W WIE WEG - THÜRINGEN ZU FUSS
So weit die Pfoten tragen - Hundliche Stadttour durch Weimar

Stärkung am Goethebrunnen: Nicht nur die Holländische Schäferhündin ­„Pacuma“ (10) ist begeistert von den ­Hundetränken in Weimar.
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  • Stärkung am Goethebrunnen: Nicht nur die Holländische Schäferhündin ­„Pacuma“ (10) ist begeistert von den ­Hundetränken in Weimar.
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Thüringen zu Fuß - W WIE WEG: AA-Redakteure touren durch Thüringen und stöbern die schönsten Wandertouren im Grünen Herzen Deutschlands auf. Die zweiten 30 wanderbaren Geheimtipps sind jetzt im kompakten Taschenbuchformat erschienen. Hier die aktuelle Route: Hundlicher Stadtrundgang durch Weimar.

WEG-Name: Die Route erinnert  an den berühmtesten Hund der Stadt – den Weimaraner. Sie offenbart aber auch Historisches über großherzogliche und bürgerliche Hunde­narren. Sie führt zu Orten von legendären Vierbeinern der Stadt Weimar.

WEG-Start: Los geht die hundliche Tour auf dem Markt. Im Rathaus zeigt ein Gemälde von Professor Hans W. Schmidt (1859 - 1950) den Einzug von Herzog Johann Friedrich I. in Weimar 1552 mit zwei Doggen.

WEG-Bereiter: Der Stadtsekretär Friedrich Franke (1872 - 1956) hatte im Rathaus den Airedale-Terrier "Tell von Hohenthal" um sich. 1912 einer der ersten ausgebildeten Schutzhunde. Franke - der auch als Stadtpolizist galt - begründete auch den Hundetrainingsplatz mit.

WEG-Spezifikum: Auf dem Frauenplan, vor Goethes Wohnhaus, befindet sich eine von zahlreichen Hunde­tränken an städtischen Brunnen. Dafür sorgte ab 1864 Apotheker Theodor Lüdde.

WEG und Hatz: Hinter den Jägerhäusern in der Marien­straße befanden sich Zwinger mit bis zu 300 Jagdhunden der großherzoglichen Familie.

WEG-Kuriosum: Es geht auch zum Denkmal von ­Teckel „Kurwenal“ (Marien­straße 18) – dem weltberühmten Rechner, Denker und Redner. (1)  Jetzt geht es an der Mensa und der Parkhöhle vorbei in den Park an der Ilm.

WEG-Ruhe: Nahe des Tempelherrenhauses im Ilmpark soll der großherzog­liche Hundefriedhof gewesen sein. Hier stand auch einst der Grabstein „Remember Leo“ aus dem Jahr 1799. (2)

WEG-Kunst: Im Römischen Haus - des Herzogs Gartenhaus - hängt ein Gemälde, welches den Großherzog Carl August mit einem Schutzhund zeigt.

WEG-Gezwitscher:Goethe soll ja von Kind auf kein Hundefreund gewesen sein. Es gibt aber Belege für eine Hundehütte vor seinem Gartenhaus. War der Dichterfürst einsam oder schutzbedürftig?

WEG-Steigung: Falls Wissbegiere das Areal des ersten Weimarer Tierheims von 1969 am Dichterweg erkunden wollen, folgt nach dem Goethegartenhaus ein kurzer Anstieg zur Villa Haar. 

WEG-Abstecher: Im Garten der Altenburg (Jenaer Straße) findet amn den Grabstein von "Bellott"  (1813 - 1822). Sie rettete angeblich ihren Herrn von Seebach. Sie soll dazwischen gegangen sein, als ein französischer Offizier auf ihn schießen wollte.

WEG-Spuren: Ein Abstecher in die Friedrich-Nietzsche-Straße führt zum verbliebenen Areal des Schießhauses. Hier befand sich ab den 1980er-Jahren die Hundestaffel des VPKA Weimar. Vor dem Munitionsbunker stand eine Zwingeranlage für zehn bis zwölf Polizeihunde. Die Volkspolizei nutzte das Gebäude bis 1990.

WEG-Notiz: Unterhalb der Altenburg findet man den Schutzhundeplatz, heute Hundesport Weimar e.V..

WEG-Länge: Für die rund fünf Kilometer lange Tour sollte der Stadtwanderer zwei Stunden einplanen.

WEG-Markierung: Der Stadtkurs ist nicht ausgeschildert. Eine Führung ist empfehlenswert.

WEG-Beschaffenheit: Man wandert vorwiegend auf Stadtpflaster und befestigten Parkwegen.

WEG-Pause: Ideale Entspannung für Mensch und Tier bietet der Park an der Ilm.

WEG-Fortsetzung: Spannend ist auch die Geschichte der Hunde von Buchenwald. Angeblich gab es im KZ 150 Wach- und Schutzhunde. Das waren vornehmlich Schäferhunde, aber auch Boxer, Dobermänner und Mischlinge.

WEG-Buchung: Hunde­schule „Passion“, Telefon: 0 36 43 - 41 04 47, von 18 bis 20 Uhr.

ZUR SACHE

(1) Der Kurzhaardackel "Kuno von Schwertberg", genannt Kurvenal, lebte im Hause der Malerin, Schriftstellerin und Tierpädagogin Mathilde Freiin von Freytag-Loringhoven (1860 - 1941) in der Marienstraße 18. Der Dachshund konnte nach Überlieferungen die Buchstaben des Alphabets mit einer entsprechenden Anzahl von Kläfflauten markieren und so Shakespeare zitieren sowie sich über Goethe und Schiller auslassen. Die Freiin besaß auch die rechnende sibirische Klippenspitzhündin "Isolde" (gest. 1929).
 
(2) Großherzog Carl August hat durch Hofbildhauer Gottfried Martin Klauer den Gedenkstein aufstellen lassen: »Remember Leo«. Der Stein wurde immer wieder umgeworfen, bis Carl August jemanden auf eigene Kosten zur Wache abstellte. Daran sieht man, wie Carl August an Hunden hing oder an deren Besitzerinnen. Diese waren die Charles-Gore-Töchter Emily und Elisa. Der Engländer Gore (1729 - 1807) zählte zu den Abendgesellschaften von Herzogin Anna Amalia. Der Hundegrabstein soll heute im Schloss Belvedere eingelagert sein.

Übrigens:
Neben Kurwenal gab es noch "Lumpi", den in Klopfzahlen sprechenden Foxterrier von Fräulein Gerda Hensoldt, den rechnenden Pinscher "Schnauz" der Frau von Herrmann und den Polizeihund "Asra von der Hünenburg". Die Dogge von Fräulein Margarethe Schmidt-Leutenberg bellte und klopfte die Zahl, das Alphabet. General Heinz von Hoff besuchte die vier Weimarer Hunde 1933 und schilderte seine Erlebnisse. Ob es sich bei Letzterer eventuell um  die "Hunde-Grete" handelt lässt er offen. Es könnte also diese Margarethe Schmidt sein, die in der Villa Viola in Leutenberg ab 1930 die Hundeschula "Asra" betrieb. Laut damaligen Prospekt konnten die Hunde sprechen, rechnen, kannten die Uhrzeit und verbesserten Schreibfehler. Auf einem Foto in der Deutschen Schlachthofzeitung ist die Hundetrainerin 1943 mit sechs deutschen Doggen abgebildet.

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BUCHTIPP
„W wie Weg – Thüringen zu Fuß“, Teil 1 + 2 (je 8,95 Euro). Online kaufen: www.klartext-verlag.de oder im Buchhandel; per Mail: info@klartext-verlag.de.

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