Andreas Bochenek engagiert sich als Sterbebegleiter in Weimar
Nähe geben, wenn das Leben schwindet

Einmal in der Woche macht sich Andreas Bochenek als Sterbebegleiter auf den Weg in ein Weimarer Hospiz. „Für danach nehme ich mir nichts mehr vor. So habe ich keine Eile, kann Zeit schenken, so viel wie gebaucht wird.“
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„Ich hatte häre Vorstellungen vom würdevollen Hinübergleiten in den Tod“, blickt Andreas Bochenek zurück. Das war vor sieben Jahren. Damals begann er seine ehrenamtliche Arbeit als Sterbebegleiter für die Johanniter Unfallhilfe. Derzeit arbeitet er in einem stationären Hospiz. Einmal die Woche ist er dort zu Gast.

Fragen zur Vergänglichkeit des Lebens haben ihn schon viel früher interessiert. Auf der Suche nach Antworten arbeitete der Weimarer in einem Bestattungshaus und auf dem Friedhof. Bochenek selbst hat auf diesem Weg zum Buddhismus gefunden. Seine Glauben gibt ihm Raum für Spiritualität, lässt ihn wieder staunen, wenn er eine Rose erblühen und wieder verwelken sieht. „Klar, kann man alles wissenschaftlich erklären“, meint er. Trotzdem sei es für ihn auch Magie.

Um seine Angelegenheiten zu regeln,
ist das Jetzt der richtige Zeitpunkt.
Andreas Bochenek

Der Glauben, auch ein Gottvertrauen können auf dem letzten Weg helfen, so seine Erfahrung als Sterbebegleiter. „Gläubige Menschen tragen ihr Schicksal gelassener.“ Andere hingegen hoffen bis zuletzt auf ein Wunder oder verdrängen den nahenden Tod, suchen Ablenkung. „Auch im stundenlangen fernsehen.“


Schach spielen,
Fotos anschauen,
reden

Auf ganz unterschiedliche Weise steht Bochenek Sterbenden bei. Einer der Hospizbewohner spielt gern Schach. Mit anderen schaut er sich Fotoalben an. Manchmal hilft er auch nur durch seine Anwesenheit, sitzt an Bett, hält die Hand, spendet Nähe. Diese Ruhe aber müsse man aushalten können. Vorgefertigte Konzepte helfen nicht. „Ich muss mich als Mensch auf den anderen Menschen einlassen.“

Bochenek hat die Erfahrung gemacht, dass sich manche auch einfach nur nach Ruhe sehnen, für sich sein wollen. Da darf man sich nicht aufdrängen, muss akzeptieren. Doch falls jemand reden möchte, ist er da. „Wenn sich plötzlich jemand öffnet, nehme ich mir alle Zeit der Welt.“ Bochenek hört zu, was der andere denkt, ihn bewegt. Und kann dann auch helfen.

Er erinnert sich an eine Frau, die in einem schwierigen Verhältnis zu ihrer Tochter lebte. Auf seinen Rat schrieb sie ihr einen Brief. Bochenek übergab ihn der Tochter. Diese Angelegenheit zu regeln, half ihr, gehen zu können. Kurze Zeit später verstarb sie.

Eher praktisch unterstützte er eine Mutter mit drei Kindern, die ihre letzte Zeit zuhause im Schlafzimmer verbrachte. Bocheneks Hinweis, den Raum umzugestalten, nahmen Ehemann und Familie auf. „Sie hingen Kinderbilder an die Wände, räumten das Fensterbrett leer, damit die Frau nach draußen blicken konnte. Es wurde eine wohltuender Raum und man merkte, wie Stille und Frieden einzogen.“ So konnte die Familie das Schicksal annehmen, die Frau gehen.

Die eigenen Dinge frühzeitig regeln

Jeder Mensch, jede Familie nimmt auf ihre Art Abschied. Es gibt keine immerwährenden Unterlassungssünden, so jedenfalls die Erfahrungen von Bochenek als Sterbegleiter. Er widerspricht in diesem Fall einem aktuellen Besteller, der die „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“, aufzuzählen vermag.

Loslassen ist ein Akt, den Todgeweihte und seine Angehörigen vollziehen müssen. Abschied und Trauer brauchen dabei Raum. Dies gelingt um so besser, wenn die Dinge des Lebens geregelt sind. Dazu zählt aber nicht nur, dass Erbfragen geklärt und Unterlagen geordnet sind. „Wir sollten unseren Angehörigen gegenüber auch deutlich äußern, ob wir Organe spenden, wie und wo wir bestattet werden wollen.“ Diese Fragen sollte man nicht auf die Familie abwälzen. „Wenn wir uns ihnen selbst stellen, kann ein angstfreier Sterbeprozess gelingen.“

Zur Person

Andreas Bochenek ist selbstständiger Industriekletterer.
2006 absolvierte er eine Ausbildung zum Sterbebegleiter.
Derzeit besucht er jeden Donnerstag Bewohner im Palliatus Hospiz Weimar.
Zudem bietet Bochenek Seminare rund um die Themen über Sterben Tod Beisetzung und Organspende an der Volkshochschule Weimar an.
Weitere Informationen: www.wegesende.com

Einmal in der Woche macht sich Andreas Bochenek als Sterbebegleiter auf den Weg in ein Weimarer Hospiz. „Für danach nehme ich mir nichts mehr vor. So habe ich keine Eile, kann Zeit schenken, so viel wie gebaucht wird.“
Einmal in der Woche macht sich Andreas Bochenek als Sterbebegleiter auf den Weg in ein Weimarer Hospiz. „Für danach nehme ich mir nichts mehr vor. So habe ich keine Eile, kann Zeit schenken, so viel wie gebaucht wird.“

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