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Nach fast 27 Jahren konnte der Mörder der Weimarer Schülerin gefasst werden
Polizistin entdeckt heiße Spur - Gerechtigkeit für Stephanie

Stephanie Drews wurde im August 1991 ermordet. Nun endlich konnte ein dringend Tatverdächtiger gefasst werden.
Stephanie Drews wurde im August 1991 ermordet. Nun endlich konnte ein dringend Tatverdächtiger gefasst werden. (Foto: Quelle: Thüringer Polizei)
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Eine schreckliche Tat, die sich im Sommer 1991 ereignet hat, konnte nur aufgeklärt werden. Der mutmaßliche Mörder eines Mädchens aus Weimar ist gefasst.

Am Ende hat der Spürsinn von Claudia Becker zum entscheidenden Hinweis geführt. So konnte nach fast 27 Jahren der Mord an der zehnjährigen Stephanie Drews aus Weimar aufgeklärt werden.

Das Mädchen war am 24. August 1991 aus dem Ilmpark ihrer Heimatstadt verschwunden. Zwei Tage später haben spielende Kinder Stephanies Leiche unterhalb der Teufelstalbrücke entdeckt. Diese führt über die A 4 kurz vor dem Hermsdorfer Kreuz. Der Täter hat sie noch lebend über die Brüstung geworfen. Zuvor war die Grundschülerin sexuell missbraucht worden.

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Claudia Becker, Kriminalhauptkommissarin aus Saalfeld, gehört zur Sonderkommission Altfälle. Die Soko wurde im Oktober 2016 gegründet, um drei Tötungsverbrechen an Kindern in Jena und Weimar in den 1990er-Jahren doch noch aufzuklären. In diesem Zusammenhang wurden die Akten aller Fälle nicht nur digitalisiert. Dabei setzte man erstmals in Thüringen auch ein so genanntes Fallbearbeitungssystem ein. Alle Spuren und Tatverdächtige sind zudem durch die Ermittler parallel analysiert worden.

Bei Aktenstudium im Fall Bernd Beckmann weckte Hans-Joachim G. die besondere Aufmerksamkeit von Claudia Becker. Der Mann war damals ins Visier der Ermittler geraten, weil er wegen verschiedener Sexualdelikte im Raum Jena auffällig geworden war. 1994 verurteilte ihn das Landgericht Gera sogar zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe. Im Fall Beckmann schied er als Täter aus. Er hatte ein Alibi für die Tatzeit. Claudia Becker bemerkte aber, dass der Verdächtige in den ihm bewiesenen Fällen ähnlich vorging wie es im Fall Stephanie rekonstruiert wurde.

Doch nicht nur der Weimarer geriet in den Fokus, Stephanie ermordet zu haben. Neben dieser Spur wurden weitere 141 Personendaten computertechnisch nach bestimmten Parametern ausgewertet. Die größte Trefferquote wies G. auf, der mittlerweile in Berlin wohnte und als LKW-Fahrer arbeitete. Weitere Ermittlungen und die Untersuchung von Spuren, auch genetischer Art, katapultierten den Mann auf Platz 1 der Verdächtigenliste. „Das war eine Puzzlearbeit, wie ich sie noch nie erlebt habe“, erklärt Thomas Quittenbaum, Polizeichef in Jena.

Hans-Joachim G. wurde im Februar und März zu Hause und während seiner Arbeit observiert – eineinhalb Wochen lang rund um die Uhr, bundesweit. Am Sonntag konnte er festgenommen werden.

„Wir haben zielgerichtet auf dieses Wochenende hingearbeitet“, so Soko-Leiter Andreas Gerstberger. Nicht nur durch die Observation. Eine Fachberaterin zur Mimik- und Verhaltensforschung schulte die Ermittler, wie man einen Verdächtigen nach so langer Zeit mit seiner Tat konfrontieren kann. Besprochen wurden auch mögliche Verhaltensmuster.

Klar war den Beamten, dass sich G. kaum außerhalb seiner Wohnung aufhält. Deshalb sollte er dort festgenommen werden. Unterstützt wurde die Thüringer Polizei dabei durch Berliner SEK-Kräfte.

Am Sonntag, gegen 8 Uhr wurde die Wohnungstür aufgesägt. Auch Irritationsmittel setzen die Beamten nach Angaben von Gerstberger ein. Das Überraschungsmoment sollte dafür sorgen, dass der Verdächtige keine Beweismittel vernichtet oder Daten auf seinem Computer löschen kann.

In der Wohnung kam es zu einem Handgemenge, dabei griff der Tatverdächtige Polizeibeamte mit einer Eisenstange an. Zugriff, Belehrung und erste Vernehmungen dauerten zweieinhalb Stunden, danach wurde G. in die Räume des Berliner LKA überführt. Zuvor und im LKA sprach der Verdächtige über den Fall. Mittlerweile sitzt er in der Thüringer JVA Goldlauter und äußert sich nicht mehr.

Obwohl der Tatverdächtig G. in Weimar geboren wurde und sich dort gut auskannte, gibt es keine persönlichen Beziehungen zu Stephanie. Das Mädchen war ein Zufallsopfer. Hilfsbereitschaft wurde ihr zum Verhängnis. Nun endlich kann ihr Tod gesühnt werden. Hoffentlich können bald auch die Mörder der beiden anderen Kinder ermittelt werden.

Zur Person des Tatverdächtigen
Der Verhaftete Hans-Joachim G. ist 65 Jahre alt und wurde in Weimar geboren. Noch vor der Wende zog er nach Berlin. Er ist wegen Sexualdelikten an Kinder vorbestraft, saß sechs Jahre im Gefängnis. Es ist bekannt, dass der Tatverdächtige verheiratet war, aber mittlerweile geschieden ist. Bis zu seiner Verhaftung arbeitete er bundesweit als LKW.

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