Luther dekoriert mit Kirschzweigen statt Tannengrün

Luther im Kreise seiner Familie, Weihnachten 1536
Carl August Schwerdgeburth, Stahlradierung, 1862
© Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt
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  • Luther im Kreise seiner Familie, Weihnachten 1536
    Carl August Schwerdgeburth, Stahlradierung, 1862
    © Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt
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„Luthers Impulse sind bis heute in der Kirche und in den Weihnachtsstuben der Menschen zu finden“, sagt Dr. Thomas A. Seidel, Reformationsbeauftragter der Thüringer Landesregierung.

So stellt man sich Weihnachten vor! Die Stube erstrahlt im warmen Kerzenlicht. Der Vater sitzt unter der geschmückten Tanne. Die Kinder liebkosen ihn oder spielen brav. Seine Frau, dem Arm auf seiner Schulter, schaut zu ihm auf. Das Bild zeigt Familie Luther an einem Weihnachtsabend.

„Ganz genau weiß man nicht, wie es zum Fest im Hause des Reformators zuging“, widerspricht Thomas A. Seidel der romantisierenden Darstellung aus den 19. Jahrhundert. Hier dienten die Luthers als Projektionsfläche für die heilige Familie. Ein Bild, das bis heute nachhallt. Sicher aber ist eines: Einen Tannenbaum stellte man sich damals nicht ins Haus, so der Thüringer Reformationsbeauftragte. Diese Tradition kam erst viel später auf.

Blüten im kalten Winter

Geschmückt wurden die Küche und Stuben damals dennoch. Luthers Sohn Paulus erinnert sich an Kirsch- und Apfelzweige, die wie durch ein Wunder im kalten Winter gebrochen in der Stube austrieben und zu Fest erblühten.

Auch ohne Weihnachtsbaum wurde das Fest bei Luthers zelebriert. Einen gehaltvollen Speisezettel bescheinigt Seidel den Luthers, die in Wittenberg im Schwarzen Kloster zu Hause waren. Ausgrabungen hätten das bewiesen. Fisch und Fleisch gab es. Der Luthersohn berichtet zudem von gebutterten Stollen und Pfefferkuchen.

Das des Reformator Tisch gut bestellt war, führt Seidel auf dessen Frau Katharina zurück. „Luther konnte mit Geld nicht umgehen. Seine Frau hat sich um die Finanzen gekümmert und dafür gesorgt, dass Obst und Gemüse angebaut wurden“, berichtet Seidel. Kleinvieh und Bienen hat die Familie gehalten, selbst Bier gebraut und Wein gekeltert. So manche Leckerei bekam Luther auch geschenkt. „Er war ja ein Superstar seiner Zeit.“

Das Christkind bring die Gaben

Oft wird Luther nachgesagt, dass er dem Heiligen Nikolaus als Gabenbringer nicht wohl gesonnen war. Trotzdem sind in seinen Haushaltsbüchern Ausgaben für Nikolausgeschenke verzeichnet. „Sicher hat er die Heiligenverehrung kritisiert“, sagt Seidel. Doch im Falle des Nikolauses werde sie nicht allzu schroff ausgefallen sein. Luther habe immer einen barmherzigen, volkspädagogischen Blick auf all das gehaben, was die Menschen wollen und brauchen.

In den Mittelpunkt aller Feierlichkeiten stellte Luther allerdings die Geburt Jesu. Das Christkind brachte deshalb bei Luthers die Geschenke. Damit sollte die Freude über dessen Geburt bestärkt werden. An Trompeten, Trommeln und Steckenpferde erinnert sich Paulus Luther, an Schreibpapier, Federn und Bücher. Neben diesen Gaben spielt Musik eine wichtige Rolle. Luther, Komponist und Texter vieler Lieder, sang gemeinsam mit seiner Familie am Weihnachtsabend. Überliefert sich auch Erinnerung an Krippenspiele, die die Lutherkinder im Hause ihres Vaters aufführten.


Zur Sache

+ Weihnachtslieder aus Luthers Feder
„Gottes Wort will gepredigt und gesungen sein“, war Luthers Motto. Der musikalisch Begabte schrieb deshalb zu allen Kirchenfesten Lieder, die die Gemeinde in deutscher Sprache singen konnte. 37 Luther-Lieder sind überliefert. Zu ihnen gehören auch die bekannten Weihnachtsweisen:
„Gelobet seist du, Jesu Christ“, „Nun komm, der Heiden Heiland“ und – als wohl bekanntestes – „Vom Himmel hoch, da komm ich her“.

+ Veranstaltungstipps 2017
Am 31. Oktober 2017 jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen, die Martin Luther, der Überlieferung nach, an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg schlug. Das ganze Jahr über wird deshalb auch in Thüringen vor allem an Luthers Wirkungsstätten des Reformationsjubiläums gedacht.
Folgen Veranstaltungen empfiehlt Thomas S. Seidel den Thüringern:
4. Mai bis 5. November 2017 auf der Wartburg nationalen Sonderausstellung „Luther und Deutschen“
25. bis 27. Mai 2017 Kirchentag in Jena und Weimar
10. November 2017 ökumenischen Martinstag in Erfurt

+ Bücher über Luthers Weihnachten:
Christoph Werner: „Weihnachten mit Familie Luther“
Elke Strauchenbruch: „Luthers Weihnachten“

Inform@tionen zu Luther:
www.lutherland-thueringen.de
www.luther2017.de
www.ekd.de
www.r2017.org

Zur Person
Dr. Thomas A. Seidel, 58 Jahre, stammt aus Sachsen. Er ist ein evangelischer Theologe und Historiker. Der Oberkirchenrat fungiert seit dem 1. September 2010 als Reformationsbeauftragter der Thüringer Landesregierung und bereitet in dieser Funktion das Reformationsjubiläum „Luther 2017“ vor. Gleichzeitig arbeitet Dr. Seidel als geschäftsführender Vorstand der Internationalen Martin-Luther-Stiftung.

Luther im Kreise seiner Familie, Weihnachten 1536
Carl August Schwerdgeburth, Stahlradierung, 1862
© Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt
Dr. Thomas Seidel, Beauftragter der Thüringer Landesregierung zur Vorbereitung des Reformationsjubiläums Luther 2017

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