Jahresempfang des Landkreises Greiz 2019
Bilanzen und Ausblicke

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Den Jahresempfang des Landkreises Greiz 2019 nutzte Landrätin Martina Schweinsburg am Freitagabend in der Vogtlandhalle nicht nur für einen Rückblick auf das Jahr 2018, sondern ließ auch die Entwicklung der vergangenen 25 Jahre im Landkreis Revue passieren und gab einen Ausblick auf die Herausforderungen der Zukunft.

Hier das Redemanuskript der Landrätin:

Ansprache der Landrätin Martina Schweinsburg zum Jahresempfang
des Landkreises Greiz am 29. März 2019 (Es gilt das gesprochenen Wort!):

Guten Abend und herzlichen Dank unserer Vogtland-Philharmonie unter Leitung von Herrn GMD Stefan Fraas. Danke auch für die Bilder des vergangenen Jahres, die eindrucksvoll zeigen:
Ja, es lohnt sich im Landkreis Greiz zu leben!

In diesem Sinne freue ich mich, dass Sie so zahlreich meiner Einladung zu unserem Jahresempfang gefolgt sind und heiße Sie herzlich willkommen.

Willkommen, den Abgeordneten des Bundes- und Landtages, den Mitgliedern des Kreistages, den Stadt- und Gemeinderäten, meine Kollegen Landräten Andreas Heller aus dem Saale-Holzland-Kreis, Thomas Fügmann aus dem Landkreis Saale-Orla und Uwe Melzer aus dem Altenburger Land, den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, namentlich dem Hausherr Alexander Schulze hier aus Greiz und den 2018 neu ins Hauptamt gewählten Heinz-Peter Beyer aus Berga, Nils Hammerschmidt aus Zeulenroda-Triebes und Heinz Hopfe aus Weida. Willkommen auch Ihnen, den Vertretern des öffentlichen Lebens, der Verbände und Vereine, den Vertretern der Wirtschaft, der Kirchen, der Bildung sowie der Presse. Und wie in jedem Jahr ein besonderer Gruß den Trägern unseres Gemeinwohls, den ehrenamtlich Tätigen und engagierten Bürgerinnen und Bürgern hier im Landkreis Greiz!

Verehrte Gäste,
ich hoffe, in meinen Begrüßungsworten nicht allzu viele Fehler in Blick auf die in regelmäßigen Abständen aufploppende Gender-Diskussion begangen zu haben. Sehen Sie es mit also bitte nach, wenn ich Frauen, Männer und was weiß ich nicht noch alles in meinen folgenden Ausführungen nicht immer explizit benenne. Seien Sie versichert: Sie alle genießen meine Wertschätzung – gleichberechtigt - diskriminierungsfrei und selbstverständlich ohne Vorurteile.
Wussten Sie übrigens, dass es allein an deutschen Universitäten, Hochschulen und Instituten 215 Professuren gibt, die versuchen dem Gender-Thema einen wissenschaftlichen Hintergrund zu verleihen? Als ob wir – und damit meine ich auch die große Politik – nicht genug andere Herausforderungen zu lösen haben, als den korrekten geschlechterspezifischen Umgang. Wobei: Was wäre dann geschlechterspezifisch, wenn es doch eigentlich keine konkrete Zuordnung mehr geben soll?

Eine Frage der konkreten Zuordnung würde ich mir da viel lieber mit Blick auf das heutige Datum wünschen. Denn kaum an einem anderen Tag wie heute, dem 29. März 2019 wird sichtbarer, wie wichtig eine klare Ordnung ist und welche Auswirkungen es hat, wenn politischer Aktionismus mühsam Aufgebautes in Frage stellt. Nun, der Brexit ist wohl männlich, Theresa May weiblich und das Problem, dass ich heute nicht weiter vertiefen möchte sächlich.
Und wenngleich mir jegliches Verständnis dafür fehlt, wie verantwortungslos die Akteure dabei vornehmlich auf der Insel agieren, finde ich es traurig, dass die Volkswirtschaften unserer Länder nun Lösungen finden müssen, um den Waren- und Dienstleistungsverkehr in geordnete Bahnen zu bringen, und dass womöglich mit im 21. Jahrhundert neu errichteten Zollschranken a la Mittelalter.
Hoffen wir also, dass unser Europa, so wie wir es mühsam mit Diplomatie und Augenmaß, mit Gespür für das Machbare und mit dem Willen der Mehrheit der Völker zu einem friedlichen, gemeinsamen Wirtschafts- und Lebensraum aufgebaut haben nicht weiter zur Disposition gestellt wird.

