„Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?

Diese „Gretchenfrage“ aus dem Drama von Goethes „Faust I“ ist gerade auch heute aktuell. Goethe stellt die zwei Gesellschaften seiner Zeit dar, die streng gläubige Margarete aus einfachen Verhältnissen, welche den Glauben an Gott in den Mittelpunkt stellt und den aufklärerischen Wissenschaftler Faust, der argumentiert, er könne genauso leben wie Margarete, auch ohne den Glauben an Gott.

Nun lese ich von Herr Bischof Wolfgang Ipolt aus Görlitz in seinem TLZ-Artikel vom 29. Juli: „Ohne Gott wird unsere Gesellschaft erbarmungslos“ . "Wir Christen haben einen Auftrag, die Welt zu durchdringen mit dem Geist des Evangeliums. Geht in alle Welt, sagt Jesus".

Aber warum verlieren dann die zwei größten Kirchen immer mehr Gläubiger?
Nach aktueller Kirchenstatistik hat die römisch-katholische Kirche in Deutschland im Jahr 2016, 23.581.549 Kirchenmitglieder (1990 über 28,5 Millionen). Die Evangelische Kirche in Deutschland, hatte 2016, 21.922.000 Millionen Kirchenmitglieder (1990 zirka 29,4 Millionen).
Wohlstand, Bildungsniveau und die soziale Absicherung sind für viele Menschen vorhanden, deshalb benötigen sie immer weniger die Kirche in ihrem Alltag und sparen sich noch dazu die Kirchensteuer. Die Kirche ist leider heute für die Menschen kein Vorbild mehr. In der DDR war das eine kritische Kirche. Heute ist das eine konservative staatstragende Kirche und gibt sich mit der römisch-katholischen Caritas und dem evangelischen Diakonischen Werk als sozial. Aber Stimmt das? Vom Staat bekommen die Kirchen jährlich rund 460 Millionen Euro von den Steuerzahlern dazu.

Herr Bischof Wolfgang Ipolt macht die DDR verantwortlich für den Rechtsruck in der Gesellschaft. Was tut aber seine Kirche gegen die sozialen Abstiegsängste der Menschen im heutigen kapitalistischen System, wo schnell Schuldige gesucht und einfache Antworten gefunden werden? Sollte seine Kirche nicht besser zurück zu ihren Wurzeln gehen? Sollte sie nicht mit der Zivilgesellschaft mehr Einfluss nehmen auf die Politik, damit sie zum Umlenken gezwungen wird, wie Jesus sagte:„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Mk 12,30-31.

Die Menschen in unserem Land werden die Demokratie nur weiter unterstützen, wenn sie ein würdiges und friedliches Leben ohne Fremdenhass führen können und dabei hat die Katholische und Evangelische Kirche eine große Verantwortung.

Autor:

Stanislav Sedlacik aus Weimar

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