Bilder aus Neapel ab 5. Mai in Weimarer Fotoausstellung zu sehen
Auf den Spuren von Elena Ferrante

Judith della Rocca ist seit 2005 Mitglied in der DIGIT. Sie liebt die Bücher von Elena Ferrante. Derzeit liest sie Band 4 ihrer Neapel-Tetralogie.
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  • Judith della Rocca ist seit 2005 Mitglied in der DIGIT. Sie liebt die Bücher von Elena Ferrante. Derzeit liest sie Band 4 ihrer Neapel-Tetralogie.
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Über die Identität der Autorin Elena Ferrante wird noch immer gerätselt. Die Handlungsorte ihrer Romane aber sind real und werden in einer Fotoausstellung in der Weimarer Eckermann-Buchhandlung  gezeigt. Offizielle Eröffnung ist am 5. Mai, um 15 Uhr. Der Eintritt ist frei.

In den Bestsellerlisten steht die vierteilige Romanreihe der Italienerin Elena Ferrante über die Freundschaft zweier Frauen ganz oben. Die Tetralogie begann mit „Meine geniale Freundin“. Drei weitere Bücher folgten. Für die Autorin selbst ist der Erfolg noch lange kein Grund, ihre selbst gewählte Anonymität aufzugeben. Für sie ist das geschriebene Wort – nicht die Person, die es zu Papier brachte – maßgebend.

Mit einer Ausstellung in Weimar will sich die Deutsch-Italienische Gesellschaft in Thüringen (DIGIT) der Autorin annähern. Unter dem Titel „Wo ist Elena Ferrante? Ein Schauplatz der Weltliteratur in Fotografien“ entführen die Arbeiten von Ottavio Sellitti nach Neapel. Vor der Eröffnung erzählt DIGIT-Mitglied Judith della Rocca, was sie an den Ferrante-Romanen schätzt und was die Besucher von der Ausstellung erwarten dürfen.

Ein Sensationsjournalist meint aufgedeckt zu haben, wer hinter dem Pseudonym Elena Ferrante steckt. Glauben Sie, dass das Rätsel um ihre Person gelöst?
Es gibt ja viele Versionen über ihre wahre Identität. Ich denke aber, das Rätsel ist nicht abschließend gelöst. Ich finde zudem, man sollte als Journalist die selbst gewählte Anonymität eines Autoren respektieren.

Wie stellen Sie sich die Schriftstellerin vor?
Sie beschreibt in ihren Romanen Neapel sehr explizit. Deshalb könnte ich mir vorstellen, dass sie aus Neapel stammt. Sie muss aber nicht unbedingt im Stadtteil Luzzatti, einem Hauptschauplatz der Romane, aufgewachsen sein.

Ist Elena Ferrante überhaupt eine Frau?
Darüber kann man spekulieren. Sicher kommt auch ein Mann als Autor in Frage. Aber ich tendiere eher zu einer Frau. Man kann es daraus schließen, weil die Männer in den Büchern eher schlecht wegkommen.

Haben Sie alle Romane der Tetralogie gelesen?
Das erste Buch habe ich Weihnachten 2016 gelesen. Ich wolle es meiner Tochter schenken. Beim Durchblättern konnte ich es aber nicht wieder weglegen. Auf das zweite Buch war ich dann so gespannt, dass ich es mir im Italien-Urlaub gleich auf Italienisch gekauft habe. Auf die deutsche Übersetzung wollte ich nicht warten.

Was ist für Sie das Besondere an den Ferrante-Romanen?
Sie beschreibt nicht nur eine intensive, oft auch durch Rivalität getragene Freundschaft zweier Frauen, sondern auch das Leben in neapolitanischen Stadtteil Luzzatti sehr genau, ebenso wie das Zusammenspiel der agierenden Familien. Man bekommt einen umfassenden Einblick in die italienische Nachkriegsgeschichte. Mafiöse Strukturen werden dargestellt. Ich war schon oft in Neapel und auch in Luzzatti. Nichts wird beschönigt.

Was erwartet den Besucher in der Ausstellung?
Der Fotograf Ottavio Sellitti stammt selbst aus Neapel, ist in Luzzatti am Rande der Stadt aufgewachsen. Er dokumentiert mit seinen schwarz-weiß-Fotografien die Handlungskulissen des Romans. Den Ferrante-Freunden werden so zum Gelesenen die Bilder geliefert. Ich habe mir die Ausstellung bereits in Berlin angeschaut und war fasziniert. Deshalb ich versucht, die Bilder nach Weimar zu holen und bin bei der DIGIT und der Eckermann-Buchhandlung auf großes Interesse gestoßen.

Können auch Nicht-Leser Gefallen an der Ausstellung finden?
Sie spiegelt die Stadtgeschichte wieder, entführt an Orte, die Touristen in der Regel nicht kennenlernen. Wenn sich jemand für Städte abseits ausgetretener Pfade interessiert, dann wird er die Ausstellung gern besuchen. Hier wird nicht nur das Schöne gezeigt, sondern auch der graue Alltag.

Zur Sache

Der Verein:
+ Die Deutsch-Italienische Gesellschaft in Thüringen e.V. (DIGIT) hat ihren Ursprung in den Internationalen Hochschulferienkursen für Germanistik in Weimar. Sie fanden in den 1980er-Jahren statt und wurden von italienischen Teilnehmern dominiert.
+ 1990 wurde die DIGIT in Weimar mit dem Ziel gegründet, den Kulturaustausch zwischen Thüringen und Italien zu fördern.
+ Der Verein organisiert Vorträge, Reisen, Ausstellungen, Konzerte und gibt Publikationen heraus.
+ Derzeit zählt er 80 Mitglieder.
+ Alle Informationen: www.digit-online.de

Die Ausstellung:
+ Die Fotoausstellung „Wo ist Elena Ferrante? Ein Schauplatz der Weltliteratur in Fotografien von Ottavio Sellitti“ ist vom 5. Mai bis 16. Juni in der Eckermann- Buchhandlung in Weimar, Marktstraße 2 zu sehen.
+ Eröffnung: 5. Mai, 15 Uhr.
+ Der Eintritt ist frei.
+ Die Ausstellung wird durch das Italienische Kulturinstitut Berlin, die Thüringer Staatskanzlei und die Sparkassenstiftung Weimar – Weimarer Land gefördert.

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