Mit 30 zum Abitur, na und?
Das Thüringenkolleg Weimar hilft - Doch, „ohne Disziplin geht nichts“

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[p]AA-Redakteur Thomas Gräser zeigt anhand von drei Lebenswegen wie sich junge Thüringer auf den Weg der beruflichen Neuorientierung begeben. Das Thüringenkolleg Weimar – ein Erwachsenen-Gymnasium – bietet ihnen die Basis. Hier erwerben die Kollegiaten durch eine dreijährige Schüler-BaföG geförderte Ausbildung die Hochschulreife, das Abitur.

Max (32) aus Schmalkalden
"Ich war 14 Jahre als Werkzeugmechaniker in sechs Unternehmen tätig", sagt Max. Er arbeitete in Schmalkalden, in anderen Thüringer Orten und in den alten Bundesländern. Der Hauptgrund der vielen Arbeitsplatzwechsel war, weil ich mich weiterentwickeln wollte". Doch sein Wunsch nach Weiterbildung - "mein Ziel war, den Meister zu machen" - erfüllte sich nicht. Kein Unternehmen unterstützte seinen Drang nach Qualifizierung. Ein Geschäftsführer hat ihm geraten, es selbst zu organisieren und die Weiterqualifizierung in der Freizeit zu absolvieren. Irgendwann reichte es Max. Er nahm seine Zukunft selbst in die Hand. Nur anders. Seit 2012 ist er am Thüringenkolleg und erlangt bis Juni diesen Jahres sein Vollabitur. Er erhält BaföG und wohnt in einer WG in der Klassikerstadt. Sein Plan - ein Studium. Doch in welche Richtung, weiß er noch nicht. Momentan ist in Anbetracht von "Prüfungsstress" der Kopf dafür noch nicht frei. Am Thüringenkolleg schätzt er die Sprachausbildung - Englisch, Französisch sowie Latein und die Lehre in den Naturwissenschaften. Das vermittelte Computerwissen möchte er nicht missen. Alles ein gutes Rüstzeug für seinen späteren zweiten Berufsweg. "Das Kolleg bietet alles für Menschen, die erst einen Beruf erlernen und sich später umorientieren", sagt Max (Redaktion: Namen geändert).


Eine junge Frau (29, ihren Namen möchte sie nicht veröffentlicht haben) aus Kölleda

Auf einen bewegten ersten Lebensabschnitt kann sie zurückblicken. Sie verließ das Gymnasium in Olbernhau freiwillig und wechselte in die Realschule in Seiffen. Nach dem Abschluss zog es sie nach Dresden, um die Ausbildung zur Staatlich geprüften Kosmetikerin zu absolvieren. Es folgten Stationen in Frankfurt / Main und im Bayerischen Wald. 2006 ging es als Aupair in die USA. Ein Jahr später "lebte ich mit wenig Perspektiven in Kölleda". Es folgten Weiterbildungen durch das Arbeitsamt, bevor es ein Jahr an ein Erfurter Klinikum ging. Im Dezember 2009 folgte die Geburt ihres Kindes. Nach anderthalb Jahren Babypause wirkte die junge Frau wieder als Kosmetikerin. 2012 veranlassten die Umstände auf Arbeit und die schlechte Bezahlung zum Umdenken. "Im Internet stieß ich auf das Thüringenkolleg." Im ersten Jahr hatte sie zwei Mal wöchentlich bis 17.05 Uhr Schule. Da schloss auch der Kindergarten. Den Spagat als damalige Alleinerziehende hielt sie mit Fremdhilfe aus. Sie pendelt zwischen Kölleda und Weimar. Zuhause angekommen ist sie erstmal Mutter. Lernen folgt spätabends. "Ohne Disziplin geht nichts." Im Juni wird die Frau aus Kölleda - die eine gute Schülerin ist - mit dem Abi wieder eine Lebensetappe gemeistert haben. Danach will sie studieren und einen Beruf ausüben, der sie glücklich macht.

David Voigt (26) aus Großmonra
Durch ein zerrüttetes Elternhaus war David Voigt viel auf sich allein gestellt. Er nennt es Freizeit. Da war feiern wichtiger als lernen. Dementsprechend fiel sein Realschulabschluss 2004 aus. Mit den Noten gestaltete sich die Lehrstellensuche als schwierig. Nach der Aushilfstätigkeit bei einem Bauelemente-Anbieter folgte 2006 der Grundwehrdienst in Sondershausen. Nach der Lehrzeit in Vieselbach als Schlosser und Berufskraftfahrer arbeitete David noch ein Jahr im Unternehmen, obwohl er unbefristet eingestellt war. Es zog ihn zu einem Abschlepp-Unternehmen nach Erfurt. Er qualifizierte sich weiter, schrubbte auch mal 290 Stunden im Monat oder eine 38-Stunden-Schicht am Stück. "Das war unverantwortlich", sagt er heute. "Durch meine Tätigkeit lernte ich viele Menschen kennen. Davon sprachen 90 Prozent negativ über ihr Leben. Nur zehn Prozent hatten ihre Träume erfüllt. Zu den Ersteren wollte ich nicht gehören." David Voigt begann umzudenken. Seit September 2014 ist er am Thüringenkolleg. "Ich stehe noch ganz am Anfang. Und jetzt muss ich zusätzlich Englisch pauken." Doch seine Ziele sind klar: 2017 Hochschulreife, danach Studium. "Ich will mit 60 oder 70 Jahren vor dem Spiegel stehen und sagen - so hätte ich es noch mal gemacht."

Katrin Lübbe, Lateinlehrerin:
"Der soziale Aspekt funktioniert am Thüringenkolleg sehr gut. Die Schüler und Lehrer gehen respektvoll miteinander um."

"Die Schüler(innen) haben einen gewissen Lebensweg hinter sich. Sie haben Lebenserfahrungen gesammelt. Darauf kann man aufbauen."

Zum Abitur: "Lieber spät als niemals - Potius sero quam numquam!"
Was sollte ein Schüler nicht sagen: "Ich könnte, aber ich mag nicht." (Maria de Medici)

ZUR SACHE
• Das Thüringenkolleg ist eine staatliche Schule.
• Im ersten Jahr (Einführungsphase) bereiten sich alle Kollegiaten auf die Kursstufe vor. Ziel ist ein einheitlicher Wissenstand.
• Im ersten und zweiten Kursjahr (11. + 12. Klasse) wird auf das Abi hingearbeitet.
• Am Thüringenkolleg Weimar lernen zirka 100 Schüler in sechs Klassen.
• Zwölf angestellte Lehrer und fünf Honorarlehrer unterrichten.
• Tag der offenen Tür am 14. März von 10 bis 13 Uhr, Schwanseestr. 11.
• Infos: facebook. com/Thueringenkolleg

<a target="_blank" rel="nofollow" href="http://87.138.116.128/cms/">Homepage</a>

Ein weiteres Kolleg in Thüringen ist in Ilmenau - <a target="_blank" rel="nofollow" href="http://www.ilmenau-kolleg.de/">Ilmenau-Kolleg</a>

Autor:

Thomas Gräser aus Erfurt

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