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Ringen, Saisonfinale Regionalliga
Greiz ist Mitteldeutscher Meister

Titelträger 2017 - RSV Rotation Greiz, v.l.: Trainer Tino Hempel, Trainer Swen Lieberamm, Betreuer Christian Lippert, Martin Obst, Sebastian Kessel, Thomas Leffler, Sebastian Wendel, Vladimir Gotisan, Lukasz Konera, Sven Cammin, Abdul Galamatov und Henning Tröger, Ligareferent der Regionalliga Mitteldeutschland. Vorn knieend v.l.: : Konstantin Sommer, Martin Zeuner, Toni Stade, Brian Tewes und Rasul Galamatov.
Titelträger 2017 - RSV Rotation Greiz, v.l.: Trainer Tino Hempel, Trainer Swen Lieberamm, Betreuer Christian Lippert, Martin Obst, Sebastian Kessel, Thomas Leffler, Sebastian Wendel, Vladimir Gotisan, Lukasz Konera, Sven Cammin, Abdul Galamatov und Henning Tröger, Ligareferent der Regionalliga Mitteldeutschland. Vorn knieend v.l.: : Konstantin Sommer, Martin Zeuner, Toni Stade, Brian Tewes und Rasul Galamatov.
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In einem dramatischen Finale um die Mitteldeutsche Meisterschaft 2017 hat der RSV Rotation Greiz in Markneukirchen den Titel erkämpft.

Nach dem 16:13-Heimsieg vor Wochenfrist unterlagen die Greizer den Rückkampf beim AV Germania Markneukirchen zwar mit 14:13, doch in der Summe der beiden Endkämpfe behielten die Ostthüringer mit zwei Pünktchen die Oberhand.

Vor dem anschließenden Showdown in der Markneukirchener Ringerhalle lagen die Expertentipps über den Kampfausgang zwischen 12:12 und 15:14. Damit bewiesen sie durchaus Sachverstand, doch wie das Ergebnis zustande kam, hatte keiner vorher gesehen. Denn in dem dramatischen Vogtlandderby gab es einige faustdicke Überraschungen. Vor über 400 begeisterten Zuschauern, davon fast die Hälfte aus Greiz, behielten sowohl die Gastgeber als auch die Gäste fünf mal die Oberhand. Das Verhalten der Zuschauer schätzte Kampfrichter Jörg Jähnichen vom RSK Gelenau übrigens als "sensationell" ein!

Hier in der Bildergalerie das Wettkampfprotokoll mit allen Ergebnissen und einige Fotos.

Hier der ausführliche Bericht von Erhard Schmelzer:

Zum vierten Mal in fünf Jahren sicherte sich der RSV Rotation Greiz in der zweithöchsten Liga der Ringer die Meisterschaft. Nach 2013, 2015 und 2016 sicherten sich die Ostthüringer auch in diesem Jahr den Staffelsieg. Ein echter Hattrick war es aber nicht, da der Deutsche Ringer-Bund vor der gerade zu Ende gegangenen Saison die 2.Bundesliga aufgelöst hatte und die Regionalliga Mitteldeutschland nun als zweithöchste Liga fungiert.
Ein Abbruch hinsichtlich Spannung und Leistungsfähigkeit war dabei nicht zu beobachten. Im Gegenteil, der diesjährige Austragungsmodus in zwei Staffeln mit Halbfinale und Finale sorgte gerade zum Saisonende für zusätzliche Spannung, volle Hallen und großes Interesse in den Medien.

Durch den Wechsel der Gewichtsklassen gibt es bei den Ringern zwei Finalkämpfe. In der Vorwoche hatte der RSV Rotation Greiz vor der imponierenden Zuschauerkulisse von 850 Besuchern den Vorkampf mit 16:13 gegen den vogtländischen Rivalen AV Germania Markneukirchen für sich entschieden.Nun musste dieser knappe drei Punkte-Vorsprung im weitaus kleineren Hexenkessel von Markneukirchen verteidigt werden. Die Gastgeber hatten auf einen Teil der Bestuhlung verzichtet und konnten in ihrem Vereinsheim mit der kleinen Matte 400 Besucher, darunter eine vielköpfige Fangruppe aus Greiz, die am entscheidenden Tag ihre Mannschaft lautstark und humorvoll unterstützten, begrüßen.

