Gesellschaft
Ehescheidungen in Thüringen sind im Jahr 2018 um knapp 7 Prozent gefallen verglichen mit dem Vorjahr

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Die Scheidungsrate in Deutschland sinkt seit über 15 Jahren. Was ist der Grund für diese Trendwende?

Nicht nur in Thürigen sondern auch deutschlandweit zeichnet sich seit Jahren eine positive Entwicklung ab. Die Zahl der Ehescheidungen in Deutschland nahm zwischen den Jahren 1960 und 2002 noch stetig zu. Doch der positive Richtungswechsel trat im Jahr 2003 ein. Im Jahr 2016 war die Zahl der Scheidungen von Ehepaaren ca. auf des Niveau von 1996 zurückgegangen.

Ehedauer fast anderthalb mal länger als noch im Jahr 1960

Die durchschnittliche Ehedauer ist dabei angestiegen. Im Jahr 1960 lag die durchschnittliche Dauer einer Ehe bis zur Scheidung bei 10,3 Jahren. Bis zum Jahr 2016 ist die durchschnittliche Ehedauer auf 15 Jahre angestiegen. Über 10 Prozent der Ehen wurden nach ca. 15 Jahren geschieden.

Im Jahr 2000 wurden knapp 60 Prozent der Scheidungen von Frauen eingereicht und nur knapp 30 Prozent von Männern. Die übrigen Scheidungspapiere wurden von beiden Partnern zusammen eingereicht. Die Scheidungsanwältin, Susanne Ehlers, sagte im Gespräch mit der Augsburger Allgemeinen, Frauen seien emotionaler in jeglicher Hinsicht. Sie seinen offener und eher bereit, Konsequenzen zu ziehen. Die meisten Trennungen gingen von Frauen aus, weil sie ihre Situation mehr reflektieren würden. Männer seien laut Ehlers konfliktscheuer und registrierten Signale nicht unbedingt. Männer könnten sich besser vorstellen, die Ehe-Situation beizubehalten und nebeneinander her zu leben.

Was können Gründe sein für diese positiven Entwicklungen?

Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagte der Eheberater Michael Vogt Menschen hätten zum Zeitpunkt der Eheschließung heute meist schon mehrere Partnerschaften hinter sich. Diese Erfahrungen begünstigen reiferen Umgang mit Konflikten innerhalb der Beziehung und höhere Kompetenz bei der Auswahl von passenden Langzeitpartnern.

Ein weiterer Grund für die niedrigeren Scheidungsraten der letzten Jahre könnte das Online-Dating sein. Eine US-Studie, die gemeinsam mit der Hochschule Fresenius in Köln durchgeführt wurde, kam zu dem Ergebnis, dass unter Paaren, die zwischen den Jahren 2005 und 2012 geheiratet haben, die Paare sich beim Online-Dating kennengelernt hätten mit ihrer Ehe eher zufrieden seien und sich seltener scheiden ließen, als Paare, die sich außerhalb des Internets kennengelernt hätten.

Online-Dating scheint erfolgreicher zu sein als Offline-Dating

In den Profil-Beschreibungen von Online-Dating-Plattformen scheinen Personen ehrlicher zu sein und weniger gehemmt, sich selbst und ihre Vorlieben authentisch zu beschreiben. Außerdem ist die Auswahl an möglichen Partnern online oft deutlich größer als im direkten sozialen Umfeld der Personen, die auf Partnersuche sind. Personen mit ähnlichen individuellen Interessen und ähnlichem Bildungsstand würden auf einigen Online-Dating-Plattformen durch die Software durch sogenannte “Matching”-Systeme vorsortiert und einander als mögliche passende Partner vorgeschlagen.

Ein weiterer Grund für höhere Erfolgsquoten des Online-Datings kann darin liegen, dass Personen, die online nach Langzeitpartnern suchen, im Durchschnitt motivierter sind, sich langfristig zu binden als die Personen, die im wirklichen Leben sozusagen “ungefiltert” aufeinander treffen.

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