Greizer nehmen das Modell des geplanten Flutkanals durch ihre Stadt in Augenschein
Ein Graben durch Greiz

Im Modell funktioniert es: Ab einem bestimmten Hochwasserstand füllt sich der Flutkanal (links) mit Wasser aus der Weißen Elster.
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  • Im Modell funktioniert es: Ab einem bestimmten Hochwasserstand füllt sich der Flutkanal (links) mit Wasser aus der Weißen Elster.
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Das Wasser in der Weißen Elster steigt. Höher und höher. Der Greizer Innenstadt droht ein Hochwasser. Doch ab einem gewissen Wasserstand fließt Wasser aus dem Fluss in den seitlich abzweigenden Flutkanal ab. Während der Pegel in der Weißen Elster jetzt konstant bleibt, nimmt der Flutkanal immer mehr Wasser auf. Die Überschwemmung der Innenstadt ist abgewendet.

Dieses Szenario erlebten 23 interessierte Greizer  unlängst in Schleusingen - an einem Modell im Hydrlabor des Instituts für Wasserwirtschaft, Siedlungswasserbau und Ökolgie. Bevor es aber "Wasser marsch" hieß, erläuterten Institutsleiter Professor Konrad Thürmer und Projektleiter Frank Schirmer von der Thüringer Landgesellschaft den Gästen aus Ostthüringen die laufenden und perspektivischen Hochwasserschutzmaßnahmen für Greiz. Dass die dringend notwendig sind, darüber besteht spätestens seit dem verheerenden Hochwasser im Sommer 2013 Einigkeit. "Die Schutzanlagen in Greiz sind 60 bis 70 Jahre alt und geben einen Schutz bis zu 230 Kubikmeter Wasserfluss pro Sekunde. Ziel ist, diesen auf 270 zu erhöhen", sagt Schirmer.

So sind gegenwärtig an der Weißen Elster umfangreiche Maßnahmen zum Hochwasserschutz und zur Gewässerentwicklung geplant. Diese sollen möglichst bis zum Jahr 2028 umgesetzt werden. Bauherr ist die Thüringer Landgesellschaft (ThLG). Erste Aktivitäten in Greiz sind in Dölau mit dem Bau der neuen Brücke an der Liebigstraße sichtbar. Insgesamt werden die Hochwasserschutzmaßnahmen für diesen Greizer Stadtteil rund 7,5 Millionen Euro kosten. In Rothenthal soll im nächsten Jahr für 800.000 Euro eine neue Hochwasserschutzwand entstehen.

Das umfangreichste Vorhaben für die Kreisstadt ist natürlich der geplante Hochwasserschutz für die Greizer Innenstadt. Der beinhaltet sowohl die Neugestaltung des bestehenden Uferbereiches, beispielsweise die Erhöhung der Hochwasserschutzwand am Elstersteig um 30 Zentimeter, als auch den Neubau eines Flutgrabens. Dieser soll unterhalb der Brücke an der Mylauer Straße von der Weißen Elster abzweigen, durch die Kleingartenanlage "Flügelrad" und zwischen Bahntrasse und Plauensche Straße entlang führen. Hinter der Agentur für Arbeit soll der Kanal die Bruno-Bergner-Straße unterführen und das Hochwasser in die Weiße Elster leiten. Genau genommen wird der Flutkanal ein trocken liegender Graben mit gepflasterter Sohle sein, dessen Böschung unterschiedlich gestaltet wird. "Diese technische Hochwasserschutzanlage soll bei Hochwasser ein Drittel der Wassermenge aus der Weißen Elster abführen", kündigt Projektleiter Schirmer an.

Um die Funktionsweise des Flutkanals realitätsnah zu testen, wurde im Hydrolabor Schleusingen ein Modell im Maßstab 1:25 gebaut. Hier geben Testläufe mit unterschiedlichen Wassermengen Erkenntnisse auf zu erwartende Strömungsgeschwindigkeiten, wie hoch der Wasserspeigel steigt, ob es Verwirbelungen und Erosionen gibt und wie sich Sedimente und Treibgut verhalten. An dem Modell funktioniert die Ableitung des Hochwassers durch den Flutkanal recht eindrucksvoll. Davon konnten sich die Besucher, die mit einer Busexkursion aus Greiz angereist waren, überzeugen.

Nach dem "Wassertest" gab es rege Diskussionen zwischen den Greizern und den Instituts- und ThLG-Mitarbeitern. Die informierten, dass sich das Vorhaben zur Zeit in der Vorplanung befindet, um nächstes Jahr das Genehmigungsverfahren zu starten. Ziel ist die Umsetzung in der kommenden Planungs- und Förderphase ab 2021. Dann könnte der Bau 2024 beginnen und 2018 abgeschlossen sein. Über die Kosten wollten die Planer zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine konkreten Angaben machen. Im Raum stehen derzeit Zahlen zwischen 30 und 40 Millionen Euro.

Im November dieses Jahres ist in der Greizer Vogtlandhalle eine weitere Bürgerinformationsveranstaltung geplant, bei der Interessenten den aktuellen Stand der geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen für Greiz erfahren. Infos jetzt schon gibt es auf www.blickpunkt-elster.de.

Autor:

Gerd Zeuner aus Zeulenroda-Triebes

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