Beide Vereine hatten gegenüber dem Vorkampf ihre Teams nur unwesentlich verändert. Greiz verzichtete wiederum auf seinen polnischen Weltklasseringer Zbigniew Baranowski und stützte sich diesmal auf Rasul Galamatov und Martin Obst.

In keinem anderen Kampf waren die Siegchancen so gering wie für Rasul Galamatov (57 kg/g) in der Auseinandersetzung mit dem kleinen Sibirier Valerij Borgoiakov. Der 15-jährige Greizer zeigte allerdings gegen den erfahrenen doppelt so alten ehemaligen Weltspitzenringer in dessen bevorzugter Stilart eine kämpferisch sehr gute Leistung und unterlag erst in der vierten Minute beim Stande von 2:18 auf Schultern. (Mannschaftsstand aus Greizer Sicht: 0:4)

Wie in Greiz kämpfte Sebastian Wendel (130 kg/f) gegen den Deutsch-Polen Lukasz Dublinowski. Am Ende wurde der in der dritten Minute zum zwischenzeitlichen 1:1 Ausgleich erkämpfte Punkt des Greizers noch sehr wichtig. In der dramatischen Endphase sicherte er bei der 1:8 Niederlage den im Rahmen bleibenden Verlust von zwei Mannschaftspunkten. (0:6)

Sven Cammin (61 kg/f) traf auf den Hofer Roman Walter, der vor allem durch schnelle Beinangriffe das Heft des Handeln in die Hand nahm. Zwar gelang es dem Greizer zwei Beinangriffe seines Kontrahenten in eigene Punktgewinne umzumünzen, doch am Ende hatte der ehemalige Auswahlringer im Jugend – und Juniorenbereich, der von seinem Verein nach Ende der Kämpfe als bester Ringer der Saison ausgezeichnet wurde, mit 15:4 deutlich gewonnen. (0:9)

Lukasz Konera (98 kg/g) musste sich wiederum, diesmal eine Gewichtsklasse tiefer, mit dem Juniorenauswahlringer Franz Richter auseinandersetzen, der seit der letzten Woche fünf Kilogramm abnehmen musste. Der bullige Pole setzten den jungen Modellathleten gehörig unter Druck, so dass die bei dem schon etwas deprimierenden Mannschaftsstand ruhig gewordenen Greizer Anhänger neuen Mut fassen konnten. Mit einem Drängen von der Matte, einer Zwei im Standkampf und einer Verwarnung sicherte sich der Greizer den 4:0 Sieg (2:9)

Der 18-jährige Greizer Abdul Galamatov (66 kg/g) hatte gegen den zwei Jahre älteren Justin Müller in Greiz im freien Stil trotz eines packenden Kampfes mit 6:14 verloren. Diesmal wirkte der Greizer, der sich intensiv auf den Rückkampf vorbereitet hatte, sehr konzentriert. Von Anfang an bestimmte er das Geschehen auf der Matte, führte nach 50 Sekunden schon 4:0 und diktierte gegen den Juniorenvizemeister eindeutig den Kampfverlauf. Zwanzig Sekunden vor Ultimo vergab er aber beim einzigen Punktgewinn seines Gegners zum 8:1 Endstand einen wichtigen Mannschaftspunkt. (4:9)

Für Martin Obst (86 kg/f) hieß die Devise Angriff. Von der ersten Sekunde an konnte der deutsche Meister gegen den diesjährigen EM- und WM-Teilnehmer der Junioren hauptsächlich durch seine blitzschnellen Beinangriffe Punkt für Punkt zu sammeln. Bereits nach vier Minuten war der Sportsoldat mit 16:0 geschlagen. (8:9)

Freistilringer kommen oftmals im griechisch-römischen Stil gut zurecht. Umgekehrt ist das ganz selten der Fall. Eine dieser Ausnahmen ist Brian Tewes (71 kg/f), der auf Denny Latzke traf. Bis zur vierten Minute führte der Markneukirchener 2:0, dann kam der Greizer nach einer 30 Sekundenstrafe gegen Latzke zum Anschluss und mit einer folgenden blitzschnellen Aktion zur 3:1 Führung.In den nächsten 90 Sekunden fiel eine wichtige Vorentscheidung. Mit dem Ziel, den wohl schon greifbar nahe geglaubten Sieg wieder zu erringen, griff der Markneukirchener zu ungestüm an und wurde unter dem unbeschreiblichen Jubel der Greizer Fans viermal zum Endstand von 11:2 gekontert. (11:9)

