Serie Thüringer Künstler
Uwe Klos - Malerei, Fotografie, Grafik, Plastik und Klangkunst

Uwe Klos, vor seinem Bild "Für kommende Zeiten".
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  • Uwe Klos, vor seinem Bild "Für kommende Zeiten".
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Interview mit dem Ostthüringer Künstler Uwe Klos, der seit 1992 freischaffend als Bildender Künstler tätig ist: 

Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

Ich komme aus einem eher amusischen Elternhaus. Die Kulturwahrnehmung meiner Eltern, so wie ich mich erinnere, erschöpfte sich im Theaterabonnement des Arbeitskollektives. Es gab also keine gemeinsamen Museumsbesuche, keine Kirchen wurden angesehen (was für einen atheistischen Arbeiterhaushalt ohnehin nicht üblich war) und erst recht keine Ausübung kreativer Beschäftigungen. Dies betraf nicht nur die Bildende Kunst, auch Literatur und Musik hatten in meinem Elternhaus diese Unbedeutung.
Meine Begabung wurde weder erkannt noch gefördert. Allerdings gab es einen Zeichenlehrer an meiner Schule in Gera, der mich ermutigte. Also erlernte ich einen Beruf im Handwerk (später einen zweiten), arbeitete als Techniker in der Produktion und übte mein kreatives Schaffen in der sogenannten Freizeit aus.
Große Inspiration erhielt ich von meinen Kollegen in einem Geraer Fotoklub, dem ich Mitte der 1980er Jahre beitrat. Der Anspruch war hoch. Blümchen- und Schmetterlingsfotografie war suspekt. Geschätzt das Landschaftsbild und die Menschendarstellung; eine Fotografie, die versuchte auf das Wesentliche zu kommen, die mehr Fragen stellte als beantwortete.
Seit 1992 bin ich freischaffend als Bildender Künstler tätig, und seit 2002 Mitglied im Verband Bildender Künstler Thüringen.

In welcher Kunstrichtung entstehen Ihre Werke? 

Meine Arbeitsgebiete umfassen Malerei, Fotografie, Grafik, Plastik und Klangkunst.

Wie entstehen Ihre Werke? 

Zur Entstehung von Malerei bedarf es wohl keiner weitreichenden Erläuterungen. Ich arbeite auf Karton wie auf Leinwand mit Ölfarben, Acrylfarben oder Mischtechniken. Vom kleinen Postkartenformat bis zum recht großen Format von 1,5 Meter x 1,3 Meter reichen die Bilddimensionen. Meine Grafik, vor allem Radierungen, entsteht durchweg in der Druckwerkstatt des Kunstvereins in Löhma (bei Schleiz). Fotografisch verwende ich noch immer Fotopapier, also lichtempfindliches Material, welches in der eigenen Dunkelkammer verarbeitet wird.

Was wollen Sie mit Ihrer Kunst ausdrücken? 

Das Diktum "Was will uns der Künstler sagen?" ist ein Relikt aus ideologisierter Kunstvermittlung und hat nicht die Kraft und das Gewicht das Wesen des Kunstwerkes zu ergründen. Denn es geht vielmehr um die Frage der Betrachtenden (der Hörenden, der Lesenden - in den anderen Kunstabteilungen): Was sagt mir das Werk, was erzählt das Bild, die Musik, der Roman, von meinem Leben? Es geht auch nicht darum, daß alle Kunst gefällt. Jedoch, wenn sie nicht gefällt, sollte man wissen warum! Was auch für das Gefallen gilt. Wer von den Künsten die Wiedergabe der Wirklichkeit erwartet, erhofft sich zu viel, das kann und will die Kunst nicht leisten.
Mit welcher Absicht ich mein Werk schaffe? Ich möchte ein wenig beitragen zur ästhetischen Bildung der Menschen; aufrufen, sich mit sich zu beschäftigen und Selbsterkenntnis vor Unterhaltung zu stellen. Und vielleicht tragen meine Arbeiten dazu bei, den Betrachtenden einen kleinen Teil der schönen Welt zu zeigen.  Zwar bin ich auch ein politischer Mensch, keineswegs jedoch ein politischer Künstler. Vom Künstler wird in dieser Zeit oft erwartet, er möge sich mit seinem Werk den Aktualitäten verschreiben. Diese sind wenig hoffnungsvoll: Terror und Gewalt, eine sich polarisierende Gesellschaft, soziale Unausgewogenheit und in den Galerien des Kunstmarktes wird ausgewählt, was verkaufbar ist. Dabei bleibt das Credo der Kunst auf der Strecke; statt das WIE vorzustellen feiert das WAS Aufmerksamkeitsfeste. Der Künstler muß sich von der Dringlichkeit der Ereignisse frei machen und sich auf die Dringlichkeit des Notwendigen einlassen. Dem Künstler bleiben die Hände gebunden, soll er auf aktuelle Ereignisse eingehen. Wenn keine Zeit zur Besinnung und zur Sortierung, des Mittelfindens und des Umsetzens bleibt, wird das Geschaffene nur Nachgemachtes. Medien und Politik, die immer die gleichen Worte und Bilder verwenden, degradieren die Geschehnisse zu austauschbaren Ereignissen. Als Künstler möchte ich das eigene finden. Der Blick des Künstlers auf die Aktualitäten ist ein Blick von der Seite. Bei mir ist es gewiss ein arkadischer Blick auf die Natur. Die Natur ist in ihrer Schönheit und Bedrohtheit stets präsent, gleichermaßen wie das Streben der Menschen nach Harmonie, Frieden und Glück. Warum soll ich mich mit dem Hässlichen beschäftigen?

