Anzeige

Wo war Gott in Buchenwald?

Anzeige

Auf diese Frage suchten die Teilnehmer erneut Antworten, anlässlich einer Gesprächsrunde in der Jakobskirche, zum Reformationsjubiläum in Weimar. Im Jahr 1937 wurde auf dem Ettersberg bei Weimar das Konzentrationslager Buchenwald errichtet, in dem etwa 56.000 Menschen ermordet wurden. Das furchtbare Geschehen, das Leid der Opfer wirft bis heute seine Schatten auf die Stadt Weimar.

Ivan Ivanji (88), Überlebender der Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald, sagte: "Ich war kein Kämpfer. Nicht einmal gegen Faschismus und Krieg. Ich war fünfzehn Jahre alt und wegen meiner jüdischen Herkunft verhaftet worden. Und kein Vermächtnis von mir ist zu erfüllen." Er schrieb zahlreiche Romane, Erzählungen, Dramen und Aufsätze in serbischer und deutscher Sprache; er übersetzt Günther Grass, Bertolt Brecht, Max Frisch, Heinrich Böll u.a. ins Serbische.

Rikola-Gunnar Lüttgenau (51), Historiker und amtierender Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, arbeitet seit 25 Jahren in der Gedenkstätte und ist Kurator zahlreicher Ausstellungen zur Lagergeschichte im 20. Jahrhundert. Die neuste Ausstellung in Buchenwald 2016 hat weltweite Anerkennung bekommen.

Ein Überlebender des Konzentrationslagers, welcher seine Erlebnisse zur Mahnung in eigenen Büchern veröffentlicht hat und ein Historiker, welcher mit seiner Bildungsarbeit über die Lagergeschichte informiert, waren weitere Diskussionspartner am 27. Mai vor der interessierten Zuhörerschaft in der Jakobskirche Weimar.

Mich beschäftigt noch viel mehr die Frage: „Wo ist Gott heute?“ Denn auch heute gilt: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“ (Brecht).

Vom Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) wurden, zehn (10) Menschen ermordet, drei Sprengstoffanschläge mit x Verletzten sowie 15 Raubüberfälle durchgeführt. Die Anzahl der Unterstützer ist unklar, aber darunter sind V-Leute des Verfassungsschutzes und Funktionäre rechtsextremer Parteien. Der Prozess gegen den NSU wurde vor dem Oberlandesgericht München am 6. Mai 2013 eröffnet und ist noch nicht abgeschlossen.

Rechtsextreme stürmten im Jahre 2015 eine 1. Maifeier auf dem Marktplatz in Weimar und verletzten drei Menschen. Zwei Jahre später endet der Prozess gegen fünf junge Männer mit einer Geldstrafe.

Das Bündnis „Weimar gegen Rechts“ wehrte sich gegen den Missbrauch der Opfer der Bombardierung vom 9. Februar 1945 in Weimar durch demonstrierende Rechtsextreme. Das Bündnis empörte sich, dass die Polizei gegen Bündnis-Demonstranten ohne Grund Schlagstöcke und Pfefferspray einsetzte. Drei Polizisten verletzten sich gegenseitig und auch mehrere Demonstranten. Außerdem wurden zwei Teilnehmer von Hunden gebissen.

Thüringen steht im Zentrum der Rechtsrockszene: Nicht nur wegen seiner verkehrsgünstigen Lage, sondern auch, weil Neonazis die Erwartung hegen, auf geringen zivilgesellschaftlichen Widerstand zu stoßen.

Da Gott schweigt, müssen wir uns auf uns selbst verlassen, getreu dem Schwur von Buchenwald: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige