Der Apoldaer Andreas Berger und Maja sind ein eingespieltes Team in der Rettungshundestaffel Jena

Golden-Retriever-Hündin Maja trainiert seit acht Jahren in der Rettungshundestaffel der Johanniter.
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"Der Hund geht vor", sagt Andreas Berger aus Apolda. Er sorgt dafür, dass sein Tier ausreichend Auslauf und Beschäftigung hat. Deshalb ist er in die Rettungshundestaffel der Johanniter in Jena eingetreten und opfert für seinen Golden Retriever und fremde Menschen in Gefahr viel Freizeit.

Maja ist schuld. „Sie war als Welpe viel lebhafter als erwartet“, vergleicht Andreas Berger seine Golden-Retriever-Hündin mit anderen Tieren gleicher Rasse, die in seiner Familie schon zu Hause waren. Maja musste deshalb zur Welpenstunde. Dass sich daraus ein sehr zeitintensives Hobby entwickelt, hat Andreas Berger vor fast neun Jahren nicht geahnt.

In der Welpenstunde lernte er die Rettungshundestaffel der Johanniter kennen und wurde fortan ihr Mitglied. Seitdem trainiert der gelernte Landmaschinenschlosser gemeinsam mit Maja.

Mensch + Hund = ein Team

„Wir bilden nicht Hund oder Mensch aus, sondern ein Team“, erklärt der 53-Jährige die Arbeitsweise in der Staffel. Ständiges gemeinsames Arbeiten ist notwendig, damit Tier und Herrchen optimal im Einsatz miteinander harmonieren, wenn vermisste Personen zu suchen sind.

„Für die Rettungshundestaffel ist eigentlich jeder Hund geeignet, soweit er körperlich fit ist.“ Andreas Berger

Zwei bis drei Mal die Woche trifft sich die Staffel. Oft sind damit lange Anfahrtswege verbunden. Denn in Jena gibt es wenig geeignete Fläche, auf denen sich die Hunde frei bewegen dürfen.

Flächenhunde wittern im Gelände

Trainiert wird vor allem im Wald. Denn die Tiere gelten als so genannte Flächenhunde, die Gelände nach Menschengeruch durchsuchen. Ihnen gegenüber stehen Fährtenhunde, die in der Stadt gezielt auf die menschliche Spur einer gesuchten Person angesetzt werden.

„Die Arbeit im Gelände ist für unsere Hund hart“, erklärt Berger. Ständig müssen sie Witterung aufnehmen. Temperatur, Thermik und Wind spielen ihm dabei oftmals entgegen. Hinterher sind sie richtig fertig. „10 Minuten Nasenarbeit ist genauso anstrengend, als würden die Hunde drei Stunden neben dem Fahrrad ihres Herrchens mitlaufen“, veranschaulicht Berger.

Freunde und Bekannte müssen Vermisste spielen

Im Training ist Einfallsreichtum gefragt. „Hunde sind nicht dumm“, so Berger. „Wenn zehn Leute in der Staffel unterwegs sind, merken die gleich, wer fehlt und wen sie suchen müssen.“ Deshalb werden oft auch Freunde und Bekannte mitgenommen, die es dann aufzufinden gilt. Zudem werden den Tieren bestimmte Gerüche vermittelt. Sie müssen beispielsweise erst lernen, wie Diabetiker oder Schwangere riechen. Sie erkennen sie erst einmal nicht.

Das Training ist nie zu Ende

Etwa drei Jahre dauert die Ausbildung eines Rettungshundes. Erst dann dürfen sich Tier und Mensch einer Prüfung stellen. Doch auch danach ist Stillstand keine Option. „Das Training ist nie zu Ende“, so Berger. Immer wieder gilt es, sich als Team auf neue Situationen einzustellen. Schließlich ist das Training nur das Vorspiel zum Ernstfall. Bis zu 20 Mal im Jahr ist die Hundestaffel im Einsatz, vor allem nachts und am Wochenende. Hinzu kommen Bereitschaftsdienste, wenn befürchtet wird, dass die Arbeit der Hundestaffel bald gebraucht wird.

Hunde und Hundestaffel haben im Familienleben oberste Priorität

Das alles beeinflusst das Familienleben. Doch Hunde und Hundestaffel haben bei Berger Priorität. Er genießt sein Hobby. „Wir sind eine tolle Truppe“, meint er. Zumal er bei seiner Frau auf Verständnis stößt. Auch sie ist Mitglied in der Hundestaffel, bildet mit Golden-Retriever-Hündin Sidney ein Team. Beiden ist bewusst: „Man muss schon eine Hundemacke haben, um solche Strapazen auf sich zu nehmen.“ Doch sie tun es gern. Ihre Hunde haben genug Abwechslung und Auslauf. Sie selbst können helfen, wenn Menschen in Not sind.

Zur Sache

+ Die Rettungshundestaffel Jena ist ein Bestandteil des Katastrophenschutzes der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. Regionalverband Ostthüringen.
+ Derzeit gehören zwölf Hunde zur Staffel.
+ Die Schulung für die Hundeführer ist sehr umfangreich. Neben 1. Hilfe müssen sie Kenntnisse in 1. Hilfe, 1. Hilfe am Hund, Kynologie und Krisenmanagement nachweisen. Auch Funken gehört zur Ausbildung, ebenso der Umgang mit Karte und Kompass.
+ Alle 18 Monate müssen die Teams zur Prüfung antreten.
+ Interessierte sind jederzeit willkommen, da die Fluktuation aufgrund der vielfältigen Anforderungen sehr hoch ist. Von zehn Neueinsteigern verbleiben in der Regel zwei Teams in der Staffel.
+ Der Lohn für Hundestaffelmitglieder ist vor allem ideeller Natur. Gezahlt wird nur eine Kilometerpauschale für anfallende Fahrten.
+ Kontakt: www.rettungshundestaffel-jena.jimdo.com, www.johanniter.de, Tel. 0365/5516011

Autor:

Simone Schulter aus Weimar

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