Woher nehmen Sie die Ideen?  

Ein großes Reservoir meiner Inspiration ist die Natur, die mich umgibt. Der Garten und die Landschaft sind Areale, aus denen ich nicht nur Impulse schöpfe, sondern die mir recht handgreiflich Objekte für meine Arbeiten liefern und in den fotografischen Zyklen "Naturformen" und "Niemandsland" dargestellt sind. Außerdem stellen die Werke der Literatur, Musik und Filmkunst einen unerschöpflichen Vorrat für eine differenzierte Weltbetrachtungen dar. Dies findet sich, gefiltert, bedacht und sortiert, im Werk wieder.

Was sind Ihre größten Erfolge?

In Deutschland, Europa und den USA hatte ich Ausstellungen oder war an Ausstellungen beteiligt. Gut in Erinnerung und prägend für mein Selbstverständnis als Künstler war 2010 ein Stipendium am Künstlerhaus Schloß Wiepersdorf, welches die Kulturstiftung des Freistaats Thüringen ermöglichte. Dort, in Wiepersdorf, herrschte, nach meiner Wahrnehmung, eine überaus schöpferische Atmosphäre, gepaart mit einer Wertschätzung der Künstlerpersönlichkeiten durch die Künstlerhausbetreiber. Was leider oft verkehrt erscheint: Die Künstler und die Kunst werden benutzt zur politischen oder ökonomischen Selbstdarstellung.

Wo kann man Ihre Werke sehen? 

Zur Zeit findet eine große Ausstellung Thüringer Kunst im Münsterland statt. Unter dem Titel "Herbstgäste aus Thüringen" werden Arbeiten von 49 Künstlerinnen und Künstlern an drei Ausstellungsorten gezeigt. Vier Blätter aus meinen Zyklus "Naturformen" präsentiert der "Kunstspeicher Dörenthe".
In der Galerie des Verbandes Bildender Künstler Thüringen, auf der Krämerbrücke in Erfurt, eröffnet am 25. November die Weihnachtsausstellung "Jahresendflimmern", wo das Blatt "Wilde Möhre" aus meiner Erfurter Edition (siehe Bild) zu sehen ist.
Ab 29. November zeigt die "Neue Sächsische Galerie" in Chemnitz die Ausstellung der 35. Leipziger Grafikbörse, die unter dem Titel "Paradox" steht und wo zwei meiner Druckgrafiken ausgestellt werden.
Zudem steht mein Haus offen. Jederzeit, am besten nach vorheriger Anmeldung, ist es möglich Künstler und Werk kennen zu lernen.

Kontaktdaten:
Uwe Klos
Cossengrün 55
07973 Cossengrün
036621.21893
Kunst@Uwe-Klos.de
www.Uwe-Klos.de

Uwe Klos, vor seinem Bild "Für kommende Zeiten".
Wilde Möhre, aus der Erfurter Edition, 2019.
Autor:

Gerd Zeuner aus Zeulenroda-Triebes

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