GEDENKFEIER: Erinnerung an die Opfer des antijüdischen Pogroms vor 80 Jahren
All dies geschah vor aller Augen

Im Licht der Scheinwerfer des Torgebäudes findet im KZ Buchenwald der Abendappell der nach dem Novemberpogrom eingelieferten Juden statt, Mitte November 1938.
  • Im Licht der Scheinwerfer des Torgebäudes findet im KZ Buchenwald der Abendappell der nach dem Novemberpogrom eingelieferten Juden statt, Mitte November 1938.
  • Foto: Sammlung Gedenkstätte Buchenwald
  • hochgeladen von Thomas Gräser

In der von der NSDAP organisierten Pogromnacht vom 9. zum 10.November 1938 wurden in Deutschland über 1400 Synagogen und Betstuben sowie tausende jüdische Geschäfte, Wohnungen und Friedhöfe zerstört. Sie markiert den endgültigen Übergang von der 1933 begonnenen staatlichen Diskriminierung der deutschen Juden zur systematischen Verfolgung, die drei Jahre später in der Shoa (Untergang oder Zerstörung) münden sollte.

Das Jahr 1938 hatte in Deutschland schon vor der Pogromnacht einen Sommer der Gewalt gesehen: Die Synagoge von München war bereits im Juni gesprengt, die Synagoge von Nürnberg im August abgebrochen worden. Nationalsozialisten demolierten in einem Dutzend weiterer Städte Synagogen. Seit August mussten alle jüdischen Männer den Vornamen „Israel“, alle jüdischen Frauen den Namen „Sarah“ tragen. Zugleich wurden jüdische Geschäftsinhaber erpresst, um den Arisierungen ihrer Unternehmen gegen geringe Geldsummen zuzustimmen. All dies geschah vor aller Augen: Niemand stellte sich den Nationalsozialisten in den Weg. Zugleich war den deutschen Juden die Flucht verstellt: Die internationale Konferenz von Evian, in der im Juli 1938 über Maßnahmen zur Rettung jüdischer Flüchtlinge beraten werden sollte, war weitgehend ergebnislos verlaufen, da sich fast alle Teilnehmerstaaten weigerten, aus Deutschland auswandernde Juden aufzunehmen.

Am 11. November wurden die Brandschatzungen und Plünderungen eingestellt und die SS übernahm die Regie: 26 000 jüdische Männer wurden gefangengenommen, möglichst wohlhabend, und nach Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen verschleppt. Auf einem Areal westlich des Appellplatzes des Konzentrationslagers Buchenwald pferchte die SS 9845 Verhaftete in einem Sonderlager zusammen. Staatliche Behörden und die SS erpressten dort von ihnen die Aufgabe ihres Besitzes und die Verpflichtung, Deutschland zu verlassen. In den hundert Tagen der Existenz dieses jüdischen Sonderlagers auf dem Ettersberg wurden 250 Menschen um ihr Leben gebracht.

In Erinnerung an die 9845 nach Buchenwald verschleppten jüdischen Männer findet 80 Jahre später am historischen Ort des jüdischen Sonderlagers des KZ Buchenwald eine Gedenkfeier am 9. November, 14.30 Uhr statt.

Vor der Gedenkfeier besteht die Möglichkeit, an einer Führung zu den Stätten jüdischer Geschichte in Buchenwald teilzunehmen. Treffpunkt: 12 Uhr 30 an der Besucherinformation.

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