Kleine Fächer an Hochschulen besser fördern

Zeltlager in Kiew während der Orangenen Revolution in der Ukraine - ein Thema an deutschen Hochschulen?
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  • hochgeladen von Ralf Kothe

Schipanski fordert stärkere Beteiligung des Bundes

Aus Anlass der Tagung „Kleine Fächer – Große Potenziale“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung am 27. März 2017 in Berlin fordert der Bundestagsabgeordnete Tankred Schipanski (CDU) eine verstärkte Förderung des Bundes zur Erhaltung der sogenannten „kleinen Fächer“.

„Ich begrüße es sehr, dass den kleinen Fächern durch die Tagung in Berlin einmal mehr die Aufmerksamkeit zuteil wird, die ihnen zusteht. Kleine Fächer wie die ‚Kaukasiologie‘ oder ‚Informations- und Wissensmanagement‘, wie sie etwa an den Universitäten in Jena und Ilmenau gelehrt werden, haben eine immense Bedeutung für die deutsche Wissenschaftslandschaft“, so Schipanski. „Sie bereichern das Wissenschaftssystem insgesamt, stehen für hohe Qualität und Spezialisierung im universitären Fächerspektrum und können bei sich ändernden Umständen innerhalb kürzester Zeit stark an Bedeutung gewinnen – wie zuletzt durch den Konflikt in der Ukraine oder den Syrienkrieg.“

Der Bildungspolitiker verweist jedoch auf den Umstand, dass kleine Fächer an den Universitäten häufig durch betriebswirtschaftliche Erwägungen und ihre Abhängigkeit von einzelnen Professuren oder Lehrstühlen gefährdet seien. „Das Hauptaugenmerk liegt bei den kleinen Fächern auf wissenschaftlicher Tiefe und interdisziplinärer Zusammenarbeit. Deshalb dürfen wir nicht zulassen, dass sie aus Gründen des Kostendrucks von der Landkarte der Wissenschaft in Deutschland verschwinden. Da die kleinen Fächer von überregionaler, häufig sogar von internationaler Bedeutung sind, erachte ich eine verstärkte Förderung des Bundes auf Grundlage des neu geschaffenen Art. 91b des Grundgesetzes für wünschenswert“, so Schipanski. Art. 91b GG erlaubt eine gemeinsame Förderung von Bund und Ländern in Wissenschaft, Forschung und Lehre in Fällen von überregionaler Bedeutung und zur Steigerung der Leistungsfähigkeit des deutschen Bildungswesens im internationalen Vergleich.

Hintergrund

Kleine Fächer, oft auch Orchideenfächer genannt, sind Fächer die nur an wenigen deutschen Hochschulen angeboten werden und dabei personell nur schwach ausgestattet sind. Diese Studienfächer finden sich keineswegs nur im Bereich der Geisteswissenschaften, sondern auch im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich (z.B. Mineralogie). Ihre Bedeutung für die Breite, Tiefe und Spitze des Wissenschaftssystems als Ganzes ist dabei allerdings erheblich. Wenig beachtete Kleine Fächer können rasch bedeutsam werden, wenn etwa bestimmte Weltregionen aufgrund von Konflikten in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. So wurden etwa Nahoststudiengänge nach den Anschlägen des 11. September 2001 in den USA oder Kaukasiologie mit dem Georgienkrieg 2008 plötzlich stark von Politik, Medien und Öffentlichkeit nachgefragt. Kleine Fächer bewahren oft große Wissenschaftsbereiche vor dem Verschwinden aus der deutschen Wissenschaftslandschaft und erhalten häufig auch langfristige wissenschaftliche Forschungskooperationen am Leben. Sie sind dabei nicht nur ein wichtiger Baustein bei der Internationalisierung des Wissenschaftssystems, sondern oft genug auch eine kulturelle Bereicherung an der Hochschule. Kleine Fächer sind meist hochflexible, hochqualifizierte und methodenplurale Partner bei interdisziplinären Projekten. So erschließen etwa Fächer im Bereich der Area Studies ihre Studienregion meist sowohl über die jeweilige Sprache als auch über Landeskundliche Ansätze mit einem breiten methodischen Instrumentarium. Kleine Fächer sind daher häufig ideale Partner für interdisziplinäre Forschung und Entwicklung. Sie sind auch von elementarer Bedeutung für die Grundlagenforschung.

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