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Viele Flüchtlinge in Zaatari wollen zurück in ihre Heimat nach Syrien
Ein Lächeln von Jacob

Jürgen Landmann (M.) mit dem Dolmetscher Ibrahim und Jacob (r.).
Jürgen Landmann (M.) mit dem Dolmetscher Ibrahim und Jacob (r.). (Foto: Annett Martin)
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Menschen zwischen abgrundtiefer Hoffnungslosigkeit und verzweifeltem Bangen hat Jürgen Landmann in der jordanischen Wüste getroffen. Der Thüringer Abenteuerreisende und Bergsteiger, der 2016 den Mount Everest bestiegen hat, war in diesem Herbst mit seiner Lebensgefährtin nach Jordanien gefahren, um das Flüchtlingslager Zaatari zu besuchen.

"Wir waren in der Vergangenheit schon in Palästina und im Libanon, nun wollten wir auch Jordanien und Syrien kennenlernen", so der 47-Jährige aus dem ostthüringischen Langenwetzendorf. Das mit Jordanien klappte dann auch, doch für Syrien haben die Langenwetzendorfer keine Einreisegenehmigung erhalten. "Für ein Visum benötigt man die persönliche Einladung eines Syrers und es dauert dann auch ewig lange bis zur Genehmigung – wobei der Ausgang offen ist", so Landmann. Doch Jordanien und auch wieder der Libanon habe die beiden für die Aufwendungen mehr als entlohnt: "Wir haben hier nur freundliche und hilfsbereite Menschen getroffen und die Landschaft ist atemberaubend!"

Ziel der Reise war auch das Flüchtlingscamp Zaatari in der jordanischen Wüste. Das Flüchtlingslager liegt etwa eine Autostunde nördlich von Amman, nicht einmal zehn Kilometer südlich der syrischen Grenze. Zaatari gilt als eines der größten Flüchtlingslager der Welt. In der riesigen Containerstadt leben auf 18 Quadratkilometern fast 80.000 Syrer, also so viele Menschen wie in Gotha und Nordhausen zusammen.

Am Rande des größten Flüchtlingslagers der arabischen Welt traf Jürgen Landmann Jacob. Der 14-Jährige ist der älteste von vier Geschwistern und lebt mit seiner Familie seit über fünf Jahren in Zaatari. "Ursprünglich stammen sie aus Deraq bei Damaskus und sind wie viele andere Menschen vor dem Krieg geflohen", weiß Landmann, der sich lange mit Jacob über dessen Situation unterhalten hat. In Syrien sei es ihnen recht gut gegangen, sagte ihm Jacob, der in seiner Heimat drei Jahre die Schule besucht hat. Dann kam die Flucht. Jetzt im Flüchtlingslager gibt es keine Schule für Jacob. Der 14-Jährige muss seine Familie mit Geldverdienen unterstützen. Denn Jacobs Vater ist krank. Er kann nicht arbeiten und nichts zum Unterhalt seiner Familie beitragen. Deshalb arbeitet Jacob außerhalb des Lagers an einem Kiosk. Alles, was er für seine Arbeit braucht, hat sich der wissensdurstige Junge selbst beigebracht. An dem Kiosk, den ein Jordanier betreibt, verdient Jacob 150 JD (Jordanische Dinar) im Monat. Im Lager würde er für die gleiche Arbeit nur 90 JD erhalten. Flüchtlinge, die nicht arbeiten können, erhalten im Monat lediglich 20 JD pro Person – als Coupons zum Einkaufen, hat Jacob Jürgen Landmann erzählt. Strom, Wasser, Gas und Brot gibt es kostenlos.

In Zaatari müssen die Menschen auf engstem Raum in Containern leben. Jacob wohnt mit seinen Eltern und Geschwistern in einem Container mit zwei Räumen. Für die medizinische Versorgung sei ein marokkanischer Arzt zuständig und einfache Medizin gibt es umsonst, doch spezielle Medikamente müssen außerhalb des Lagers gekauft werden.

Da in einem Großteil seines Landes der Krieg vorbei ist, seien viele Flüchtlinge inzwischen zurück nach Syrien gekehrt und die Mehrheit will wieder in die Heimat, weiß Jacob. Er selbst würde zwar gern in Jordanien bleiben, seine Eltern jedoch möchten wieder nach Hause – sie bevorzugen wie so viele die Rückkehr. Über kurz oder lang wird Jacobs Vater eine Entscheidung treffen.

Doch noch liegt die ganze Verantwortung für die sechsköpfige Familie auf den jungen Schultern Jacobs. Und das hat ihn geprägt. "Der Junge hat während unseres ganzen Gesprächs einen ungemein erwachsenen und ernsten Eindruck gemacht", erinnert sich Jürgen Landmann. Gelächelt habe Jacob nur ein einziges Mal: "Als wir ihm einige Frisbees, die wir extra mitgebracht hatten, für ihn und seine Freunde zum Spielen gaben, huschte ein Lächeln über sein Gesicht".

Eindrücke und Fotos dieser Reise will Jürgen Landmann 2018 in einem Vortrag präsentieren. Zuvor startet er aber noch am Heiligabend, am 24 Dezember, auf eine fünfeinhalbwöchige Exkursion zum höchsten Berg Argentiniens und zum höchsten Vulkan Chiles – doch das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Jürgen Landmann (M.) mit dem Dolmetscher Ibrahim und Jacob (r.).
Der Thüringer Abenteuerreisende und Bergsteiger Jürgen Landmann war in der arabischen Wüste und bricht zu Weihnachten nach Südamerika auf.
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