Die Stiftung Burg Tannroda hat sich viel vorgenommen
Leben auf die Burg bringen

Das "blaue Schloss" und der Burgturm der Burg Tannroda.
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  • Das "blaue Schloss" und der Burgturm der Burg Tannroda.
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Als Antje und Thomas Bähr die Burg in Tannroda das erste mal sahen, waren sie von deren Ambiente sofort begeistert. Schon lange interessierten sich die beiden für solch alte Gemäuer. Doch in Tannroda fassten sie den Entschluss, mehr zu tun, als sich nur umzuschauen. Sie wollten die historischen Gebäude retten, vor Verfall und Bedeutungslosigkeit. 2016 war das.
Doch wie soll man ein solches Unterfangen realisieren? Mit privaten Mitteln lässt sich allemal ein Einfamilienhaus sanieren. Aber eine ganze Burg? Und so entstand die Idee, eine Stiftung zu gründen, die sich mit dem Erhalt des gesamten historischen Ensembles beschäftigt. Mit großer Unterstützung der, beim Land Thüringen für solche Fälle existierenden, „Stiftungsbehörde“ trieben sie ihr Vorhaben voran, als Stiftungskapital setzten die Bährs ihr ganzes Erspartes ein. Ein Antrag auf den Kauf der Burg wurde bei der Stadt Bad Berka gestellt, Fördermittel beantragt. Doch es sollte noch bis ins Jahr 2019 dauern, bis der Kaufvertrag unterschrieben wird. Schon 2017 zog die Familie nach Tannroda, denn es hatte sich herausgestellt, dass man vom fernen Hannover aus nicht wirklich voran kommt mit dem Umbau. Für Thomas Bähr war das ein Umzug zurück in die Heimat. Er hatte Thüringen vor rund 30 Jahren verlassen.
Um die nötigen Finanzen für Denkmalpflege und Erneuerungen verfügbar zu machen, hat die Stiftung verschiedene Eigenbetriebe geplant. So soll schon in diesem Jahr eine Gaststätte entstehen, in der auch ein regalmäßiges kulturelles Angebot begeistern wird. Für die kommenden Jahre sind ein Seminargebäude, ein Hotel, Wohnungen sowie Ausstellungs- und Veranstaltungsräume geplant.
Anfang August stellte sich die Stiftung mit einem Sommerfest allen Interessierten vor. Mehr als 30 freiwillige Helfer aus Tannroda zeigten dabei, dass die Einheimischen noch immer an ihrer Burg interessiert sind, wo zu DDR-Zeiten u.a. eine Gaststätte, Wohnungen und ein Kindergarten zu finden waren und die bis heute das Korbmachermuseum beherbergt.
Das Gelände soll auch während und nach der Sanierung zum Großteil öffentlich bleiben. Über das „Wie“ haben die Bährs eine Gesprächsreihe geplant. „Miteinander Reden“ heißt es dann ab Oktober 2019 im Gastraum der neuen Gaststätte regelmäßig. Hier stellt sich die Stiftung vor, können Ideen eingebracht, Hilfe angeboten werden. Eine Chance für die Tannrodaer, die neuen Besitzer und ihre Pläne kennenzulernen, Fragen zu stellen, sich selbst einzubringen. Denn anfangs trafen die Bährs auch auf Vorurteile. Das typische Bild vom Westdeutschen, der sich gern als Schlossherr aufspielt, wurde bemüht, die Neulinge mit Skepsis betrachtet. Man befürchtete, dass die Burg wieder zum Privatbesitz werde, dem Ort ein Teil seiner Identität abhanden kommt. Mittlerweile haben immer mehr Tannrodaer erkannt, dass Menschen wie die Bährs ein Segen für solche, vom Verfall bedrohte, Bauten sind. Denn im Land Thüringen findet sich noch eine Unmenge an alten Schlössern und Burgen, die einer Sanierung bedürfen. Nur die wenigsten finden Akteure, die anpacken, sich mit dem eigenen Geld, Visonen und eigener Muskelkraft daran machen, das Kulturgut zu retten, es sogar auszubauen und zu modernisieren, so dass es auch den kommenden Generationen zur Verfügung stehen wird.
Derzeit beschäftigt die Stiftung 2 Mitarbeiterinnen, die auch beide auf der Burg wohnen. Perspektivisch wird weitere Verstärkung gesucht.

Mehr Informationen: www.burg-tannroda.de

Autor:

Dirk Sprungala aus Weimar

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