrscher – König Heinrich I. und Kaiser Ottos des Großen – europäische Geschichte. Nach dem Tod seines Vaters stiftete Kaiser Otto II. das hiesige Benediktinerkloster, das sich schnell zu einer bedeutenden Reichsabtei entwickelte.

 Nun richtet eine moderne Ausstellung im Museum von Kloster und Kaiserpfalz ihren Fokus auf diese enge Verbindung von geistlicher und weltlicher Herrschaft. „Über Jahrhunderte hinweg hatten die Klöster eine gesamtgesellschaftliche Bedeutung, waren Träger von Bildung, Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft“, betont Museumsleiterin Andrea Knopik. Die „Hauptper­sonen“ sowie hochkarätige Exponate vermitteln die Historie anschaulich. Gefordert ist der Besucher an interaktiven Stationen – etwa um herauszufinden, welcher Orden für ihn selbst der geeignete wäre.

Infos: www.kloster-memleben.de, Tel. 03 46 72 - 6 02 74,
Sonderausstellung „Wissen + Macht. Der heilige Benedikt und die Ottonen“, 
geöffnet bis 15. Oktober, von 10 bis 18 Uhr

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