Tierisches Kriegstagebuch - vier Schildkröten reisen 1942 nach Kranichfeld
Meine „Krötis“ sind älter als ich

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Der Vater von Peter Nolze „erbeutet“ 1942 vier Griechische Landschildkröten. Nach 76 Jahren erfreuen sich mindestens zwei Tiere bester Gesundheit.

So manches ­Andenken wandert zu ­Kriegs­einsätzen in die Tor­nister der Soldaten – heute wie früher. Peter Nolze (72) aus Kranichfeld kann die „Kriegsbeute“ seines Vaters sogar rufen. Bei „Kröti“ gehen zwei Köpfe im dichten Grün im Freigehege nach oben. Wohl wissend, jetzt gibt es vegetarische Leckerli.

 Otto Nolze, Jahrgang 1903 (verst. 1997), hat wohl damals kein Inte­resse an Münzen und Kunst. Der tierliebe Obergefreite - der im Sommer 1939 einberufen wird - packt nahe der Ägäis im Zweiten Weltkrieg vier Griechische Landschildkröten ein. Nicht in sein Sturmgepäck, sondern in einen Karton, der auf der ­Ladefläche seines Militär­lasters steht. So kommen die Tiere 1942 an die Ilm.

 „Das muss man sich vor­stellen, über 2000 Kilometer quer durch Europa. Und bei jeder Rast werden die Tierchen zum Grasen angepflockt“, sagt Sohn Peter ­Nolze. Er und seine Frau Marga (63) pflegen heute ­die Schildkröten. Nach dem Artenschutzabkommen ist so ein tierischer Transport schon lange nicht mehr möglich.

   „Als ich auf die Welt ­komme, sind die ‚Krötis‘ bereits vier Jahre in der Familie. Sie werden liebevoll von meinen Geschwistern gehütet. Und meine Tante Hedwig kümmert sich damals rührend.“ Zieht Kälte auf, sammelt sie die Vier ein und holt sie ins Warme und Trockene. "Meine Mutter Martha (verst. 2003) sagt damals stets: Ich muss noch mal runter zu den 'Brummochsen'. Das ist aber von ihr liebevoll gemeint", so Peter Nolze heute.

   Das geschieht damals am Bahnhof, wo die Familie wohnt und das Gehege für die Schildkröten steht. 1956 ziehen dann alle gemeinsam ans andere Ortsende um, mit viel Grün, auch für die "Krötis".

   „Eigentlich will damals mein Vater auf dem Transport von Griechenland nach Weimar noch einen Esel mitnehmen, doch der Spieß äußert: Es reicht Nolze“, erfährt der langjährige Allein­unterhalter einst von seinem Vater. „Die „Krötis“ sind von Anfang an eine Attraktion in der ­Zweiburgenstadt und ­er­halten von Klein und Groß regen Besuch“, erinnert sich Peter Nolze.

   Seit 76 Jahren laben sich nun die Schildkröten an Grünem, Obst und Gemüse, haben einen artgerechten Auslauf mit lebens­wich­tigen Unterschlüpfen. „Sie sind älter als ich und mögen Löwenzahn und Rucola“, sagt Peter Nolze. „Sie lieben Abwechslung beim Futter und werden von uns verwöhnt." Und sie sind dermaßen agil, dass sie auch mal ausbüxen. „Das Suchen im Garten nimmt mich und meine Marga aus Sorge stets mit“, sagt Nolze.

   Leider verstirbt in den 1970er-Jahren ein Tier – das älteste. „Und das Abhandenkommen einer Schildkröte in den 1960er-­Jahren wurmt mich heute noch. Trotz wenig Verkehr wurde die Schildkröte während einer Ausbüxtour in einem vorbeikommenden Auto entführt – auf Nimmerwieder­sehen“, ist ­Peter Nolze noch traurig.

   Griechische Landschildkröten können über 100 Jahre alt werden. Vielleicht genügend Zeit, damit sich „das Enkelchen noch mit den ­Tieren anfreundet“, wirft Marga ­Nolze hoffend ein. ­Momentan hat der Zweieinhalb­jährige sehr viel Respekt vor den gepanzerten Familien­mitgliedern.

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