Gernot Fritzsche und über 60 Kollegen laden zum Tag der offenen Töpferei am 10. und 11 März 2018 ein
Eine Fertigmischung kommt nicht auf die Scheibe

Gernot Fritzsche ist der älteste Thüringer Töpfermeister, der in diesem Jahr zum Tag der offenen Töpferei in seine Suhler Werkstatt einlädt. Dort steht auch sein Brennofen, den er selbst gebaut hat. „In der DDR hätte ich zwölf Jahre auf einen Ofen warten müssen“, erinnert er sich. Da habe er sich selbst beholfen.
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  • Gernot Fritzsche ist der älteste Thüringer Töpfermeister, der in diesem Jahr zum Tag der offenen Töpferei in seine Suhler Werkstatt einlädt. Dort steht auch sein Brennofen, den er selbst gebaut hat. „In der DDR hätte ich zwölf Jahre auf einen Ofen warten müssen“, erinnert er sich. Da habe er sich selbst beholfen.
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Auch als Rentner zieht es Gernot Fritzsche fast täglich in seine Werkstatt. Am 10. und 11. März lädt er sich dorthin Gäste ein. Über 60 Kollegen tun es ihm zum Tag der offenen Töpferei gleich.

Die Zahl 13 ist kein schlechtes Omen. Zumindest nicht für Gernot Fritzsche. Vielmehr verbindet er damit Zuversicht für ein Handwerk, das zu den ältesten Gewerken zählt. „Wir gehen keinem aussterbenden Beruf nach. Das ist Quatsch“, ist sich er Töpfermeister sicher. Wie lebendig und vielgestaltig die Keramikerszene ist, das werden er und seine Kollegen am zweiten Märzwochenende beweisen, wenn zum 13. Mal zum Tag der offenen Töpferei in Thüringen eingeladen wird.

„Keramik war in der DDR wie eine zweite Währung.“

„Die Leute wollen eine Handschrift erkennen“, so die Erfahrung des gebürtigen Sondershäusers, der seit 1982 eine eigene Werkstatt in Suhl betreibt. Keramik aus dem 3D-Drucker gibt er deshalb keine Chance. Nur menschliche Kreativität und Geschick vermögen es, aus dem gleichen Material Ton durch unterschiedliche Formen, Glasuren, Farben und Brenntechniken eine Vielfalt zu erschaffen, die es wohl kein zweites Mal im Handwerk gibt.

Diese fast grenzenlos erscheinenden Möglichkeiten ziehen Gernot Fritzsche auch mit 74 Jahren fast täglich an die Töpferscheibe. Noch immer liebt er es zu experimentieren, kombiniert Ton gern mit Holz oder Metall. Und trotzdem bleibt er sich treu.

„Ich bin ein Minimalist

Gernot Fritzsche liebt einfache, klare Formen, matt glasiert. Braun- und Grüntöne zieren sein Gebrauchsgeschirr. „Dieser Linie bin ich immer treu geblieben“, erklärt er seine Maxime. Ebenso wie seinem Ton. Den mischt er – wie nur noch wenige seiner Kollegen – in der eigenen Werkstatt aus Tonerde, die er aus Frohnsdorf bei Altenburg und Eisenberg bezieht. Eine Pumpe von 1880 hat er erst kürzlich dafür wieder reparieren lassen. „Es ist wohl die älteste, die in Thüringen noch existiert“, erklärt der Handwerksmeister nicht ohne Stolz. Den Mehraufwand nimmt er gern in Kauf. Plastisch müsse sein Material sein. So mag es der Senior auf seiner Töpferscheibe und verzichtet deshalb auf fertige Mischungen.

Auch mit 73 noch fast täglich in der Werkstatt

Das will er auch weiterhin tun, so lange die Technik hält. Vom Drehen an der Scheibe möchte er ebenso wenig lassen. Auch wenn er sein Arbeitspensum auf drei bis vier Stunden am Tag reduziert hat. Denn er leibt nicht allein die Arbeiten mit. Er weiß auch den Zusammenhalt unter den Töpfern zu schätzen. „Wir sind wie eine große Familie“, schwärmt Gernot Fritzsch. In dieser sind am 10. und 11. März viele Gäste herzlich willkommen.

Termin

+ Am 10. und 11. März lädt die Thüringer Töpferinnung jeweils von 10 bis 18 Uhr in 63 Werkstätten in ganz Thüringen ein. Es beteiligen sich zudem Keramiker aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern an diesem Aktionstag. Bundesweit sind rund 600 Werkstätten geöffnet.
+ Die Keramiker geben Einblick in ihr Handwerk. Auch Mitmachangebote sind vielerorts geplant.
+ Weitere Hinweise auch unter www.meinanzeiger.de

Autor:

Simone Schulter aus Weimar

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