Mit der Stadtführerin auf Friedhofstour

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"Friedhöfe sind ein Stück Kunst- und Kulturgeschichte und Dokumente unserer Heimatgeschichte", sagt Johanna Kühnast.

Die Greizer Stadtführerin beginnt ihren Friedhofsrundgang im Hof des Unteren Schlosses. "Hier befand sich der erste Friedhof der Stadt", weiß sie, denn früher wurden die letzten Ruhestätten in unmittelbarer Nähe der Kirchen angelegt. So verwundert es nicht, dass sich der erste Greizer Friedhof um die Stadtkirche vom Kirchplatz bis zum Burgplatz ausbreitete. Um die Reformationszeit wurde das Areal erweitert und erstreckte sich über das Gebiet des heutigen Dr.-Rathenau-Platzes bis hin zur Sparkasse. Es soll schon vorgekommen sein, dass man bei späteren Bebauungen immer mal wieder auf Gebeine Verstorbener stieß. Vielleicht auch deshalb wurde der Gottesackerfriedhof als dritte Greizer Grabstätte angelegt.

Der parkähnliche Gottesackerfriedhof oder auch Alte Friedhof erfuhr in seiner Geschichte eine recht wechselvolle Nutzung, im Siebenjährigen Krieg beispielsweise als Truppenquartier und später als Feldlazarett. In den Jahren 1912 bis 1913 erfolgte der Neubau der Gottesackerkirche. Die wird heute aber nicht mehr genutzt, ebensowenig wie der Alte Friedhof. Die letzte Beisetzung hier fand im Jahre 2000 statt. Größere Aufmerksamkeit erfuhr das Areal noch einmal vor zehn Jahren durch die Umsetzung des früher am Parkeingang stehenden Mahnmals hierher. Auch die sogenannten Russengräber wurden vom Greizer Park auf den Alten Friedhof umgesetzt. Interessante Grabstätten befinden sich auf dem vorderen Areal, so der Hallelujah-Oberlisk, um den sich steinerner Efeu rankt und das Vater-Sohn-Grab des Theologen Friedrich Traugott Wettengel. Um so schmerzhafter ist es, dass die Nutzungszeit des Gottesackerfriedhofes im Jahre 2020 abläuft.

Die letzte und umfangreichste Etappe der Friedhofstour mit Johanna Kühnast ist der Neue Friedhof. Auf dem idyllisch zwischen Leonhardtstraße und Krümmetal gelegenem Areal haben zahlreiche Persönlichkeiten ihre letzte Ruhe gefunden. Die prächtigsten Grabstätten gehörten Textilunternehmern - davon gab es um 1900 rund 200 in der Stadt. Allein die Familie Schilbach hat auf dem Neuen Friedhof fünf einst repräsentative Grabstätten belegt. Aber auch der fürstliche Hoffotograf Heinrich Fritz und seine Familie, MR Dr. Georg Wichmann, der die Entwicklung des Greizer Krankenhauses zum Beginn des vorigen Jahrhunderts voran trieb, sowie bekannte Persönlichkeiten der jüngeren Geschichte wie die Bildhauerin Elly-Viola Nahmmacher, der Publizist Franz Hauschild und der Schriftsteller, Maler und Musiker Günter Ullmann fanden hier ihre letzte Ruhestätte.

Neben prunkvollen Grabstätten gibt es viele liebevoll gestaltete, schlichte Gräber sowie Urnen-Gemeinschaftsanlagen in verschiedenen Formen, zahlreiche Holzkreuze für die Gefallenen der Weltkriege, eine Anlage für Totgeburten und im hinteren Bereich ein Areal, auf dem sogar bereits eine Art Baumbestattungen durchgeführt werden.

Für einen besinnlichen Rundgang mit Muse sollte man sich Zeit nehmen, denn auf dem Neuen Friedhof gibt es viel zu entdecken. Oder sich einer geführten Friedhofstour mit Johanna Kühnast anschließen.

Termine und Informationen: https://www.greiz.de/tourismus/tourist-information.html

Autor:

Gerd Zeuner aus Zeulenroda-Triebes

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