Dorian Keilhack dirigierte Vogtland Philharmonie
Große Interpretationen und neue Töne

„Das war eine großartige Interpretation. Eine CD mit dieser Darbietung würde ich mir glatt kaufen – vorzüglich! “, freute sich die Schweizerin Frau Dr. Wolf-Furrer, die Tochter des aus Plauen stammenden Komponisten Walter Furrer, am vergangenen Mittwochabend, als dessen „Scherzo drolatique“ zu Beginn des 2. Sinfoniekonzertes der Vogtland Philharmonie verklungen war. Sie war eigens aus Roggwil in der Nähe von Basel nach Reichenbach gekommen, um diese Aufführung zu erleben. Dass sie sich zu Recht für die Popularisierung des väterlichen Musikerbes ins Zeug legt –dies kam schon im engagierten Podiumsgespräch der Konzerteinführung rüber, bestätigte der große Beifall des Reichenbacher Konzertpublikums für dieses Scherzo.

Überhaupt gab es reichlich Applaus an diesem denkwürdigen Konzertabend. Dafür zeichnete in erster Linie – dies die einhellige Meinung des Publikums – Gastdirigent Dorian Keilhack verantwortlich, der kurzfristig für dieses Konzert verpflichtet werden konnte. Er agierte am Pult nicht nur mit souveräner Sicherheit, der über den ganzen Abend hinweg der hohen Konzentration und Disziplin des Ensembles zugutekam, sondern ließ auch unmissverständlich seine Interpretationsintentionen erkennen, riss die Philharmoniker mit, die schon eingangs mit sichtlicher Spielfreude diese Furrer-Komposition musizierten. Das um 1950 entstandene Scherzo drolatique, ein originelles, äußerst farbiges und prächtig instrumentiertes Paradestück für Orchester, Konzentrat einer Ballettmusik aus dem 45. Bild der burlesken Oper „Zwerg Nase“ Walter Furrers, ist eine echte Entdeckung und hat das Zeug, sich die Konzertbühnen zu erobern. Herausragend der Part des Piano concertante, von Sarah Stamboltsyan meisterhaft gespielt! Die quirlige Aufregung in der Riesenküche des Königs Anxius, als der Auftrag reinkam, die Pastete „Suzeraine“ zuzubereiten, zu der man aber das Kräutlein ‚Niesmitlust‘ benötigt, springt herrlich-lebendig von der Bühne!

Das andere Highlight des Konzertabends war zweifellos die nach der Pause erklingende Sinfonie in d-Moll von César Franck. Hier entfaltete Dorian Keilhack, das Werk auswendig dirigierend, seine Führungsqualitäten: Bis in die kleinsten Details – Ausdruck, Tempi und Dynamik (welch erstaunliche Pianissimo kamen vom Orchester!) stimmten auf den Punkt – forderte und formte er eine überzeugende Interpretation dieses herrlichen Werkes, das heute zu den populären Spitzensinfonien auf den Konzertbühnen zählt, die zu Zeiten ihres Komponisten (seine einzige Sinfonie“) jedoch unverstanden blieb. Hervorragend gelungen, aufnahmewürdig, klar und durchsichtig im Orchestersatz der Kopfsatz, verzehrend schön die herrlichen Kantilenen (Englischhorn, Viola, Horn), duftig die diffizilen Scherzo-Passagen im 2. Satz, mitreißend die Finalgestaltung – zu Recht gab es Bravorufe, Riesenapplaus und viele Vorhänge für diese herausragende Interpretation.

Den konzertanten Teil des Abends bestritten als Solisten E-Hyen Hüttermann Klavier), Karolina Nowotczynska (Violine) und Meehae Ryo (Violoncello) in Ludwig van Beethovens „Tripelkonzert“ C-Dur. Es gelang diesem Trio eine tatsächlich ansprechende‚ weibliche‘ Interpretation ihrer Parts, gelungen durchweg die virtuosen Ansprüche, am besten wohl am Flügel, doch blieben Violine- und Cello – vielleicht geschuldet der Platzierung oder den Saalverhältnissen – ein wenig im Hintergrund. Der virtuos-frische Unterhaltungswert dieser bis heute populären Komposition – Keilhack hielt Orchester- und Soloparts hervorragend zusammen – kam sehr schön zum Tragen, wie der reiche Beifall bewies. Die jungen Solisten belohnten dies mit einer stimmungsvollen Triobearbeitung des „Liebestraum“ von Franz Liszt.

- veho -

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