Beim Voltigieren ist das Pferd der wichtigste Partner
Handstand im Galopp

Rund 30 Sportlerinnen trainieren in drei Mannschaften das Voltigieren im  RV „Marstall“ Weimar. Nadia Geyersbach (links) arbeitet als Trainerin. Marlene Kurzke (unten) und Charlotte Schwärmer gehören zu ihrer Übungsgruppe.
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  • Rund 30 Sportlerinnen trainieren in drei Mannschaften das Voltigieren im RV „Marstall“ Weimar. Nadia Geyersbach (links) arbeitet als Trainerin. Marlene Kurzke (unten) und Charlotte Schwärmer gehören zu ihrer Übungsgruppe.
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Ein Handstand? Oh nein! Eine Runde Galopp? Auf keinen Fall! Während laufen, schwimmen, Fußball spielen durchaus Platz im Alltagsleben auch weniger sportbegeisterter Mitmenschen finden, ist der Nachahmungsdrang beim Turnen oder Reiten wohl eher gering ausgeprägt. Er droht gänzlich verloren zu gehen, wenn beides kombiniert wird.

Zumindest als Gedankenspiel. Denn wer Nadia Geyersbach, Marlene Kurzke und Charlotte Schwärmer in der Loge zuschaut, spürt ihren Spaß an diesem besonderen Sport. „Voltigieren kann jeder erlernen, der Lust hat“, nimmt Trainerin Nadia Geyersbach auch gleich die Scheu am Turnen auf dem Pferd. Bisher habe in ihre Trainingsgruppe im Reitverein „Marstall“ Weimar jeder Platz gefunden, der sich ausprobieren wollte.

„Voltigieren ist kein 08/15-Reiten.“
Marlene Kurzke

Doch bei aller Menschenfreude steht für die drei Sportlerinnen fest: Das Pferd ist ihr wichtigster Partner. „Mit ihm gehen wir eine Symbiose ein“, beschreibt es die Trainerin. Große Erwartungen werden an das Tier gestellt, schließlich agieren auf seinem Rücken bis zu drei Turner. Ausgeglichen, kinderlieb und unerschütterlich: So umschreibt sie die Anforderungen an ein Voltigierpferd. „Es muss zudem gleichmäßig galoppieren, Kondition und Kraft besitzen.“

Voltigierpferde sind
schwer zu finden

Ein solcher Partner ist schwer zu finden. „In Thüringen gibt es wenige solcher Pferde“, erklärt Geyersbach. Ein Grund für sie, dass ihr Sport nur vom 5 bis 6 Vereinen betrieben wird. Die Marstall-Voltigierer hatten Glück. Mit Dieter und Aron besitzt der Verein zwei gutmütige Hengste.

Die Trainingsgruppe um Nadia Geyersbach konzentriert sich vor allem auf den zwölfjährigen Holsteiner Aron. Superlieb sei er. Und so schaut das Pferd mit brauen Augen entspannt in die Runde, indessen sich Charlotte und Marlene die Trainingsjacken abstreifen, in dünne Gymnastikschuhe schlüpfen und sich eine nach der anderen auf Arons Rücken schwingt. Sie gehen in die Fahne, Flanke, Mühle – wie Pflichtübungen in diesem Sport heißen. Dabei werden Beine und Arme gesteckt, verändern sie Sitzpositionen, halten ihren Körper allein mit Armkraft in der Waagerechten – alles auf einem beweglichen Untergrund. Später wird Marlene die kleinere Charlotte auf ihrem Rücken tragen und beim Handstand halten.

Was so mühelos aussieht, ist intensiven Training geschuldet. Zu drei Trainingseinheiten trifft sich die Gruppe in der Woche, einmal auch in der Turnhalle. Denn aufs Pferd geht es erst, wenn die Übungen klappen. „Boden, Holzpferd, Schritt, Galopp“, erklärt Marlene die Abfolge. Schließlich wollen sie ihren tierischen Partner nicht überfordern.

Gutmütiger Aron mit Totalaussetzer

Aron dankt es ihnen mit einer großen Portion Gutmütigkeit. Doch auch die kann mal an Grenzen stoßen. „Er hatte auch schon einen Totalaussetzer im Wettkampf“, erinnert sich Geyersbach. Irgendetwas an der Wettkampfhalle hatte das Tier irritiert. Doch das sei das Spannende am Pferdesport, relativiert sie: „Man weiß nicht, was einen erwartet.“

Trainingsgruppe ist
wie eine zweite Familie

Training, Turniere, Pflege und Sorge ums Pferd schweißen die acht Mädchen aus Geyersbachs Voltigiergruppe zusammen. „Es ist wie eine kleine zweite Familie“, so die Erfahrung von Marlene. Man kümmert sich umeinander und um die Belange des Vereins. Wird Geld für neue Wettkampfkleidung benötigt, muss ein finanzielles Polster für Tierarztrechnungen geschaffen werden, so kümmern sich die Mädchen, organisieren Spendenläufe und Kuchenbasare. So bleibt das Voltigieren erschwinglich, ist mit 35 Euro Vereinsbeitrag im Monat kein elitäres Vergnügen.

Auch Jungen sind willkommen

Zu diesem Spaß laden sie gern auch Interessierte ein. Ab sechs Jahre kann man in der Schrittgruppe starten. Erst später wird im Galopp geturnt. Voltigieren ist dabei kein reiner Mädchensport, sondern durchaus auch für Jungen geeignet. „Nur leider ist noch keiner länger bei uns geblieben“, bedauert Marlene.

ZUR SACHE

+ Im RV „Marstall“ Weimar trainieren rund 30 Sportlerinnen in drei Mannschaften; zwei Leistungs- und eine Schrittgruppe für die jüngsten Vereinsmitglieder.

+ Trainiert wird auf dem Reitplatz und in der Reithalle in Ottstedt am Berge.

+ Bei Wettkämpfen unterziehen sich die Voltigierer einer Pflicht und einer Kür. Der Kürauftritt wird musikalisch untermalt.
+ Beim Voltigieren gibt es Einzel- und Gruppenwettkämpfe. Bei letzteren agieren zwei oder drei Sportler auf dem Pferderücken.

+ Wer sich im Voltigieren versuchen möchte, sollte die Liebe zum Pferd und Spaß am Turnen mitbringen.

+ Mehr zum RV „Marstall“ Weimar, Trainingszeiten, Ansprechpartner unter: https://voltigieren-weimar.jimdo.com

+ Voltigiervereine gibt es unter anderem in Gera, Erfurt, Landkreis Nordhausen, im Saale-Holzland- und Ilmkreis. Alle Vereine sind aufgelistet unter:
https://voltigieren-thueringen.jimdo.com

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