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Weimarer Agentur-Chefin: Kinder wollen nicht nur bespaßt werden.

Wo: Eventagentur „hinter den coulissen“, Rießnerstraße 16, 99427 Weimar auf Karte anzeigen
Beatrice Witzel gründete vor zehn Jahren die Weimarer Eventagentur "hinter den coulissen".
Beatrice Witzel gründete vor zehn Jahren die Weimarer Eventagentur "hinter den coulissen".
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Kinder werden schneller erwachsen, kennen sich früh mit Smartphone & Co. aus, haben insgesamt viel mehr Möglichkeiten. Eventagentur-Chefin Beatrice Witzel weiß, wie man trotzdem immer noch ihre Aufmerksamkeit erreicht.

Babyschwimmen, Kinderyoga, Sprachkurs und Musikgarten - Kinder werden heutzutage mit Angeboten regelrecht überschüttet. Wird es da nicht immer schwieriger, die Aufmerksamkeit der Kleinen zu erlangen? Beatrice Witzel gründete vor zehn Jahren die Weimarer Eventagentur „hinter den coulissen“. Sie und ihr Team betreuen rund 40 Künstler - von Clowns und Artisten über Gaukler und Zauberer bis hin zu Schauspielern und Liedermachern. Im Interview spricht sie darüber, wie sich die Branche geändert hat.

Sie haben die Wünsche der Kinder seit einem Jahrzehnt gut im Blick. Sind die Ansprüche der Kleinen gewachsen?
Wir müssen uns wandeln. Wenn wir arbeiten wie vor zehn Jahren, wird das nicht funktionieren. Der Trend geht dahin, nur noch interaktive Programme anzubieten. Kinder wollen nämlich nicht eine dreiviertel Stunde lang ruhig auf einem Stuhl sitzen. Sie wollen sich bewegen und mitmachen. So sind alle Programme ausgelegt. Einige Künstler der alten Garde merken, dass sie da umdenken müssen.

Aber gibt es denn Klassiker, die immer funktionieren?
Jede Veranstaltung ist individuell. Manchmal reagiert das Publikum auf das gleiche Programm völlig anders. Gut kommt allerdings immer an, wenn die Kinder etwas mitnehmen können - und wenn es nur ein abwaschbares Tattoo von der Piratenparty ist.

Es gibt ständig wechselnde Moden: Prinzessin Lillifee, Bob der Baumeister, Feuerwehrmann Sam, Pokémon... Wo können Sie sich da positionieren?
Wir bekommen die Trends mit: durch die Werbung, weil wir selber Kinder haben, aber auch durch die Leiterinnen der Einrichtungen, die beispielsweise ein Eisköniginnen-Fest bei uns anfragen. Dann überlegen wir, welcher Künstler passen könnte und fragen einen Liedermacher oder Zauberer: Kannst du in die Richtung etwas machen?
Wir gehen mit offenen Augen durchs Leben und wenn wir etwas Gutes sehen, dann sprechen wir das bei den Künstlern an. Zum Beispiel, dass ein Programm zum Lutherjahr einschlagen würde. Und so war es ja auch.

Den Kindern Martin Luther zu vermitteln, klingt nicht so leicht.
Das ist nicht so ein Haudegenprogramm mit Tanzen und Polonäse. Das muss Sinn und Verstand haben. Es vermittelt viel über Luther, seine Stationen in Mitteldeutschland, auch die Legende mit dem Tintenfass auf der Wartburg. Unser Künstler hat Luthers Kirchenlieder mit neuen Texten hinterlegt und modern vertont. Die Touristen werden überflutet mit Luther, Luther, Luther. Aber für die Kinder direkt gibt es kaum etwas. Souvenirs und viel Schnickschnack, aber nichts hat mit Bildung zu tun. Das ist unser Motto: Leben spielend lernen. Wir sind keine Agentur, die nur die Kinder bespaßt.

Sie möchten die Kinder spielerisch auf das Leben vorbereiten. Wie klappt das?
Ein Beispiel ist unser Ampelmännchen Bogart, ein interaktives musikalisches Programm zur Verkehrserziehung im Kindergarten. Ludger Nowak ist Schauspieler und Regisseur, hat Musicals und Opern geschrieben. Vor allem aber kann er gut mit Kindern. Es gibt Künstler, die verstehen ihr Handwerk, sind aber nicht für den Auftritt vor jungem Publikum geeignet.

Sie bieten auch Angebote für Kinder mit Migrationshintergrund an.
Die Reise um die Welt ist ein Liederprogramm von Michael Günther. Es geht um Freundschaft und um Annäherung trotz der Unterschiede. Oder in unserem ABC-Programm zur Sprachförderung und Integration hat der Künstler zu jedem Buchstaben einen Vers gereimt. Er spricht mit den Kindern darüber, warum manche ein Kopftuch tragen oder kein Schweinefleisch essen.

Der Thüringer Liedermacher Maik Göpel, der auch mit Ihnen zusammenarbeitet, stellte kürzlich fest: Kinder werden schneller erwachsen. Können Sie das bestätigen?
Ja, weil sie auch schon früh mit Technik umgehen. Beim Auftritt haben die Kinder aber kein Handy oder Tablet zur Hand. Da sind sie voll fokussiert. Man kann mit einem guten Programm die Kinder immer noch fangen.

Die Zielgruppe wird immer jünger. Vielleicht sogar zu jung. Wo ziehen Sie die Altersgrenze? Sind Konzerte für Kinder unter drei Jahren geeignet?

Die Einrichtungen wollen die Kleineren nicht ausgrenzen und fragen uns, ob wir ein Programm ab einem Jahr haben. Ein Kind mit einem Jahr kann nicht laufen, nicht sprechen und kann auch ein Programm geistig gar nicht aufnehmen. Selbst vor einem Clown haben Kleinere Angst. Programme für Kinder unter drei Jahren haben wir also nicht im Angebot. Wenn sie den Inhalt nicht verstehen, hören sie auch nicht mehr zu. Das kann dann nach hinten losgehen.

Jede Generation sagt über die nächste, dass sie schlechter erzogen wäre. Was haben Sie bemerkt?
Unsere Eltern haben auch schon gesagt, wir seien frech und unerzogen. Die Kinder sind heute auch nicht unerzogener. Gerade auf den Dörfern sind sie lieb und aufmerksam.

Kontakt:
www.hinterdencoulissen.de

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