Job-Profil: Wie ist das Leben als Sonderpädagogin, Frau Raßbach?

Im Instrumentenkreis stärkt Anett Raßbach das Rhythmusgefühl ihrer Schüler.
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  • Im Instrumentenkreis stärkt Anett Raßbach das Rhythmusgefühl ihrer Schüler.
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Förderzentrum Sondershausen, Musiklehrerin Anett Raßbach...

Nein, so klappt es nicht mit der Konzentration. Die Klasse ist zu kribbelig. Anett ­Raßbach spürt es, holt Tücher aus dem Schrank und lässt die Kinder mit einem Tanz in den Tag starten. Danach sind sie ruhiger. Die Schulstunde kann beginnen am Förderzentrum Sondershausen, wo Kinder mit körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung, mit Lernproblemen oder ­einem Rückstand in der sprachlichen oder sozialen Entwicklung gemeinsam lernen.

 Als Klassenlehrerin unterrichtet Anett Raßbach Mathe, Deutsch, Heimatkunde, Werken, Musik und Kunst­erziehung. „Man muss so ziemlich alles können“, sagt sie und findet es ­wichtig, möglichst viele Stunden in ihrer Klasse zu halten. „Die Kinder brauchen eine Bezugsperson. Sie lernen für den Lehrer.“ In Schwerpunkt­fächern wird sie von einer Sonderpädagogischen Fachkraft unterstützt.

 Dank der geringen Klassen­stärke von sieben Schülern kann Anett Raßbach auf jedes Kind gezielt eingehen. Sie weiß, Juri hat eine Lese­schwäche, rechnet aber wie der ­Teufel. Felix kann nicht sprechen, schlägt die Klanghölzer aber sicher im Takt. „Ich hole die Schüler an ihrem Entwicklungsstand ab, suche nach dem, was ihnen Erfolgserleb­nisse verschafft.“

 Dafür erstellt sie Förderpläne, hat auch das Lebens­umfeld der Kinder im Blick. „Manche haben ein schweres Schicksal, erhalten keine ­Liebe zu Hause.“ Bei der Betreuung geht es daher um mehr als Unterricht und Lernen. Selbst nach gut 30 Berufs­jahren im Förderschulbereich agiert Anett Raßbach nie nach Schema F. Jedes Kind hat andere Probleme und Potenziale. „Man trägt eine Portion Arbeit mit nach Hause, sortiert im Nachgang, sucht immer nach Ideen.“

 Ihre Leidenschaft – die Musik – hilft ihr dabei. Rund 80 Schüler von 6 bis 14 Jahren unterrichtet sie in diesem Fach. „Musik ist ein gutes Mittel, um verhaltensauffällige Kinder auf andere Gedanken zu bringen“, steht für sie fest. „Die Trommel hält auch mal einen wütenden Schlag aus.“

Und weil den Kindern das Lernen der Liedtexte schwerfällt, verknüpft sie die Zeilen mit Bewegung und Bildern. So tritt manches Talent zutage.

Vita Anett Raßbach:
• 1981 - 85 Studium am ­Institut für Lehrerbildung in Cottbus: Grundschullehrerin mit Wahlfach Musik
• Einsatz an Hilfsschulen in der DDR / seit 1990 im Thüringer Schuldienst
• 1999 - 2002 Fernstudium Förderpädagogik in Erfurt
• Lehrerin am Staatlich regionalen ­Förderzentrum „Johann Heinrich ­Pestalozzi“ in Sondershausen

Ausbildung:

Wo studieren?
An der Universität Erfurt gibt es den Bachelor-Studiengang Förderpädagogik sowie das Master-Programm Lehramt Förderpädagogik.

Was?
Vermittelt werden Kenntnisse der Erziehungs- und Sozialwissenschaft sowie der Psychologie. Das Studium ermöglicht ein vertieftes Verständnis von Behinderung und Benachteiligung.

Wie lange?

Das Bachelor-Studium erstreckt sich über sechs Semester, der „Master of Education Förderpädagogik“ über vier Semester.

Tätigkeitsfelder?

Mit dem Masterabschluss kann der Einsatz in einem inklusiven Schulsystem, etwa in Förderschulen, Grund- oder Regelschulen erfolgen.

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