Verehrte Gäste, weibliche, männliche und sonstige, blicken wir von der Weltpolitik lieber in unsere Heimat! Blicken wir in das Vogtland und unseren Landkreis Greiz. Hier leben, arbeiten und gestalten wir - und das, meine Damen und Herren, erfolgreich und in wohlgeordneten Strukturen seit nunmehr einem Vierteljahrhundert.

Und so spreche ich heute - nachdem ich dies im vergangenen Jahr aus den Ihnen bekannten Gründen nicht getan habe – gern über unsere Entwicklung, die Entwicklung des Landkreises Greiz vom Armenhaus Ostthüringens zu einem lebens- und liebenswerten Lebensraum, gut aufgestellt, wirtschaftlich erfolgreich, kulturell anspruchsvoll und trotzdem bodenständig.

Und um ihre Erinnerung ein wenig zu beflügeln und den Jüngeren - selbstverständlich auch den „Zugezogenen“ - einige Einblicke zu ermöglichen haben wir etwas in den Archiven gekramt und einige Momente aus diesen 25 Jahren in Bildern zusammengestellt, die Sie nun hinter mir sehen. Blicken wir also zurück und erinnern uns!

Begonnen hatte es nach der Wende mit harten und gravierenden Umbrüchen. Speziell in der Wirtschaft war dies für uns mit den denkbar schlechtesten Ausgangsbedingungen verbunden. Kaum jemand in Mitteldeutschland war so stark vom Strukturwandel betroffen wie unsere Region. Abwicklung, Zerschlagung, Neuorientierung und Sanierung standen auf der Tagesordnung. Schmerzlich waren die Einschnitte, viele von uns hier im Saal waren persönlich betroffen.

Aber, wir packten an, wo es anzupacken gab. Mit Ideenreichtum, Mut und Engagement lebten Totgesagte neu auf, wurden aus kleinen Setzlingen unternehmerischen Handels stattliche Bäume, die in ihren breit gefächerten Kronen auch zwischenzeitlich nicht ausgebliebenen Stürmen trotzten und heute einen staatlichen, gesunden Mischwald bilden - um bei der Metapher zu bleiben.
Viele Unternehmen sind in Ihrer Branche inzwischen Marktführer oder auf dem Weg dorthin. Ich denke dabei an Traditionsunternehmen mit über 100-jähriger Geschichte darunter Barat in Auma, Briefodruck in Wünschendorf, das Chemiewerk in Bad Köstritz oder Spaleck hier in Greiz, wo es in wenigen Tagen 150 Jahre sein werden.
Ich denke aber auch an Unternehmen wie das Dolomitwerk in Wünschendorf, mit dem einzigen seit 1990 neu aufgefahrenen Untertagebergwerk in Thüringen oder Bauerfeind in Zeulenroda-Triebes - ein weltweit agierender Konzern, der mit dem einzigen Hochhausneubau in Ostdeutschland zu seinen Wurzeln zurückgekehrt ist.
Unternehmen, die sich neu in unserer Region ansiedelten und zwischenzeitlich beachtlich gewachsen sind möchte ich hinzufügen und nenne beispielhaft Firmen wie Horsch in Ronneburg, Bachl in Paitzdorf oder Innofol hier in Greiz.

