Naturfreund Reiner Baumann berichtet
Es sind ja nur Vögel --- ein Rückblick auf das Jahr 2018

An erster Stelle einen herzlichen Dank an diejenigen, die sich hauptberuflich oder ehrenamtlich aktiv für Natur- und Umweltschutz einsetzen. Unzählige Stunden werden damit verbracht, Pflanzen, Vögel, Schmetterlinge, Insekten sowie anderes Getier zu beobachten und zu dokumentieren.
Dazu kommt dann noch die von der NABU angeregte Aufforderung an die Bevölkerung, jährlich an der Vogelzählung in Garten, Wald und Flur möglichst zahlreich mitzuwirken.
Eigentlich eine gute Sache, aber ist den Vögeln damit wirklich geholfen oder dient das nur statistischen Erhebungen? Nur wer sich damit intensiv befasst, kann wissen, was in diesem Jahr z.B. in und am Rande vom Naturschutzgebiet Pausaer Weide und dem Vogelschutzgebiet Nordwestvogtländische Teiche und Moore Oberlinda so alles passiert ist.
Mehrere zerstörte Greifvögelhorste in unmittelbarer Nähe am Standort eines geplanten Windrades im Vorranggebiet W13 zwischen Bernsgrün und Pausa. Dann waren noch drei fast flugfertige am Boden sitzende Jungbussarde, die infolge der Schwere durch Nässe oder des starken Windes aus ihren Horsten geblasen wurden. Das ist schon alles traurig genug.
Aber wie sieht es mit den neun toten Individuen wie Nordfledermaus, Zwerg- und Zweifarbfledermäuse sowie ein Sommergoldhähnchen aus, die bei den vier Ebersgrüner WEA zufällig gefunden wurden, innerhalb von nur sechs Wochen.
Desweiteren in unmittelbarer Nähe zu den WEA ein Rotmilan, zwei Bussarde und eine Waldohreule, die vermutlich den Windradflügeln nicht ausweichen konnten und Schlagopfer wurden.
Getoppt wurde das Ganze mit kompletten Rodungen von Bäumen und Büschen mit schwerer Technik an zwei Teichen und einem Gehölzstreifen. Drei massive Eingriffe in die Natur. Das Resultat sind zwei auf Jahre zerstörte Brutplätze des seltenen Neuntöters, der in vielen Gebieten Deutschlands auf der Roten Liste steht, sowie der Entzug des Nahrungsgebietes des selten gewordenen Raubwürgers.
Auch anderen Lebewesen wie Kamm- und Teichmolch, Kröten, Frösche, Libellen und Schmetterlinge wurde der Lebensraum erst mal entzogen, darunter die geschützte Große Moosjungfer.
Ist es nur Unwissenheit der Eigentümer und Pächter? Aber gerade ihnen müssen doch §44, Abs. 1, Nr. 3 BNatSchG und § 33 bekannt sein. Jeder Laie und Naturfreund weiß, dass man bei intensiver landwirtschaftlicher Nutzung Büsche und Bäume ab und an beschneiden muss. Doch das geht auch in kleineren Schritten und muss in geschützten Bereichen nicht unbedingt Kahlschlag mit schwerer Technik sein.
Verständlicherweise können Naturschutzbehörden nicht immer und überall sein, um die Einhaltung bestehender Gesetze und Verordnungen zu kontrollieren. Erfreulicherweise entdecken immer mehr Menschen ihre Liebe zur Natur wieder. Deren Hinweise sind es auch, die mit dazu beitragen, Natur- und Artenschutz mit privater und landwirtschaftlicher Nutzung in Einklang zu bringen.
Text und Foto Reiner Baumann

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