Gemeinsame Liebe zu Radioapparaten
Mit nostalgischem Herz für Röhren, Transistoren und Mitmenschen

Peter Ambrosius
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Wenn Peter Ambrosius eines seiner "Schätzchen" in den Arm nimmt, dann wirkt er sehr glücklich. „Ja", meint Ambrosius, „so wie mir geht es immer noch vielen Menschen, die zur mir kommen. Viele lieben noch ihre alten DDR-Radios, weil so viele Erinnerungen daran hängen und manche erzählen mir dann auch aus ihrem Leben einige Geschichten und Geschichtchen dazu. Da gibt es Kofferradios, die waren mal ein Hochzeitsgeschenk vor 40 Jahren. Na und die Songs oder Schlager, die sie mit ihrer ersten Liebe verbinden und vieles mehr.“

Die Liebe zu Radioapparaten entwickelte Peter Ambrosius schon in seiner Kindheit, da baute er Dedektoren und belauschte knatternde Mittel- oder Langwellensender.

„Das war damals für mich ein Abenteuer. Da wirft man seine Antenne irgendwohin und versucht dann den Empfang zu optimieren und staunt, was da aus dem Äther kommt. Fremde Stimmen aus fremden Ländern und man träumt sich dann in eine ferne Welt. Ich habe dann Einträge auf einer Weltkarte gemacht.“ Als Jugendlicher bekam er dann von seinem Großvater ein kaputtes Radio geschenkt und organisierte sich Ersatzteile dafür. Mit Lötkolben und Schrauber bekam er den Radioapparat wieder hin. „Mein Opa haute mir auf die Schulter und sagte: gut gemacht!“ Damit stand dann auch sein Berufswunsch fest. Peter Ambrosius wollte sein Hobby zum Beruf machen und bewarb sich bei "Sternradio Sonneberg" im Betriebsteil Apolda. „Das war für mich eine spannende Lehrzeit in der Radiobude. Ich hatte auch sehr fähige und freundliche ältere Kollegen, die immer einen Tipp hatten und mir halfen.“ Schnell übergab man Peter Ambrosius schwierige Aufgaben. „Ich wurde ein sogenannter Springer in der Produktion, d.h. ich wurde an verschiedenen Arbeitsplätzen eingesetzt und lernte so die gesamte Produktion kennen.“

Nach der Wende kam schnell das Ende für die Sternradio-Produktion und Peter Ambrosius ging zeitweilig in den Westen und reparierte an verschiedenen Orten alles, was keinen Ton oder kein Bild mehr von sich gab. „Dabei habe ich wirklich noch mal viel gelernt und hatte auch nette Kollegen in Kassel.“ Es zog ihn aber wieder zurück in die vertraute Heimat. „In Weimar habe ich dann noch mal eine Existenz gegründet und bald kamen auch viele Menschen, die fragten, ob ich ihr Schätzchen aus DDR-Zeiten wieder zum Leben erwecken könnte. Natürlich stand das Vergnügen daran für mich immer Vordergrund, denn ich schätze und liebe diese Technik. Inzwischen kann ich das ja auch gut vergleichen, weil ich vieles kenne. Ich würde jetzt nicht so weit gehen, zu sagen, dass die Technik eine Seele hat, aber die Menschen, die an ihrem "Radiochen" hängen, die haben ihre Erinnerungen und Gefühle und ich finde es toll, wenn sie mir ihre Storys erzählen, die lustigen und die manchmal traurigen.“

So ist Peter Ambrosius sozusagen ein „Radio-Seelsorger“ geworden. Ein praktischer Bastler, der fast alles wieder hinkriegt und dazu immer noch einen freundlichen Spruch bereit hat.
„Ich finde es selbst manchmal rührend, wie viele Leute an ihrem Sternradio hängen.“ Ostalgie oder Nostalgie, wer will da unterscheiden. Peter Ambrosius hat jedenfalls seine ganz eigene Sicht: „Die Technik ist immer noch solide und die Klangqualität vieler Lautsprecher ist enorm. Inzwischen gibt es ja auch neuwertige Röhrengeräte, weil da guter Klang entsteht“.

Nach dem Ende der DDR haben sich viele schnell von ihren alten Schätzchen getrennt. „Ich habe auch einige geschenkt bekommen,“ erinnert sich Peter Ambrosius. Jetzt haben viele den Erinnerungswert erkannt. „Kürzlich kam eine Dame mit einem über 40 Jahre alten Transistor-Radio und berichtete mir, dass sie das als Hochzeitsgeschenk bekommen hat. Ich musste dann auf mein Reservoir an speziellen Transistoren zurückgreifen, aber die Frau sah richtig glücklich aus, als sie den ersten Ton hörte.“

Und so will Peter Ambrosius auch in Zukunft noch viele Erinnerungen retten, denn so meint er: „Es lohnt sich Menschen froh zu machen.“

Den „Radio-Seelsorger“ und Bastelfreak mit viel Herz finden Interessierte in der Weimarer Ossietzkystrasse 12.  Tel.  03643/252349

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