Fotothek in Weimar sammelt vergessenen Bilder

Anke Heelemann sortiert die Bilder nach Fundorten ...
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Damenpumps mit Keilsohle, EVP 46 Mark: So steht es auf einem vergilbten Pappkarton, der ganz oben in meinem Bücherregal steht. Vermutlich hat meine Mutter die Schuhe gekauft. Längst sind sie entsorgt. Der Karton aber ist zu meiner Schatzkiste mit Wundertüteneffekt geworden: Opa Walter stoßt mit Onkel Hartmut an – wohl eines der ersten farbigen Familienfotos. Meine Schwester, noch im Kindergartenalter, wippt mit unserem Vater. Oma Lotte sitzt vergnügt auf einem Sofa. Sie hat Besuch, und es gab vermutlich ein Gläschen selbstgemachten Johannisbeerlikör.

Zu fast jedem Foto gibt es Geschichten zu erzählen. Doch wer ist das Pärchen auf der Bank, wer die ältere Dame? Manche Bilder haben sich in die Kiste verirrt – ganz ohne persönlichen Bezug. Dass sie trotzdem nicht in den Papierkorb gehören, beweist Anke Heelemann. Sie betreibt in Weimar die Fotothek, das Fachgeschäft für vergessene Privatfotografien.

Als studentisches Projekt fing alles an. Damals sammelte Heelemann Fotos, die keiner mehr haben wollte, archivierte sie und gestaltete mit ihnen ihre Abschlussarbeit an der Bauhaus-Uni. „Ich habe mir die Fotos bei Internetauktionen und auf Flohmärken zusammengesucht, aber auch auf dem Sperrmüll“, erzählt sie. Inzwischen sind acht Jahre vergangen. Die Fotothek existiert immer noch. Längst ist sie nicht mehr nur Archiv, sondern Arbeitsgrundlage. Heelemann entwickelt aus ihrem Fundus immer wieder neue Ideen. Auch andere Medienschaffende haben die Fotothek als Fundgrube entdeckt. Regisseure und Studenten fragen nach geeigneten Motiven. „So werden die Bilder wieder nutzbar“, erklärt Anke Heelemann.

„Die alten Privatfotografien können durch ihre Anonymität neu gelesen werden“, erläutert die Medienkünstlerin den Reiz ihres Archives. Mit ihnen kann man in fremde Welten abtauchen und dabei neue Geschichten erfinden. Wie vielen Bildern die Fotothek eine neue Heimat gab, weiß sie nicht. „Ich habe irgendwann aufgegeben zu zählen. Bei den Alben sind es aber um die 300.“

Die Fotos stammen aus unterschiedlichen Zeiten. Die ältesten sind wohl um 1880 entstanden. Einen rasanten Anstieg gibt es ab den 1950er Jahren, als die Kamera zum üblichen Gebrauchsgegenstand wurde. Doch nicht nur der Fotoapparat wurde zum Allgemeingut, wohl auch die Motive. Anke Heelemann hat sie entsprechend archiviert und in Karteikästen geordnet. „Zuckertüte“ steht drauf oder „Umarmt“. Es gibt auch den „Problemfinger“, der das Motiv teilweise verdeckt. In „Verschreckt“ wurde man vom Fotografen überrascht. Eines von Heelmanns Lieblingsmotive sind die eingeschlagenen Kissen.

Zur Sache

Mehr Infos unter: www.vergessene-fotos.de.
Besichtigungen nach Terminvereinbarung unter 
info@vergessene-fotos.de.

Autor:

Simone Schulter aus Weimar

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