Aber, verehrte Gäste, nicht minder bedeutsam sind die vielen kleinen Unternehmen, die unseren Wirtschaftsstandort prägen und in Summe die meisten Mitarbeiter beschäftigen. Ihnen widmen wir seit 2010 einen Preis, um uns für Engagement, unternehmerischen Mut und Erfolg abseits des großen Rampenlichts zu bedanken. Ja, wir haben - trotz schwierigerer Rahmenbedingungen die Entwicklungsperspektiven unserer Bestandsunternehmen im Blick, will heißen: gute Infrastruktur, zügige Genehmigungsverfahren und wirtschaftsfreundliche Entscheidungen. Im Ergebnis erreichte die Investitionstätigkeit der Wirtschaft im Landkreis Greiz 2018 mit rd. 70 Mio. Euro einen neuen Spitzenwert.

Bedenkt man wo wir starteten, kann sich unsere Wirtschaftsleistung heute also durchaus sehen lassen.
Die Erwerbslosenquote einschließlich der Entwicklung im Bereich der Langzeitarbeitslosigkeit verzeichnet saisonbereinigt mit 5,2% den niedrigsten Wert seit der Wende. Wer sich erinnert: Noch vor 15 Jahren sprachen wir hier über Quoten von mehr als 17% und enormen Herausforderungen in der Beschäftigungspolitik. Für uns damals Grund genug, ab 2012 als Optionskommune aktiv mit eigenem Jobcenter das Thema zu besetzen – erfolgreich, wie der Rückblick zeigt.

Wenn wir über Wirtschaft sprechen, dann gehört für mich selbstverständlich eine Branche hinzu, die häufig unerwähnt bleibt und meist nur dann in den Fokus gerückt wird, wenn es Krisen oder Probleme gibt. Dabei bewirtschaftet sie nicht nur unsere Nutzflächen und sorgt für qualitativ hochwertige, gesunde und nach den Kriterien guter fachlicher Praxis erzeugte Lebensmittel. Diese Branche trägt maßgeblich zur Pflege unserer Kulturlandschaften bei und hinsichtlich ihrer Strukturen entwickelte sie sich hier im „Allgäu des Ostens“ - wie es mit Blick auf die enorme Leistung in der Milchwirtschaft ein zwischenzeitlich im Ruhestand befindlicher Vertreter des Berufsstandes einmal treffend formulierte – zu einer leistungsfähigen, grundsoliden und zukunftsfähigen Branche. Ich spreche von unserer Landwirtschaft und bin stolz darauf.

Ebenso stolz bin ich – und auch Sie dürfen dies zu Recht sein - über die enorme Aufbauleistung unserer regionalen Wirtschaft in ihrer Gesamtheit. Dafür gilt mein Dank Ihnen, den Unternehmerinnen und Unternehmern im Landkreis Greiz!

Verehrte Gäste, sicher, die Wirtschaft ist und bleibt die entscheidende Triebkraft unserer Entwicklung. Wir, die Kommunen und Landkreise, aber auch die Länder und der Bund, ja unser gesamtes Gemeinwohl sind davon abhängig, denn nur was erwirtschaftet wird kann auch verteilt werden.
Dass diese Verteilung nicht immer sinnvoll und mit Augenmaß geschieht, lehrt uns nicht erst die jüngere Geschichte. Beispiele denke ich, kennen Sie alle zur Genüge.
Statt kostspieliger Prestigevorhaben konzentrierten wir uns im Landkreis Greiz auf unsere Schulen, auf Kinder- und Freizeiteinrichtungen, auf Sanierungsmaßnahmen unserer Dörfer und Städte und auf unzählige Kreisstraßenkilometer, die wir in den vergangenen Jahren grundhaft ausbauten. Kaum eine Ecke im Landkreis Greiz, in der nicht Ortslagen, Brücken oder Fahrbahnen in die Kur genommen wurden und bis heute werden. Weit über 300 Millionen Euro konnten wir so in die Region investieren. Mehr als die Hälfte für den Schulbau und die Schulsanierung. Denn gerade Investitionen in Schulen sind es, die Zukunftsfähigkeit ermöglichen, ganz gleich in welcher Schulform und Schulgröße. Aber darauf komme ich noch zu sprechen.

