„Olle DDR“ erinnert an den Schulgartenunterricht und schlägt damit eine Brücke zur Landesgartenschau
Im Museum grünt’s

Museumsmitarbeiter Frank Meiselbach gießt die Museumspflanzen mit einer DDR-typischen Gießkanne.
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  • Museumsmitarbeiter Frank Meiselbach gießt die Museumspflanzen mit einer DDR-typischen Gießkanne.
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„Mach mal dasBeet sauber“, sprach die Schulgarten-Lehrerin zum Stadtkind, das gerade aufs
Dorf gezogen war. Dieses brauchte viel Spucke für die schmutzigen Blätter, bis
die Lehrerin merkte, dass ihrer Aufforderung Interpretationsspielraum ließ.

Episoden wiediese sprudeln aus dem Gedächtnis beim Blick auf Pflanzhölzer, Blumenschalen,
Samentütchen und Anschauungstafeln. Zum Greifen nah steht die große
Zinkgießkanne. Fast spürt man ihr Gewicht. Gut mit Wasser gefüllt konnte ihr
Inhalt leicht überschwappen. Im Nu waren Schuhe und Strümpfe nass.

Die Museumsbaracke„Olle DDR“ in Apolda widmet sich in einer Sonderausstellung einem Schulfach,das gleichermaßen Spaß und Arbeit versprach. Vor allem aber lockte es an die
frische Luft, hinaus aus dem Klassenraum. Hacken und Jäten waren für viele das
kleinere Übel zum stillem Sitzen auf harten Stühlen.

"Mit der Schaugreifen wir eine Idee von Beate Walther auf“, erzähltMuseumsleiterin Christine Hoffmann. Beate Walther leitet das „Grüne
Klassenzimmer“ auf der Landesgartenschau mit Mitmachangeboten für Jung und Alt.Mit diesen und der Sonderausstellung im Museum können Brücken vom Heute ins
Gestern und zurück geschlagen werden. Gleichzeitig wird eine Thüringer
Besonderheit in den Fokus gerückt. Denn nur hier – im grünen Herzen – hat das
Schulfach Schulgarten überlebt.

Die Resonanzauf die Sonderausstellung freut die Museumsleute. „Wir merken, mit wie viel
Spaß sich unsere Besucher an ihre Zeit im Schulgarten erinnern“, freut sich
Hoffmann. Oft seien ihre Gäste „Rückläufer“. Auf dem Nachhauseweg von der
Landesgartenschau zum Bahnhof führt sie ihr Weg nicht am Museum vorbei, sondernhinein.

Hier bekommensie Nachschlag. Denn im Museum grünt es. Nicht nur ein kleines Beet erinnert an
die Schulgartenarbeiten. Mit Gummibaum und Grünlilie haben die
Ausstellungsmacher auch typische DDR-Pflanzen in Szene gesetzt.

Viele Exponateentstammen dem Museumsfundus. Auf mit Kinderhänden gestalteten Plakaten wird
erklärt, wie der Boden fürs Wurzelgemüse bearbeitet werden muss. „Diese
Arbeiten hat uns eine schule schon vor Jahren zur Verfügung gestellt“ so
Hoffmann. Andere Ausstellungsstücke haben die Museumsmitarbeiter von Zuhause
mitgebracht. So auch das Pflanzholz aus dem Hoffmannschen Garten. Es sei noch
heute im Gebrauch, berichtet die Chef. Nur in diesem Jahr muss sie darauf
verzichten, denn bis in den Herbst lädt die Sonderausstellung dazu ein, sich an
ein besonderes Schulfach zu erinnern.

Zur Sache

+ Museumsbaracke„Olle DDR" in der Bahnhofstraße 42 in Apolda Öffnungszeiten: April– Oktober,
Dienstag bis Sonntag, 10 bis 18 Uhr;
November – März,
Dienstag bisSonntag, 10 – 17 UhrInform@tion:www.olle-ddr.de+ 4. Thüringer Landesgartenschau 2017 in Apolda bis zum 24.September, täglich geöffnet von 10 bis 18 Uhr 

ZumSchulgartenunterricht

+ Thüringenist das einzige Bundesland, in dem Schulgarten als Pflichtfach unterrichtet
wird. Der Schulgartenunterricht wurde 1991 im Rahmen der Lehrplangestaltung
verbindlich in die Stundentafel für Grundschulen aufgenommen. + Schulgartenwird in den Klassenstufen 1 bis 4 unterrichtet. Den Rhythmus für den Unterricht
legt die Schule nach fest. Meist werden Doppelstunden durchgeführt. + In Thüringenverfügen jede Grundschule sowie Gemeinschaftsschulen, die ab Klasse eins
unterrichten, über den Zugang zu einem Schulgarten. Im Lehrplan ist
festgeschrieben, dass der Unterricht untrennbar mit dem Lernort Schulgarten zu
verbinden ist.+ Jeder imSchulgartenunterricht tätige Lehrer hat in der Regel im Rahmen seines Lehramtsstudiums die
entsprechenden Grundlagen für das Fach Schulgarten erhalten. Diese werden in
erster Linie im Unterrichtsfach Heimat- und Sachkunde vermittelt, welches jeder
Grundschullehrer neben Deutsch und Mathematik als Pflichtfach in seiner
Fächerkombination hat. Darüber hinaus kann als zusätzliches Viertfach
Schulgarten vertiefend belegt werden. Thüringen bietet diese Ausbildung an der
Uni Erfurt an.  + Die Schulgärtensind Bestandteil der Schulgebäude, für die in Thüringen die Schulträger
(Landkreise und kreisfreie Städte) zuständig sind. Die Schulträger sind für die
Finanzierung der Arbeitsmittel verantwortlich, z. B. die Gartengeräte. Kleinere
Anschaffungen wie Blumensamen können von der Schule mit Hilfe des schuleigenen
Budgets direkt beschafft werden. Darüber hinaus können Förderverein Spenden
sammeln.

Autor:

Simone Schulter aus Weimar

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