Nicht einsam - gemeinsam: Wie Jung und Alt in Thüringen wieder zusammenwachsen

Ute Baumann und Roland Bartels auf dem Lindenhof in Bergern, den sie für ihr gemeinschaftliches Wohnprojekt ausgesucht haben.
  • Ute Baumann und Roland Bartels auf dem Lindenhof in Bergern, den sie für ihr gemeinschaftliches Wohnprojekt ausgesucht haben.
  • Foto: Agentur Wohnprojektor
  • hochgeladen von Jana Scheiding

Im Alter einsam zu sein, ist vielen Menschen ein Gräuel. Im Lindenhof Bergern finden sich jetzt Familien, die in Zukunft zusammenleben wollen.

Familie kann man sich nicht aussuchen? Ulrike Baumann ist da ganz anderer Auffassung. „Und ob man das kann!“ Zurzeit steckt die Wahlweimarerin mitten in einer Familienplanung der anderen Art. „Wenn ich älter bin, will ich nicht allein sein. Ich finde das furchtbar“, sagt sie erschaudernd. Noch steht sie mitten im Arbeits­leben, doch der Lebensabend kommt bestimmt. Bei ihren Recherchen, Vereinsamung im Alter vorzubeugen, stieß Baumann auf einen Trend: gemeinschaftliches Wohnen. Diese Lebensform können die Protagonisten auf verschiedene Weise gestalten. „Eine meiner Freundinnen möchte eine Gruftie-WG gründen“, erzählt Ulrike Baumann. Das bedeutet: Alle Mitglieder sind ungefähr gleich alt. So etwas schwebt der Angestellten nicht vor, sie wünscht es traditioneller: Junge und ältere Menschen unter einem Dach, wobei es im Vergleich zu früher und zur klassischen Kommune Unterschiede gibt. „Jede Familie hat ihren ­ abgeschlossenen Wohnraum“, erklärt die gebürtige Leipzigerin. „Wer sich zurückziehen möchte, kann das ebenso tun, wie sich in Gesellschaft zu begeben.“

Gemeinschaftliches Wohnen - ein neues Lebensmodell

Mit ihrem Partner hat sie das geklärt. Beide wollen den Austausch zwischen den Generationen. „Der Gemeinschaftsgedanke ist mir schon lange vertraut“, erzählt Baumann. „Seit meine Töchter vor zehn Jahren ausgezogen sind, habe ich Sehnsucht nach einem größeren Esstisch. Nun sehe ich diese lebendige Gemeinschaft mit viel Nähe zur Natur, aus der Positives für alle ­erwächst. Ein neues Lebensmodell, auf das ich mich freue.“

Das Konzept für die Wohngemeinschaft steht. Vier Familien befinden sich in der Schnupperphase – testen, ob alle zusammenpassen. Denn reibungslos wird das Zusammenleben nicht immer verlaufen, dessen sind sich die Beteiligten sicher. „Wenn es zu Konflikten kommt, muss die Basis stimmen, nur dann können wir alles bereinigen. Dieser Prozess ist wichtig, bevor sich alle füreinander entscheiden.“

Romantisch wohnen auf dem ehemaligen Rittergut

Das gemeinsame Grundstück ist bereits gefunden: ein romantisches ehemaliges Rittergut in Bergern nahe Weimar. Es liegt im alten Ortskern, am Hexenberg, wo es in Walpurgisnächten hoch her geht. „Von dort hat man einen grandiosen Blick ins Ilmtal“, schwärmt Baumann, der es nichts ausmacht, abgelegen zu wohnen. „Die Infrastruktur ist gut – wir sind rasch in Weimar, Jena und Erfurt.“

Acht bis zehn neue Wohnungen sollen auf dem 2875 Quadratmeter großen Grundstück des ehemaligen Wirtschaftshofs in der Ferdinand-Staatz-Straße entstehen – direkt hinter der Kirche. Projektiert und ausgebaut werden sie von der Weimarer Agentur „Wohnprojektor“ – es ist deren fünftes Projekt dieser Art in Thüringen.

Wir müssen investieren, aber die Genossenschaft gibt Sicherheit

Um das Lebensmodell zu finanzieren, gründen die Mieter eine Genossenschaft. „Wir zahlen Anteile und bedienen damit den Kredit, den die Genossenschaft für Bau und Unterhaltung der Wohnungen aufnehmen muss“, erklärt Ulrike Baumann. „Zwar müssen wir jetzt investieren, doch die Genossenschaft gibt Sicherheit, das ist für mich eine schöne Vorstellung.“

Nebenbei bleibt viel Raum für Visionen. „Jede Familie darf ihre Wohnung individuell ausbauen. Ein Nebengebäude wollen wir gemeinsam nutzen, vielleicht als Turnraum, Spielzimmer oder Werkstatt“, sprudelt Baumann voller Vorfreude auf laue Abende bei Wein und Kerzenschein im begrünten Hof. Gleich neben Möhren und Sellerie, denn eine Gemeinsamkeit haben die Familien bereits jetzt: „Wir träumen vom Garten mit Gemüseanbau und sehen den Lindenhof Bergern für uns als große Chance.“

Zur Sache:
Ähnliche Projekte existieren bereits in Erfurt, Weimar und Jena. Seit etwa zehn Jahren gibt es diesen Trend in Thüringen.
Für die Gemeinschaft auf dem ehemaligen Rittergut Bergern werden noch Familien gesucht. Nächster Besichtigungstermin: 1. Juni, ab 17 Uhr.
www.lindenhof-bergern.de

Autor:

Jana Scheiding aus Arnstadt

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