Debatte um Hartz IV
„Heart‘s Fear: Hartz IV – Geschichten von Armut und Ausgrenzung“

Das Bündnis SozialTransFair e. V. Weimar, die Initiative Bedingungsloses Grundeinkommen Weimar, die Rosa-Luxemburg-Stiftung, DIE LINKE Apolda/Weimar und Radio LOTTE ermöglichten eine eindrucksvolle Veranstaltung mit einem prominentem Gast in der Stadtbücherei Weimar.
Die Schauspielerin, Buchautorin und Synchronsprecherin Bettina Kenter- Götte beschrieb mit ergreifenden und klaren Worten die Unmenschlichkeit des bestehenden Hartz IV Systems, die sie selbst erlebt hat. Das Buch ist eine kritische Auseinandersetzung mit Hartz IV, nämlich eine ausgeklügelte staatliche-Disziplinierung der Beschäftigen, zur Spaltung der Gesellschaft, um Niedriglöhne durchzudrücken. Hartz IV hat Kinder- und Altersarmut zu verantworten und zunehmende Obdachlosigkeit und nicht zu übersehen, den Rechtsruck in der Gesellschaft.
Ihre Lesung im Gewerbekeller Stadtbücherei Weimar im November 2018 bereicherte sie mit kurzen Sketchen. Sie telefonierte mit dem Jobcenter in der Warteschleife oder spielte die Fallmanagerin bei der Schulung Betroffener, oder mimte ein Vorstellungsgespräch, um nur einige zu nennen. Das war mit einer Perfektion gespielt, Kleinkunst mit höchstem künstlerischem Niveau.
Wir müssen uns auch auseinandersetzen mit der weit verbreiteten Meinung von vielen Bürger*innen: Wer arbeiten will, der findet Arbeit, aber sie stellen sich nicht die Frage, ob man davon auch leben kann?
Im Februar 2018 bekamen laut Bundesagentur für Arbeit 5,95 Millionen Menschen Hartz IV und von ihnen waren 4,26 Millionen erwerbstätig. Das heißt zirka zwei Drittel bekamen Hartz IV, ohne arbeitslos zu sein, weil sie einem Minijob haben, eine Maßnahme zur Rückkehr auf den Arbeitsmarkt absolvierten, Schule oder Hochschule besuchten oder weil sie wegen Krankheit arbeitsunfähig waren. Unterm Strich bekommt demnach fast jeder zehnte Haushalt in Deutschland Hartz IV.
Jeder muss endlich begreifen, das Hartz IV nicht vor Armut schützt und keine angemessene Teilhabe an der Gesellschaft gewährleistet. Aber die Kampagnen gegen vermeintlich faule Arbeitslose haben ja Tradition. Dabei ergänzen sich Politik und Medien perfekt und leider schenken viele Bürger*innen ihnen Glauben.
Wie erging es Buch- Autorin Bettina Kenter- Götte?
Einen festen Job als Künstlerin/Schauspielerin zu bekommen ist wie ein sechser im Lotto, aber das Glück hat nicht Jeder. Deshalb musste sie ihr tägliches Brot als freie Künstlerin verdienen. Als ihre Tochter geboren wurde hatte sie niemanden der helfen konnte. Ihre Agentur ging Pleite und als sie schwer krank wurde, blieb ihr nur der Gang zum Jobcenter. Der Bundesverband Freie Darstellende Künste (BFDK) beschreibt die prekäre Lage von freien Künstlern wie folgt: „Die meisten Künstler*innen verfügen heute über einen Hochschulabschluss, sie sind hochqualifiziert. Sie haben spezifische künstlerische Fähigkeiten und Fertigkeiten erworben und damit die persönliche Grundlage für ein erfolgreiches Berufsleben gelegt. Trotz ihrer hohen Qualifikation verfügen sie aber oft nur über ein bescheidenes Einkommen und arbeiten unter risikoreichen Bedingungen. Die bestehenden Sozialsysteme sind auf selbständige Tätigkeit unzureichend eingestellt und für Betroffene mit einer Vielzahl systemischer Hürden und hohem bürokratischen Aufwand verbunden.“
Das Buch von Bettina Kenter- Götte reiht sich in die Debatte über Hartz IV ein, sie will Betroffenen ein Gesicht und eine Stimme geben, denn sie wehren sich viel zu wenig.
Die Veranstaltung reihte sich ein in die angestoßene breite Diskussion in Weimar, um ein emanzipatorisches, bedingungsloses Grundeinkommen.
https://www.facebook.com/BGE.Weimar/
Die Initiativgruppe BGE Weimar trifft sich jeden 1. Mittwoch im Monat im Projektraum der Kreativetage, Goethepaltz 9b Weimar.und freut sich auf weitere Mitstreiter.

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