Deutsche Erstaufführung mit der Vogtland Philharmonie
Hochklassiges von Solist und Ensemble

Roman Kim zum 2. Sinfoniekonzert der Vogtland Philharmonie 2019/2020
  • Roman Kim zum 2. Sinfoniekonzert der Vogtland Philharmonie 2019/2020
  • Foto: VPh
  • hochgeladen von Matthias Pohle

„Das war heute außergewöhnlich“, so am vergangenen Mittwoch eine knappe und auf den Punkt zutreffende Treppenhausbemerkung im Neuberinhaus im Ausklang des 2. Sinfoniekonzertes der Vogtland Philharmonie. Hierzu gab es einigen Anlass. Eine Sensation war die deutsche Erstaufführung des 1. Violinkonzertes von Roman Kim, der als genialer Neo-Paganini in den letzten Jahren die Konzertpodien in aller Welt erobert hat. Vor zwei Jahren debütierte er im Eröffnungskonzert der Saison 2017/18 mit Paganinis 1. Violinkonzert und begeisterte mit seiner Geigenkunst das Publikum in Greiz und Reichenbach, sodass man gespannt war auf seine erste große Eigenschöpfung, die er – so war dies schon vor zwei Jahren verabredet – mit der Vogtland Philharmonie in Deutschland erstmalig vorstellte. Außergewöhnlich gut fiel auch das Debut des Gastdirigenten GMD Florian Ludwig aus – nicht oft hat die Philharmonie ein solches Glück mit ihren Gästen am Pult. Insbesondere mit der hervorragenden Interpretation der 1. Sinfonie von Jean Sibelius sorgte er gemeinsam mit der Philharmonie für den zweiten Höhepunkt dieses Abends.

Erregte Roman Kim in der Musikszene der letzten Jahre mit seinen außergewöhnlichen Auftritten weltweit Aufsehen, so reiht sich sein erstes eigenes Violinkonzert zweifellos als weiteres Markenzeichen seiner herausragenden Rundumbegabung ein. „Hier hat sich der Komponist Kim ein echtes Virtuosenkonzert auf den Leib geschrieben“, so zutreffend ein Konzertfreund. Was Roman Kim sich selbst in seinem für das Publikum problemlos zugängigen Werk an Spielkunst abverlangte, hatte Paganini’sche Qualitäten – und er sie bewältigte sie grandios: Mit seiner kraftvollen Bogentechnik entlockte er seiner Violine (kein italienisches Instrument – eine erst 2015 gebaute Hazin-Geige!) bis in die höchsten Lagen hinein lupenrein intonierte Töne (die Saiten seiner Spezialgeige entstammen eigener Produktion!), und dies selbst in den mit Doppel- und Tripelgriffen und Prellbogentechniken gespickten Passagen. Das dominante virtuos-brillante Moment stand wohl im Vordergrund, doch huldigte er in allen Sätzen, vornehmlich jedoch im 2. Und 3. Satz, seiner eigenen romantischen Natur: Selbst in den anspruchsvollsten spieltechnischen Phasen (Solokadenz!) blieb der melodische Grundzug erhalten – beeindruckend! Ein Kompliment auch dem Ensemble, es hatte sich in intensiver Probenarbeit ausgezeichnet auf den Begleitpart mit seinen ungewöhnlichen Akzenten und temporalen Fassetten eingestellt, sodass ein stimmiger Gesamteindruck zustande kam. Auch das Publikum reagierte außergewöhnlich: frenetischer Beifall, Bravorufe en masse, Standing Ovations. Roman Kim revanchierte sich in bezeichnender Weise – mit der Zugabe des von ihm für Solovioline arrangierten Rocktitels „Love me two times“ der amerikanischen Kultband „The Doors“, zu dem er selbst sang und sich mit Fussschellen rhythmisch begleitete – das gab’s noch nie in Reichenbach…

Hatte Gastdirigent Florian Ludwig schon mit dem eigenwilligen Kim-Konzert keinerlei Probleme, Ensemble und Solist zusammenzubringen, so avancierte die nach der Pause erklingende 1. Sinfonie von Jean Sibelius zum zweiten Highlight dieses Konzertabends. Seien es die gewählten Tempi oder die dynamischen Fassetten, die Soli an den Pulten (wunderschön das eröffnende Eingangsthema von Soloklarinettist Kevin Weimann!) oder der stets durchsichtige, selbst in den Details sorgfältig gearbeitete Orchestersatz – die hervorragende Probenarbeit und eine souveräne dirigentische Führung zeitigten eine zu Herzen gehende, substanziell hochwertige Interpretation der Philharmonie, ein echtes Hörerlebnis. Dies trifft in anderer Weise auch auf die eingangs erklungene Ouvertüre „Im Herbst“ von Edvard Grieg zu: Eindrucksvoll zeichnete die Philharmonie dieses nordische Tongemälde mit seinen kräftigen Farben, ein gelungener Eckpfeiler eines außergewöhnlichen Programms.

(veho)

Autor:

Matthias Pohle aus Zeulenroda-Triebes

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