Martin Zeuner (80 kg/g) stand im richtigen Moment seinen Mann. Die Markneukirchener Trainer Andre Backhaus und Andy Schubert setztenLucas Bast ein, der sich bei einem unglücklichen Zusammenstoß eine Platzwunde am Kopf zuzog. Der souveräne Kampfrichter Jörg Jähnichen signalisierte zwar, dass diese Verletzung nicht auf Grund eines Fouls geschehen war, trotzdem entschied eine Kampfunterbrechung zum Verbinden der Wunde den Kampf, da der aus Zella-Mehlis nach Greiz gekommene Zeuner entgegen der Regel während der Kampfunterbrechung Wasser zu sich genommen hatte, was mit zwei Punkten sanktioniert wurde. So hieß es nach ausgeglichenem Kampf am Ende 1:3. (11:10)

Leider war für Toni Stade (75 kg/g), der wieder auf den Armenier Seyran Simonyan traf, bereits nach gut einer Minute Schluss. Durch eine Rippenverletzung gehandicapt war vor allem im Bodenkampf gegen den ehemaligen Auswahlringer von Russland kein Widerstand möglich, so dass er den Kampf aufgeben musste.

Die Gastgeber führten nun vor dem letzten Kampf 14:11 und hatten damit den drei Punkte Rückstand aus dem Kampf in Greiz ausgeglichen.Kein Regisseur hätte die Saison spannender planen können.

Im 160.Kampf der Saison zwischen musste nun die Entscheidung fallen. Der Sieger würde sein Team zur Meisterschaft führen. Mit dem 31-jährigen Moldawier Vladimir Gotisan (75 kg/f) und dem zwanzigjährigen Johann Steinforth standen sich Sportler verschiedener Generationen gegenüber. Während der Greizer seinen größten sportlichen Erfolg mit dem fünften Platz bei der EM schon 2010 feiern konnte, gelang dem gebürtigen Magdeburger in diesem Jahr der fünfte Platz bei der EM der Junioren.Beide gingen vorsichtig zu Werke, wollten sich keine Blöße geben, Taktik bestimmte den Kampf. Der Greizer ging vor der Pause 2:0, dann 4:0 in Führung, sein Gegner kam auf 4:2 heran. Die Entscheidung fiel als der Vertreter der Gastgeber 70 Sekunden vor Schluss mit einem Beinangriff das Blatt wenden wollte und vom Routinier erfolgreich gekontert wurde. Der 7:4 Sieg wurde vom Greizer Team und seinem stimmgewaltigen Anhang enthusiastisch gefeiert.

Die Markneukirchener hatten den Mannschaftskampf zwar mit 14:13 für sich entschieden, der Meister der Regionalliga Mitteldeutschland hieß aber mit zwei Punkten mehr: RSV Rotation Greiz. Dem Resümee des Hallensprechers Nico Picker widersprach niemand: „Wir haben zwei würdige Finalisten gesehen. Beide Fanblöcke waren phantastisch.“ Gleich im Anschluss an die Kämpfe bekamen die Zweitplatzierten und die Sieger die Medaillen überreicht.

Stimmen zum Kampf:

Tino Hempel, der mit Trainerkollege Swen Lieberamm die dritte Meisterschaft in Folge feiern konnte: „Wir sind stolz auf unsere Truppe und die Fans, die maßgeblichen Anteil an unseren Erfolg haben. Heute war es ganz schwierig, aber Brian hat das Steuer rumgerissen.“

Andy Schubert, der mit Andre Backhaus die Gastgeber betreute: „Wir gratulieren den Siegern. Die Zuschauer haben erstklassige und faire Kämpfe gesehen. Ich glaube, heute haben Erfahrung und Cleverness zum Sieg geführt. Unsere junge Mannschaft hat die Zukunft vor sich.“

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