Der Chronologie folgend erinnere ich zunächst an die frühen Herausforderungen für den Landkreis. Die 1995 beginnende schrittweise Sanierung und Modernisierung unserer Krankenhäuser beispielsweise. Kreisräte aus dem Altkreis Gera-Land erinnern sich gewiss noch an die heftigen Debatten um die Zukunft des Ronneburger Krankenhauses. Aus heutiger Sicht gebührt unser Dank jenen, die sich gegen alle Widerstände mit ihrer Idee von einer Fachklinik für Geriatrie und Chirurgie durchgesetzt haben. Diese kreiseigene GmbH ist heute nicht nur in der Fachwelt anerkannt. Sie genießt einen guten Ruf und ist wirtschaftlich erfolgreich. Gegenwärtig wird sie bereits zum zweiten Mal großzügig erweitert um mit einer geriatrischen Rehabilitationsklinik für die Anforderungen und Bedarfe der Zukunft gewappnet zu sein.
1995 begann auch der Um- und Neubau des Krankenhauses in Greiz. 13 Jahre waren dafür veranschlagt. Etappenweise wurde auf dem mehr als nur schwierigem Baufeld (denn in Greiz steht ja fast alles immer irgendwie am Hang) ein Gebäudekomplex geschaffen, der für Krankenhausarchitektur und Funktionalität noch immer beispielgebend ist.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
wenn wir zurück blicken, dann darf die wohl größte Herausforderung, vor der der Landkreis mit seiner Gründung stand nicht fehlen. Ich spreche von der Sanierung der Hinterlassenschaften des Uranerzbergbaus und dem damit verbundenen Strukturwandel in der Wismut-Region! Um für eine ausgebeutete und geschundene Landschaft neue Perspektiven zu finden, die weit über die bloße Sanierung hinausgehen, waren Ideen gefragt und viel Geld. 1995 nahm vor diesem Hintergrund das Projekt BUGA 2007 Gera-Ronneburg Fahrt auf. 1997 begann ein einmaliger Revitalisierungsprozess der sprichwörtlich Berge versetzte und 2000 auf der EXPO mehr als nur Aufmerksamkeit erregte. Rund sechs Milliarden Euro wurden investiert, um eine geschundene Region in eine blühende Landschaft zu verwandeln. Dies wäre ohne die Wismut GmbH und ihren Sanierungsauftrag so nicht möglich gewesen und dafür danke ich an dieser Stelle sehr herzlich.

Durch die BUGA sind in Ostthüringen neue Perspektiven und Möglichkeiten für die nachhaltige Nutzbarkeit der Bergbaufolgeflächen eröffnet worden, die ohne die Gartenschau in diesem Ausmaß und der Kürze der Zeit nicht entstanden wären. Und bedenkt man, dass vom Gesamtfinanzierungsvolumen der BUGA 2007 rd. 110 Mio. Euro auf Investitionen mit dauerhafter Wirkung entfielen und in die Region vergeben wurden, wird deutlich das der Landkreis als verlässlicher Investor und Auftraggeber für viele kleine und mittlere Unternehmen agiert. Dies tut er übrigens nicht allein, denn auch die Kommunen im Landkreis Greiz haben in den letzten 25 Jahren fleißig investiert. Straßen wurden erneuert, Gewerbegebiete erschlossen, neue Wohnquartiere entwickelt und Kultur- und Freizeiteinrichtungen errichtet oder saniert.
Und dass nicht nur in der Kreisstadt, deren Bild sich von der Smog-belasteten Industriestadt hin zu einer schmucken Residenzstadt mit historischem Charme veränderte und heute neben unserer Vogtlandhalle über attraktive Sport- und Kulturstätten verfügt. 2009 präsentierte sich die Stadt stolz zu ihrem 800-jährigen Jubiläum als Gastgeberin des Thüringentages. Und auch 10 Jahre später gilt noch immer: Greiz hat Reiz!
Für die Stadt- und Ortsbilder im gesamten Landkreis trifft dies gleichermaßen zu. Sie präsentieren sich heute freundlich, sind oftmals hübsch herausgeputzt und spiegeln Fleiß, Engagement und Gestaltungswillen ihrer Bürger wider.

