Rattengift für Ausländer! Und tote Blumen leben länger! Ein Besuch bei Sina.

Der Blumenstrauß ziert das Fenster. Der Preis für ihn war hoch. Sina* und ihre Freundinnen gehen seit dem mit gemischten Gefühlen durch Zeulenroda-Triebes. Denn sie merkten, sie sind hier nicht willkommen.
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  • Der Blumenstrauß ziert das Fenster. Der Preis für ihn war hoch. Sina* und ihre Freundinnen gehen seit dem mit gemischten Gefühlen durch Zeulenroda-Triebes. Denn sie merkten, sie sind hier nicht willkommen.
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In Zeulenroda-Triebes wohnen seit wenigen Wochen mehr Menschen.

Normalerweise eine tolle Sache, wenn da nicht diese andere Hautfarbe, Sprache und Herkunft der „Neuen“ wäre. Denn die steigende Bevölkerungszahl in Zeulenroda-Triebes hat einen Haken, denn es sind keine Deutschen die gekommen sind, sondern Flüchtlinge! "Diese sind gefährlich für Kinder und Eigentum der Deutschen. Sie klauen, sind faul und die Grundstückspreise sinken wegen ihnen" - so jedenfalls die Meinungen vieler Menschen denen ich zugehört habe. Bei diesen Meinungen, fehlen mir meist die Worte und frage mich, warum solche generellen Vorurteile statt Aufgeschlossenheit?

Um mir ein eigenes Bild zu machen, habe ich Sina* besucht. Sie ist eine der „Neuen“ Zeulenroda-Triebeser und kommt aus Eritrea. Die junge Dame wohnt vorübergehend zusammen mit 5 jungen Frauen aus Afrika in einer 4-Raum-Wohnung in Zeulenroda-Triebes. Die Flucht durch die Wüste und durch Europa hat sie überstanden und ist glücklich über jeden Tag in Sicherheit. Ob ihre Eltern noch leben, weiß Sina* nicht. Sie wartet auf Post, ob sie in Deutschland bleiben darf.

Ein hoher Preis für einen weggeschmissenen Kunstblumenstrauß

Sina* hat seit wenigen Tagen einen Plastik-Blumenstrauß, den sie im Sperrmüll in einem Zeulenrodaer Wohngebiet entdeckt hat. Sie wunderte sich, dass Menschen so etwas Tolles wegschmeißen und nahm ihn mit. Nun steht er auf ihrem Fensterbrett um das Zimmer etwas lebendiger zu gestalten. Doch der Preis dafür war hoch.

Was sie nicht wusste, beim Sperrmüll durchschauen wurde sie heimlich fotografiert und die Schnappschüsse im Internet auf einer Facebookseite veröffentlicht. Das Gute daran: Während Deutsche im Sperrmüll wühlen und sich keiner daran stört, hat die Veröffentlichung dieser Fotos die wahre Meinung von manchen Menschen offiziell ans Licht gebracht.
Dort werden die Flüchtlinge als Dreckspack und Affen beschimpft, die man auf die Reise schicken soll. Europa sollte nur für Weiße da sein und einer möchte Rattengift streuen, in der Hoffnung, dass die Flüchtlinge es für Bonbons halten. Einmal wird das Wort "anzünden" erwähnt, was mich gleich an Rostock 1992 erinnert, als ein Wohnheim angezündet wurde. Nun scheint alles wieder von vorn zu beginnen. Aber Dank der Facebook-Kommentare, wissen die Menschen jetzt welche verachtende Meinungen existieren.

Sina* hat auf mich einen sehr fleißigen und toleranten Eindruck gemacht. Ich würde mir wünschen, manche langzeitarbeitslose Deutsche, die ganz offiziell keinen Bock zum arbeiten haben, würden so engagiert und fleißig sein wie Sina* - die nix hat, außer den Plastikblumenstrauß, eine ungewisse Zukunft und trotzdem ein friedliches Lächeln im Gesicht.

* Name zum Schutz der Person geändert.

Autor:

Marcus Daßler aus Zeulenroda-Triebes

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