Allerdings ist dieser Gestaltungswille leider nicht immer vollumfänglich ausgeprägt. Denn obwohl uns allen bewusst ist, dass Eigentum eine Verpflichtung darstellt, entziehen sich einige ihrer Verantwortung. So verkommen - nachdem sie 40 Jahren sozialistischer Mangelwirtschaft trotzten - mancherorts stolze Gründerzeithäuser nunmehr zu Ruinen. Nicht schön, aber hinnehmbar, sofern keine Gefahr von ihnen ausgeht. Letzteres ist aber zunehmend der Fall, zwingt Behörden zum Einschreiten, führt für uns alle zu Einschränkungen und bürdet der Gesellschaft hohe Kosten auf. So ist das Solidaritätsprinzip aber nicht zu verstehen und das Problem - auch wegen einer komplexen Rechtslage - nicht einfach durch den Ruf nach der öffentlichen Hand zu lösen. Eigentum verpflichtet meine Damen und Herren!

Verehrte Gäste, vom Grunde her sind wir Vogtländer dennoch verantwortungsbewusst. Auch ist nach 25 Jahren unser Wille, die Heimat zu gestalten und zu bewahren, ungebrochen. Und wir haben ein sensibles Gespür dafür entwickelt, wenn unserem Lebensraum und seinen Bürgern Schaden droht. Wachsamkeit und Protest ob gegen Starkstromtrassen, Windparks oder die für 2017 geplanten Kreiszusammenlegungsphantasien, schweißten uns zusammen und tun es noch immer.

Denn meine sehr geehrten Damen und Herren, wie wichtig Zusammenhalt und bürgerliches Engagement sind, wurden vor nunmehr sechs Jahren besonders deutlich. Anders als sonst, zeigte sich 2013 das Wetter Ende Mai von seiner besonders nassen Seite. Schnell erreichten die Pegel der Elster und ihrer Zuflüsse Rekordwerte, die wir alle für nahezu ausgeschlossen hielten. Und so musste ich, erstmals in meiner Amtszeit, am 02. Juni 2013 um 14:03 Uhr Katastrophenalarm für den Landkreis Greiz auslösen – ein hoffentlich einmaliger Vorgang.
So schnell wie das Wasser kam, so schnell mussten wir handeln und das taten wir; tatkräftig, entschlossen und verantwortungsvoll. Und wir erfuhren dabei Hilfe und Solidarität weit über die Grenzen unseres Freistaates hinaus. Mehr als 1.100 Einsatzkräfte der Wehren, der Bundeswehr, der Hilfsorganisationen - unterstützt durch ein Vielfaches an Bürgerinnen und Bürgern – sie alle letztendlich erfolgreich im Kampf gegen das Wasser, denn wir hatten kein einziges Menschenleben zu beklagen.
Zwischenzeitlich ist nahezu alles wieder aufgebaut. Schäden wurden beseitigt, Hilfsgelder ausgezahlt und noch umfangreicher in den Hochwasserschutz investiert als zuvor. Investitionen in Sicherheit, die uns noch lange weiter begleiten werden.

Verehrte Gäste, dass wir der Kultur in unserem Landkreis von jeher einen hohen Stellenwert beimessen - was übrigens analog dem Sport und der Vereinstätigkeit auch für unsere Kommunen zutrifft – dürfte Ihnen allen hier im Saal nicht neu sein. Und so bestimmt seit 2011 die Vogtlandhalle als Besuchermagnet das kulturelle Leben ebenso mit wie die sanierten Einrichtungen der Museen der Stadt Greiz, in Zeulenroda-Triebes, das Heinrich-Schütz-Haus in Bad Köstritz und die Kultur- und Bürgerhäuser in den Gemeinden. Aber auch die kleinen, häufig privat oder auf Vereinsebene initiierten Objekte und deren Angebote machen unsere Vielfalt aus. Gern erinnere ich an unser Sommerpalais im fürstlich Greizer Park und dessen Sanierung in einer über sieben Jahre dauernden Bauzeit. 250 Jahre steht es in diesem Jahr und wie all die anderen, darunter die 2017 neu errichtete Seestern-Panoramabühne am Zeulenrodaer Meer ist es immer einen Besuch wert.
Und selbstverständlich zeigen wir dies alles auch unseren Gästen. Das druckfrische Vogtland-Journal habe ich Ihnen heute auslegen lassen. Seien sie also ebenso inspiriert, wie die erfreulich zunehmende Zahl an Touristen, die unser Vogtland besuchen.

Verehrte Gäste, um Ihre Geduld nicht unnötig zu strapazieren erspare ich Ihnen und mir einen Exkurs in weitere Themen, die für den Landkreis und die Entwicklung unserer Region der letzten 25 Jahre nicht minder wichtig oder bedeutend waren. Alle verbunden mit dem Engagement der Macher, der Kümmerer und der Aktiven, die manchmal öffentlich, meistens aber lautlos im Verborgen die Zeichen der Zeit erkannten, Lösungen fanden und Strukturen anpassten um wie man heute so schön formuliert – richtig aufgestellt zu sein.
Richtig aufgestellt, und zwar recht zügig- waren wir auch, als sich aus den unterschiedlichsten Gründen Menschen auf den Weg nach Europa machten. Sei es aus Furcht um das eigene Leben oder der Sehnsucht nach besseren Lebensbedingungen. Wir handelten rasch und selbst als im Jahr 2015 knapp 1.000 Menschen zu uns kamen - niemand schlief im Landkreis Greiz in Zeltstädten oder Turnhallen!

Von jeher reflektieren wir also unser Handeln, prüfen unsere Schritte und stellen uns auch in schwierigen Situationen so auf, dass wir Herausforderungen aktiv begegnen und Zukunftsfähigkeit gestalten können - ohne von Dritten gestaltet zu werden. Und da brauchen wir auch keine belehrenden Studien beziehungsweise Gutachten, ab welcher Einwohnerzahl eine Gemeinde, Stadt oder ein Landkreis eine selbstständige Daseinsberechtigung hat oder - und damit komme ich zur aktuellen Diskussion – für wie viele Schüler an welchem Schulstandort Lernen richtig oder gar effizient ist.

Wer mich kennt weiß, die optimalen Gestaltung der Zukunft für unsere Jugend in der Heimat ist für mich mehr als ein Grundanliegen. Ob bei Partnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen, bei der Berufsorientierung, dem Schulbau in jeglicher Form - auch dem der Berufsschulen, wie unser 2013 für 7,8 Mio. Euro übergebenes Berufsbildungszentrum „Ernst Arnold“ eindrucksvoll belegt –- oder der Schaffung von Förderzentren, als diese politisch noch korrekt waren. Unser Schulen konnten und können sich bis heute sehen lassen und wir sind mit unseren Sanierungsvorhaben noch längst nicht am Ende.

Wir investierten und investieren! Und wo Fördermittel ausblieben taten wir es selbst, um Unterrichtsräume funktional und freundlich zu gestalten, Sportstätten und Turnhallen attraktiv und sicher zu machen, Schulen als Orte gesellschaftlichen Lebens zu verstehen.
Allein in der letzten Wahlperiode unseres Kreistages wendeten wir so knapp die Hälfte unseres Investitionsvolumens in Höhe von 28 Mio. Euro für Schul- und Schulsportbauten auf. Und in diesem Jahr werden es nochmals knapp vier Mio. Euro von dann sieben Mio. sein. Insofern gilt an dieser Stelle mein Dank all jenen verantwortungsvollen Kreisräten, die mit der Zustimmung zu unseren Haushaltsplänen diese Entwicklung überhaupt erst ermöglicht haben. Denn wie gesagt: Schulinvestitionen sind Zukunftsinvestitionen!

Darüber hinaus organisierten wir als Modellprojekt erfolgreich die Hortbetreuung an unseren Grundschulen, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als auch auf diesem Gebiet in Erfurt Zentralisierungsphantasien um sich griffen. Wir entwickelten Projekte wie die digitalen schwarzen Bretter, das Ausbildungsportal und Formate wie „Lehrer treffen Wirtschaft“. Mit unserer Schulnetzplanung schufen wir die Struktur, passten sie - manchmal auch schmerzlich für Betroffene - den sich verändernden Bedarfen an und erreichten Planungssicherheit. Wir gestalteten und zwar erfolgreich!

Und nun? Nun soll ein neues Thüringer Schulgesetz nicht nur reformierend in unsere Arbeit eingreifen, es soll Gewachsenes zerstören, keinen Stein auf dem anderen lassen und das gegen den erklärten Willen aller kommunalen Schulträger. Weder wir Schulträger, noch die Lehrer, Kinder und Eltern wollen ausbaden, was auf Landesebene über Jahre hinweg verschlafen wurde. Die Regierenden in Erfurt ergehen sich in Aktionismus, feiern sich für hunderte neue Lehrerstellen und einen Gesetzentwurf, von dem nach meinem Empfinden nur einer komplett begeistert ist – nämlich der Minister selbst.

Erfreulich, dass zumindest dieser nach Protest aus allen Ebenen nun eingelenkt hat in der Frage nach der sinnvollen Klassengröße. Hoffen wir, dass er sich von unseren sachlich fundierten Argumenten hat leiten lassen und nicht nur oberflächlich ein Wahlkampfthema beräumt.
Dennoch, ich bin stolz, dass wir es in der Einigkeit von Thüringischem Landkreistag, Gemeinde- und Städtebund und den Vertretern der Betroffenen geschafft haben und danke allen Mitstreitern an dieser Stelle ausdrücklich.
Gern zitiere ich hier einen Spruch des deutschen Dichters Friedrich Rückert, den ich im Amtszimmer eines Kollegen las und der den Nagel - wie ich finde- auf den Kopf trifft: „Das sind die Weisen, die durch Irrtum zur Wahrheit reisen. Die bei dem Irrtum verharren, das sind die Narren.“

Nun hoffentlich verharrt diese Landesregierung auf ihrer Zielgeraden nicht weiter im Irrtum, denn wir werden es nicht zulassen, dass massenweise Schulen im ländlichen Raum geschliffen werden. Was sollen wir denn von den viel beschworenen Schulkooperationen halten, wenn Stundenausfälle und Lehrermangel eine Absicherung des Schulbetriebes ohnehin nur eingeschränkt zulassen. Da hilft es auch nicht solange Sandkastenspiele zu veranstalten bis Schulgrößen und Lehreranzahl wieder passen.

Ihnen, verehrte Schulleiterinnen und Schulleiter, die diesen den Mangel täglich auf´s Neue verwalten gilt mein ausdrücklicher Respekt. Und ich richte heute meinen aufrichtigen Dank an Sie, die Lehrerinnen und Lehrer, die in unserem Landkreis Schule gestalten um jungen Menschen Bildung und Perspektiven zu vermitteln. Perspektiven und Überzeugungen, für die man als Schüler übrigens auch nach Schulschluss eintreten kann!

Meine sehr geehrten Damen und Herren, 30 Jahre wird es im November her sein, dass mit dem zunächst stillen, dann immer lauter werdenden Protest und schließlich dem Ruf „Wir sind das Volk!“ in unserem Teil Deutschlands ein gesellschaftliches System sein Ende fand, dass sich zu Recht als Irrtum der Geschichte erwies. Das passende Zitat hatten wir ja eben.

Schabowskis Zettel brachte die seit Sommer ´89 durchlässiger werdende Mauer endgültig zu Fall und in der Noch-DDR gab es erstmals einen Wahlkampf um die Sitze in der ersten frei gewählten Volkskammer, für die sage und schreibe damals 24 Parteien und Gruppierungen kandidierten. Ich erinnere mich noch gut an die Euphorie über diese ersten freien Wahlen im Osten Deutschlands und den Weg dorthin. Die damals so häufig im Munde geführte junge Demokratie ist zwischenzeitlich zwar erwachsener geworden, aber keinesfalls wurde der Umgang mit ihr leichter. Im Gegenteil. Die aktuellen Diskussionen um Extremismus und Separatismus, mangelnde Toleranz und das Aufkündigen von mühsam errungenen internationalen Verträgen machen deutlich – Demokratie – im Kleinen wie im Großen - ist verletzlich und bedarf unser aller Schutz.
Deshalb sei mir ein Wort an all jene gestattet, die in politischer Verantwortung stehen und an jene, die danach streben: Wer sich in diesem Jahr zur Wahl stellt, ganz gleich ob für das Europäische Parlament, den Thüringer Landtag unseren Kreistag, Stadt-, Gemeinde- oder Ortsteilräte – sie oder er stellt sich vor allem einem, der Last der Verantwortung. Da reicht es nicht, nur gegen etwas zu sein, da braucht es Visionen, Mut und Tatkraft.
Für mich erfreulich, dass in unserem Landkreis immer wieder Menschen dazu bereit sind, sich dieser Verantwortung zu stellen. Ihnen allen gilt mein Respekt. Und diesen Respekt sollten wir – wie es sich für Demokraten gehört – auch in der Zeit des nun langsam einsetzenden Wahlkampfs wahren.

Denn wenn wir auch heute mit Stolz zurückblicken - die Herausforderungen und Aufgaben für die Zukunft werden nicht minder anspruchsvoll als jene der Vergangenheit. Es wird darum gehen, die mit der Kraft der Gemeinschaft geschaffene Infrastruktur und die Wirtschaftskraft des Landkreises zu erhalten und fort zu entwickeln. Es wird auch darum gehen für eine solide Finanzausstattung der Kommunen zu streiten, damit nicht verwaltet, sondern gestaltet werden kann. Und es wird darum gehen dem demografischen Wandel aktiv zu begegnen. Sorge dafür zu tragen, dass der ländlichen Raum als attraktive und lebenswerte Heimat nicht nur einfach notgedrungen eine Berechtigung hat, sondern uns, seinen Bewohnern jene Zukunftsperspektiven und Entwicklungschancen ermöglicht, die wir zu Recht erwarten dürfen und die wir gern selbst gestalten möchten.

Wie Sie alle hier wissen bin und bleibe ich Optimist. Ich bin überzeugt, dass wir; die wir uns unserer Verantwortung für unsere Heimat bewusst sind, an einem Strang ziehen und tragfähige Lösungen finden werden. Dass wir dazu in der Lage sind, haben wir bewiesen und dafür bleibt mir am Ende nur danke zu sagen. Danke für bürgerliches Engagement ebenso, wie verantwortliches Handeln in den Kommunen, den Institutionen, den Vereinen, der Zivilgesellschaft und nicht zuletzt auch in meinem Haus, dem Landratsamt Greiz.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, wünsche ich uns allen einen vergnüglichen Abend mit guten Gesprächen und zunächst großartiger Musik, dargeboten von unserer Vogtland-Philharmonie Greiz-Reichenbach. Danke für Ihre Aufmerksamkeit und nun Herr Fraas, bitte schön!

Autor:

Gerd Zeuner aus Zeulenroda-Triebes

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